Home » Konzerte, Reviews

KORN – 06.05.2014, Köln, Palladium

24 Mai 2014 No Comment
Share

KORN-5
Das einzige Deutschlandkonzert von KORN fand dieses Jahr in Köln statt. Also ab ins Auto und auf ins Palladium! In der Location geben sich ja die Größen der Musikindustrie die Klinke in die Hand, dementsprechend professionell geht es hier zu. Freundliche Mitarbeiter, gute Organisation und moderate Preise für Essen und Trinken. Hier kommt man gern hin.

Zur Vorband Hacktivist ist die Halle etwa zu zwei Dritteln gefüllt. Als die Jungs loslegen, muss ich sofort an den 1997 veröffentlichten Spawn Soundtrack denken, auf dem sich bekannte Metalbands erstmals mit Hip-Hop und Electronic Producern zusammensetzten, um etwas vollkommen Neues zu schaffen. Die erst seit 2011 aktiven Hacktivist liefern mit Ihrer EP von 2012 nämlich ein sehr solides, teilweise atmosphärisches Djent – Gerüst mit rhythmisch intelligent gesetzten Vocals der beiden Rapper Ben Marvin und Jermaine Hurley ab. So innovativ und gut gemacht ich die EP finde, live überzeugt mich diese Mischung leider nicht mehr.

Die gerade bei Djent extrem wichtige Rhythmikbetonung kommt den Vocalisten ziemlich abhanden. Und während einer der Rapper seinen Part kickt, steht der andere meist nur daneben und wartet auf seinen nächsten Einsatz, anstatt ein wenig für Stimmung zu sorgen. Zudem ist der Sound recht grenzwertig, eigentlich brummen Timfy James 8-Saiter Gitarre und der 6-Saiter Bass von Josh Gurner undefiniert vor sich hin, hohe Gitarrentöne finden einfach keinen Weg durch diese massive Basswand, einzig das Schlagzeug setzt sich gut durch.

Meine Befürchtung, dass Korn mit einem ähnlich unausgewogenen Sound auftreten würden, stellte sich glücklicherweise als unbegründet heraus. Vom ersten Ton an war alles differenziert hörbar, auf den Punkt und auf die Zwölf! Das Palladium war mittlerweile mit einem altersmäßig vollkommen durchmischten Publikum komplett gefüllt. Korn hat nicht nur haufenweise junge, sondern auch sehr viele alte Fans zum einzigen Deutschlandkonzert 2014 nach Köln gelockt. Zwei Männer, beide um die fünfzig, die im kultigen Schottenrock und Korn Shirt in der Menge vor mir standen, waren der lebende Beweis. Aber auch erstaunlich viele Mittvierziger samt Kind und Kegel fanden Ihren Weg ins Palladium. Selbst Frontmann Jonathan Davis bemerkte zwischendurch: „Wir machen das hier jetzt seit über 20 Jahren und wir möchten euch, den Fans, dafür danken.“ Und genauso fühlte sich das Konzert auch an.

Die Band spielte an dem Abend nicht unbedingt um das neue Album zu promoten, sondern vor allem für Ihre Fans. Erst nach der Eröffnung mit „Falling Away from Me“, „Twist“ und „Got the Life“ gab es mit „Love & Meth“ einen Titel vom neuem Album zu hören. Der fügte sich aber nahtlos ein und wurde von einem im Takt springenden Mob genauso abgefeiert wie die alten Stücke. Auch „Spike in My Veins“ wurde sehr gut angenommen, dabei muss ich allerdings anmerken, dass die neuen Stücke live deutlich mehr „Kornsound“ haben als die Albumversionen. In der Mitte der Show packte Jonathan dann den Dudelsack zum traditionellen „Shoots And Ladders” aus. Spätestens ab hier gab es kein Halten mehr, ein Kracher folgte dem anderen.

„Coming Undone“ und „Here to Stay“ brachten die sowieso schon aufgeheizte Menge endgültig zum Ausrasten. Für einen krassen Break sorgte ein ausgiebiges Drumsolo von Ray Luzier und der folgende, für Korn eher untypisch sperrige Titel „Never Never“. Danach baute die Band allerdings gekonnt mit „Freak on a Leash“ sofort wieder Spannung auf, um dem tobenden Publikum mit „Clown“, „Good God“ und „Blind“ den Rest zu geben. Vor allem die letzten beiden Stücke waren für viele Fans spürbar wichtig und rundeten den Abend ab. Schön zu sehen, dass Korn mit der Rückkehr von „Head“ jetzt fast wieder in Originalbesetzung sind. Ray Luzier ist als fester Drummer eine ganz klare Bereicherung.

Die ständige Kritik, dass Korn ja gar nicht mehr Korn sei, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Seit gestern noch weniger. Korn ist nach wie vor 100 % Korn, nur gibt es nun zusätzlich zum klassischen Sound hier und da elektronische Einflüsse. So what? Ich kenne keine Band, die sich selbst und Ihrem Sound so treu geblieben ist wie diese.

Text: René Bannasch
Fotos: Andreas Heller

Share

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.