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LANA DEL RAY – Honeymoon

28 September 2015 No Comment
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honeymoon

LANA DEL RAY klingt auf ihrem dritten (oder vierten, je nachdem wie man zählt) Album „Honeymoon“ wieder ein bisschen mehr wie auf ihrem Erfolgs-(Debüt?)-Album „Born To Die“. Auch was die Qualität der Songs betrifft, kann sie den unterm Strich doch leider eher entäuschenden Vorgänger „Ultraviolence“ klar überbieten. Krass ist der Gegensatz zwischen dem gewählten Titel „Honeymoon“ und der Schwermütigkeit, die sich durch die ganze Platte zieht.

Natürlich war sie immer Moll und nicht Dur, nie eine, die sich dem Mainstream angebiedert hat, sondern eine, die das Glück hatte mit ihrem Video zu „Video Games“ einen Youtube-Hit zu landen und so zum Big-Seller wurde. Auch ihr neues Album bleibt ein Statement ihrer individuellen Vision Musik zu schaffen. Diesmal versucht sie noch mal weit in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zurück zu greifen, in eine Zeit vor Elvis, Beatles und Dylan.

Dabei ist die Produktion jedoch natürlich nicht retro. Gemeinsam mit Rick Nowels und Kieron Menzies hat sie zwar orchestrale Arrangements geschaffen, aber die Sounds sind zeitgemäß. Die perkussiven Elemente werden sparsam, aber klar elektronisch eingesetzt, darüber schwirren Tremolo-Gitarren und es ist sehr viel Hall auf den Stimmen. Eine Coverversion aus den 1960s ist auch dabei – „Don’t Let Me Be Misunderstood“ klingt bei ihr deutlich näher an dem Original von Nina Simone als an den späteren Hitversionen von The Animals oder Elvis Costello. Trotzdem ist es ein unnötiges Cover, das der Platte keine neue Farbe hinzufügt, denn – das ist das Manko von „Honeymoon“ – die Platte leidet an ihrer Gleichförmigkeit und ihrer Länge.

Und doch sind durchaus einige Perlen auf „Honeymoon“ enthalten. Neben dem auch als Single veröffentlichten „High By The Beach“ ist dessen Zwilling „Freak“ nicht minder bemerkenswert. Der beste Track kommt an Position 10 („Salvatore“) und auch der „Swan Song“ vor dem besagten Nina Simone-Cover lässt aufhorchen. Dazwischen stehen Songs, die für sich genommen alle durchaus ihren Reiz haben, aber zu sehr nach der gleichen Machart, ja sogar Tonart, klingen. Das Schema „F“, bzw. „L“ dominiert und lässt Frau Del Ray beinahe wie ein One Trick Pony aussehen, das nur die eine Masche drauf hat.

Eine Reduktion auf vielleicht 10 statt 14 Tracks hätte der Platte gut getan. Bei all der Kritik sei aber angemerkt, dass eine LANA DEL RAY als populäre Künstlerin ihren Wert hat, dass sie heute nicht nur Musik für junge Leute macht, sondern auch die anspricht, die Sinead O’Conner, Heather Nova oder Portishead in ihren Hoch-Zeiten gemocht haben. Das nächste Album wird für sie eine künstlerische Herausforderung werden. Da wird sich zeigen, ob das Pony mehr kann als bislang gezeigt.

Bewertung: 4 von 6
VÖ: 18.09.2015
Label: universal-music.de
lanadelrey.com

Tracklist:
01. Honeymoon
02. Music To Watch Boys To
03. Terrence Loves You
04. God Knows I Tried
05. High By The Beach
06. Freak
07. Art Deco
08. Burnt Norton (Interlude)
09. Religion
10. Salvatore
11. The Blackest Day
12. 24
13. Swan Song
14. Don’t Let Me Be Misunderstood

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