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LED ZEPPELIN – Presence (2015 Reissue)

31 Juli 2015 No Comment
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presence

„Presence“ dürfte das am häufigsten unterbewertete Album aus dem LED ZEPPELIN-Kanon sein. Dabei ist es sogar das erklärte Lieblingsalbum von Robert Plant, der die Platte seinerzeit nach dem schweren Autounfall in Griechenland im Rollstuhl einsingen musste und zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob er jemals wieder so über die Bühne stolzieren können würde wie zuvor. Aufgenommen im Münchener Musicland Studio in zwei Wochen und einigen Extratagen, die Page sich von den Stones, die das Studio danach gebucht hatten, gewähren ließ. Angeblich soll Jagger damals nicht geglaubt haben, dass Page und seine Band tatsächlich ein komplettes Album einschließlich aller Overdubs in so kurzer Zeit einspielen konnten. Sie konnten. Und das hört man der Platte bis heute an. So entstand übrigens auch der Titel des Albums „Presence“ – in Anlehnung an die Präsenz, die die Band in diesen zwei Wochen zeigte.

Seinerzeit schafften es nur zwei Songs von der Platte ins Liveset der Band, zum einen das epische „Archilles Last Stand“ und zum anderen das wuchtige „Nobody’s Fault But Mine“ – beides wurden späte Klassiker – nur der Rest des Albums ging etwas unter. Immerhin bekam das superbe „For Your Life“ die Ehre bei dem Reunion-Gig 2006 eine Livepremiere zu bekommen. Das bluesige „Tea For One“ spielten Page & Plant in den 90s, damals in den 70s hatte die Nummer, trotz ihrer zweifellosen Qualität keine Chance gegen den Liveklassiker „Since I’ve Been Loving You“. Die anderen drei Songs „Royal Orleans“, „Candy Store Rock“ und „Hots On For Nowhere“ sind vom Stil her durchaus ähnlich und auch prägend für das Album. Es ist eine Mischung aus Rock, Soul, Funk und New Orleans, keine stadiontauglichen Riffmonster oder Bombastnummern à la „Kashmir“ – vielleicht war das der Grund, warum die Platte bei vielen Fans nicht die Anerkennung bekommen hat, die sie verdient hätte.

Für das Reissue wurde auch wieder eine Compainion-Disc zusammengestellt, die bis auf „Nobodys Fault But Mine“, „Candy Store Rock“ und „Tea For One“ von jedem Song eine alternative Version beinhaltet, die jedoch in allen Fällen auf den bereits veröffentlichten Tracks basiert und diese in einer früheren Version zeigt. Die größte Überraschung dürfte dabei der Track „Royal Orleans“ sein, der Vocals hat, die nicht von Plant zu stammen scheinen. Leider geben die Linernotes diesbezüglich keine Informationen. Es mag Bonham sein, der da den Text mehr spricht als singt. Aber auch etwas ganz neues ist zu hören: „10 Ribs & All/Carrot Pod Pod“ heißt der Track, der offensichtlich von John Paul Jones stammt, denn er basiert über weite Strecken allein auf einer Pianobegleitung. Jimmy Page und John Bonham steigen dann im Laufe des Songs ein, nur Robert Plant war wohl an der Aufnahme nicht beteiligt – sehr schade, denn das hätte ein sehr interessanter Song für Led Zeppelin werden können, der vielleicht „Presence“ auch noch mehr Abwechslung und Aufmerksamkeit gebracht hätte.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 31. Juli 2015
Label: Warner

http://www.ledzeppelin.com

http://www.warnermusic.de

Led Zeppelin „Presence“
Tracklist
1. Achilles Last Stand
2. For Your Life
3. Royal Orleans
4. Nobody’s Fault But Mine
5. Candy Store Rock
6. Hots On For Nowhere
7. Tea For One

Companion Audio
1. Two Ones Are Won (Achilles Last Stand – Reference Mix)
2. For Your Life (Reference Mix)
3. 10 Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod) (Reference Mix)
4. Royal Orleans (Reference Mix)
5. Hots On For Nowhere (Reference Mix)

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