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LEVIATHAN – The Legendary Lost Elektra Album

16 Februar 2017 No Comment

LEVIATHANEs ist kein leichtes Unterfangen die Band LEVIATHAN zu googeln und bei der üppigen Auswahl die tatsächlich gesuchte Kapelle zu finden. So werden einem unter anderem amerikanische oder schwedische Black Metal Bands angeboten, eine italienische Neo-Prog Band ist auch dabei und selbst Polen, die Ukraine und Argentinien hatten eine Band mit dem Namen im Repertoire. In diesem Review geht es allerdings um die englischen ’60s Rocker, die vorher unter dem weniger populären aber eindeutigeren Namen MIKE STUART SPAN unterwegs waren. 4 Singles schafften sie unter diesem Moniker, von denen in der Rückschau primär die finale im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben ist. „Children Of Tomorrow“ ist druckvoller Garagen-Psych, der die Richtung für das hier vorliegende Album weist, das nun erstmals auf CD vorliegt.

1969 noch unter altem Namen wurde das Quartett von dem legendären DOORS-Label Elektra Records unter Vertrag genommen und bekam den Auftrag samt Vorschuss ein Album abzuliefern. Mit neuem Mut und der Hoffnung auf den ersehnten kommerziellen Durchbruch begann die Band die Arbeit an ihrem Debüt Album. Einziger Wehmutstropfen: Label-Boss Jac Holzmann wollte einen hipperen Namen und mit Hilfe eines Wörterbuches einigte man sich auf LEVIATHAN, was allerdings zuerst einmal dafür sorgte, dass Promoter weniger Interesse hatten die Band für Konzerte zu buchen. Die neu „gewonnene“ Zeit wurde allerdings genutzt, um im Studio – ohne einen Produzenten – am neuen Material zu arbeiten.

Aus den anschließenden Sessions wurden flott zwei Singles ausgewählt, die parallel am selben Tag erschienen, was sowohl die Käuferschaft als auch die Musikpresse eher verwirrte und als Konsequenz hatte, dass beide floppten. In der Zwischenzeit hatte sich auch das Interesse von Jac Holzmann so weit gelegt, dass er in letzter Sekunde das Album zurückzog und auf eine Veröffentlichung verzichtete. Die eben noch voller Hoffnung auf einen zweiten Karriere-Frühling motivierte Band wurde derart von der Entscheidung überrumpelt, dass sie sich noch im Herbst 1969 auflösten. Schade – denn die nun wieder ausgegrabene Platte hätte ein besseres Schicksal verdient. „Remember The Times“, eine der Single-A-Seiten, eröffnet das Album mit eingängigen Hooks und einem Fuß im Pop. Richtig dreckig oder düster ist „The Lost Elektra Album“ nicht geworden, was vielleicht zu der Entscheidung führte, die Platte sang und klanglos verschwinden zu lassen.

Doch auch wenn das Material weder zum großen Pop Hit, noch zum gefeierten Underground Klassiker taugt, ist das Werk von LEVIATHAN definitiv eine Entdeckung wert. „The War Machine“ kommt mit verfremdeten Leslie-Vocals, während „Through The Looking Glass“ geschickt Blues-Motive und Pop verbindet. Bei „Time“ versucht sich die Band an einem geheimnisvolleren Klang, was zumindest in Ansätzen gelingt. Alles in allem wäre ein Produzent, der der Band zu einem etwas individuelleren und experimentelleren Sound verholfen hätte, sicherlich nicht verkehrt gewesen. So bietet „The Lost Elektra Album“ abgesehen von kleineren Produktionstricks primär simple Gitarren-, Bass-, Drum-Arrangements, die zwar relativ zeitlos, aber auch ein wenig gesichtslos daherkommen. Das sorgt dafür, dass die Welt nun keinen ganz großen vergessenen Klassiker zurück bekommt, aber trotzdem eine wirklich feine Platte, die fast 50 Jahre nach ihrer Entstehung eine Entdeckung wert ist.

Bewertung: 4/6
Label:
Grapefruit Records / Cherry Red
VÖ: 11.11.2016
https://www.cherryred.co.uk/label/grapefruit/

Trackliste:
01. Remember the times

  1. Second production
  2. The war machine
  3. Through the looking glass
  4. Blues day
  5. Time
  6. Flames
  7. World in my head
  8. Evil woman
  9. Flames (Single Version)
  10. Just forget tomorrow (Single)
  11. Remember the times (Australian Single Version)

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