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Kinked! Kinks Songs & Sessions 1964-1971

27 April 2016 No Comment
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KinkedAuf die berühmte Frage BEATLES oder STONES gibt ja es ja ein paar Schlawiner, die gerne mit KINKS antworten. Ich selbst gehöre zwar nicht zu dieser Fraktion, aber es gibt doch ein paar gute Gründe für solch eine Antwort. So haben die KINKS – bevor sie in den 70ern mit haufenweise recht belanglosen Konzeptalben förmlich um sich geschmissen haben, um gegen Ende der Dekade als Stadion-Rockband kommerziell und künstlerisch wieder aufzuerstehen – tatsächlich zwei Musikstile mehr oder weniger im Alleingang erfunden. Mit „You Really Got Me“ gelang ihnen Anfang der 60er ein Stück Proto-Hard Rock, der so vorher aus keiner Garage schallte und gegen Mitte der Dekade erfanden sie mit sensiblen gesellschaftskritischen Texten über urbritische Themen den Brit Pop. Keine schlechte Ausbeute.

Dass die Band um Sänger und Songwriter RAY DAVIES sowohl instrumental als auch gesanglich nicht mit den zwei größten Namen der 60er mithalten konnten, ist dann wohl auch der Grund, warum sie trotz großer Erfolge nicht zu den beiden aufschließen konnten. Um so schöner ist es nun die neue ACE Records Zusammenstellung „Kinked! Kinks Songs & Sessions 1964-1971“ in den Händen zu halten. Die enthält pralle 25 RAY DAVIES Songs und einen von seinem kleinen Bruder DAVE – viele davon exklusive Tracks, die es nie auf reguläre KINKS Platten schafften.

So etwa das wunderbar düstere „This Strange Effect“ von DAVE BERRY, das die Compilation direkt mit einer halb vergessenen Perle eröffnet. „I’ve Got That Feeling“ von THE ORCHIDS ist stampfender Girl Group Pop und „All Night Stand“ eine bissig-dunkle Story über das Leben als tourender Musiker. Die DAVE DAVIES Nummer „One Fine Day“ ist melodisch zwar simpler gestrickt als die anderen Songs, bietet aber das perfekte Vehikel für den dreckigen Gesang von SHEL NAYLOR. Ein verstecktes „Waterloo Sunset“ oder „Autumn Almanac“ findet sich zwar nicht unter den weggegebenen Songs, aber auf den KINKS Alben der Zeit hätten alle eine gute Figur gemacht.

Wie sieht es nun mit den Songs aus, die man bislang eher vom Original her kannte? PETULA CLARK entzieht sich dem direkten Vergleich, indem sie „A Well Respected Man“ als „Un Jeune Home Bien“ ins französische übersetzt und dabei voll ins Schwarze trifft. Vielleicht ist es ja sowas wie Majestätsbeleidigung, aber die hier versammelten Cover-Versionen sind allesamt tolle Adaptionen und in den meisten Fällen den von den KINKS teils eher hastig aufgenommenen Originalen sogar überlegen. So gelingen den OLYMPICS mit „So Mystifying“ und den PRETTY THINGS mit „A House In The Country“ zwei wunderbar scheppernde Versionen von gar nicht mal so wichtigen Songs, denen sie aber Seiten abgewinnen, die im Original so nur angedeutet sind.

MARIANNE FAITHFUL arbeitet bei „Rosy Won’t You Please Come Home“ die Zärtlichkeit heraus, die bei RAY DAVIES Vortrag lediglich teilweise gelingen wollte. Am eindrucksvollsten schafft es aber wohl BOBBY RYDELL die KINKS in den Schatten zu stellen. Aus dem harmlosen Album-Track „When I See That Girl Of Mine“, macht er mit seiner treibenden Version eine hochgradig eingängige Single, die auf keiner Northern Soul Party unangenehm auffallen würde. Allein die braven HERMAN’S HERMITS schaffen es nicht dem sowieso etwas schlaffen „Dandy“ eine spezielle Note zu verpassen und landeten damit trotzdem den größten kommerziellen Hit dieser Zusammenstellung. Tja – auch in den 60ern gewann Kunst nicht immer gegen Kommerz. „Kinked! Kinks Songs & Sessions 1964-1971“ ist jedenfalls ein äußerst spannendes Dokument, das neues Licht auf bekannte und unbekannte Perlen aus RAY DAVIES Feder wirft und unbedingt gekauft werden sollte.

Bewertung: 6/6
Label:
ACE Records
VÖ: 15.04.2016
acerecords.co.uk

Trackliste:
01. This Strange Effect – Dave Berry

  1. Look For Me Baby – Goldie & The Gingerbreads
  2. I Bet You Won’t Stay – The Cascades
  3. King Of The Whole Wide World – Leapy Lee
  4. I Go To Sleep – Peggy Lee
  5. All Night Stand – The Thoughts
  6. So Mystifying – The Olympics
  7. Un Jeune Homme Bien – Petula Clark
  8. One Fine Day – Shel Naylor
  9. Oh What A Day It’s Going To Be – Mo & Steve
  10. Little Man In A Little Box – Barry Fantoni
  11. A House In The Country – The Pretty Things
  12. When I See That Girl Of Mine – Bobby Rydell
  13. Nobody’s Fool – Cold Turkey
  14. Act Nice And Gentle – Duster Bennett
  15. I’ve Got That Feeling – The Orchids
  16. Emptiness – The Honeycombs
  17. Rosy, Won’t You Please Come Home aka Rosie, Rosie – Marianne Faithfull
  18. I’m Not Like Everybody Else – The Chocolate Watchband
  19. Who’ll Be The Next In Line – The Knack
  20. Dandy – Herman’s Hermits
  21. The Virgin Soldiers March – The John Schroeder Orchestra
  22. A Little Bit Of Sunlight – The Majority
  23. Big Black Smoke – Mick & Malcolm
  24. Mister Pleasant – Nicky Hopkins & The Whistling Piano
  25. End Of the Season – The Ugly’s
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