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LOS BRAVOS – Black Is Black: The Anthology 1966 – 1969

9 September 2017 No Comment
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Los BravosZackige Drums und ein treibender Beat Bass – dann, bevor die Twang Gitarre einsetzt, ein perfekt platziertes Schlagzeug Fill ehe eine klirrende 60s Orgel und knackigen Bläsern den Groove perfekt machen. Und dann gibt es noch diese hohe kraftvolle Blue-Eyed-Soul Stimme. „Black Is Black“ ist ein perfekter ’60s Garagen-Soul-Pop Song, der dank der schneidenden Vocals in etwa so klingt als hätte GENE PITNEY plötzlich neue Tricks gelernt und sein Meisterwerk veröffentlicht. Das dachten damals tatsächlich einige DJs, die trotz oder gerade wegen dieser Fehlannahme die Single in den USA, Großbritannien und weiten Teilen der restlichen westlichen Pop-Welt im Radio rauf und runter spielten und der Band mit ihrer ersten Single einen weltweiten Hit im Sommer ’66 bescherten.

GENE PITNEY hatte mit „Black Is Black“ allerdings nichts zu tun, obwohl er 1966 einen solchen Hit sicherlich gerne für sich verbucht hätte. Der Sänger hieß Mike Kogel, kam aus Berlin und machte Musik mit der spanischen Band LOS BRAVOS, die gerade erst unter die Fittiche von Manager Alain Milhaud geschlüpft waren, als er sie nach schnellen lokalen Radioerfolgen auch schon nach England zu Produzent Ivor Raymone schickte, der auch die Fäden hinter DUSTY SPRINGFIELDS Aufnahmen zog. Dieser engagierte dann auch direkt lokale Session-Musiker von JIMMY PAGE bis JOHN McLAUGHLIN, die hinter Kogels imposantem Gesang für den nötigen Druck sorgten. Aufgenommen wurden neben zahlreichen Kompositionen von Manolo Diaz, der zwar nicht mit der Band auf Tour ging, aber eine Art Behind-The-Scenes-Rolle bekam, auch reihenweise Songs von englischen Songwriting-Teams.

Auf „Black Is Black: The Anthology 1966 – 1969“ ist nun erstmals der gesamte Output der Band zu finden, der mit insgesamt 60 Songs noch einiges mehr hergibt als den großen Hit. Zugegebenermaßen ist „Black Is Black“ der beste Track der Band, aber ein Weiterhören lohnt sich trotzdem. Man darf nur seine Erwartungen nicht auf eine Fundgrube an obskuren Garagen-Nuggets setzen. Vieles ist zwar herrlich melodiöser, tight gespielter und krachig arrangierter ’60s Soul-Pop, der sowieso mindestens wegen Kogels Gesangsakrobatik interessant ist, aber eben doch zumeist eher den Chart-Hit sucht, als sich dem toughen Underground-Sound verschreibt. „Will You Always Love Me“ klingt gar nach frühen FREDDIE & THE DREAMERS, während „Baby, Believe Me“ prä-Rubber Soul-BEATLES-Charme versprüht.

Die dramatische Diaz-Komposition „I Want A Name“ und der druckvolle Soul-informierte R’n’B von „I’m Cuttin‘ Out“ stechen da schon eher in die Nuggets-Kerbe. Allein mit dem Nachfolger für den Hit wollte es so richtig nicht klappen. In England wurde die etwas unglücklich betitelte RAYMOND Komposition „I Don’t Care“ veröffentlicht, die wenigstens noch bis Platz 16 kletterte, während in den USA das eigentliche tolle „Going Nowhere“ seinem Namen alle Ehre machte und direkt wieder in der Versenkung verschwand. Der nächste Versuch – diesmal mit dem französischen Jean Bouchety an den Reglern – war die wunderbar druckvolle Vanda/Young-Komposition „Bring A Little Loving“, die es zumindest in den USA immerhin bis auf Platz 51 schaffte und durchaus Potential für mehr gehabt hätte.

Unter Jean Bouchety blieben zwar die zahlreichen Session-Musiker, aber es wurde auch etwas mehr experimentiert, was sich auf dem finalen Album „Ilostrisímos Bravos“ von 1969 nachzuhören ist. Das noch mit Kogel aufgenommene, aber kurz nach seinem Ausstieg veröffentlichte Album enthält noch weitere hübsche Vanda/Young-Songs plus einige Stücke von Manolo Diaz, konnte aber auch keine kommerziellen Erfolge mehr verbuchen. „Black Is Black: The Anthology 1966 – 1969“ fasst nun all dies zusammen und ist eine schöne Gelegenheit die Geschichte dieser Band noch einmal nachzuhören.

Bewertung: 5/6
Label:
RPM Records / Cherry Red
VÖ: 25.08.2017
https://www.cherryred.co.uk

Trackliste:
DISC ONE:

1. BLACK IS BLACK (NEGRO ES NEGRO)
2. NO SE MI NOMBRE (I WANT A NAME)
3. WILL YOU ALWAYS LOVE ME (HAS DE AMARME SIEMPRE)
4. QUIERO GRITAR
5. UNA FLOR CORTE
6. RECOPILACION
7. I WANT A NAME
8. TRAPPED (PRISIONERO) 9. BABY, BABY (VIVE)
10. MAKE IT EASY FOR ME (DON FELIPÓN)
11. SHE BELIEVES IN ME (ME ESPERA)
12. STOP THAT GIRL (LA PARADA DEL AUTOBÚS)
13. GIVE ME A CHANCE (DAME UNA OPORTUNIDAD)
14. I’M CUTTIN’ OUT (SE ACABÓ)
15. TWO KINDS OF LOVERS (DOS CLASES DE ENAMORADOS)
16. YOU WON’T GET FAR (LA PRIMERA AMISTAD)
17. BABY, BELIEVE ME (LA MOTO)
18. I DON’T CARE
19. DON’T BE LEFT OUT IN THE COLD
20. UNO COME NOI
21. GOING NOWHERE
22. BRAND NEW BABY
23. I’M ALL EARS (SOY TODO OIDOS)
24. YOU’LL NEVER THE CHANCE AGAIN (NO VOLVERÁS A TENER SUERTE)
25. LIKE NOBODY ELSE (COMO NADIE MAS)
26. I’M WEARING A SMILE (LLÉVALA UNA SONRISA)
27. TE QUIERO ASÍ (LIKE SHE FEELS TONIGHT)
28. BYE BYE BABY
29. DON’T GET IN MY WAY (SIGUE TU CAMINO)
30. COME WHEN I CALL (VEN CUANDO TE LLAME)

DISC TWO:
1. SHOW ME (ENSÉÑAME)
2. SYMPATHY (SIMPATÍA)
3. I’VE BEEN HEARING THINGS
4. THEN THE SUN GOES DOWN
5. GET OUT OF MY LIFE
6. THIS WAY, THAT WAY (DONDE ESTES)
7. DOWN DOWN
8. BRING A LITTLE LOVIN’
9. MAKE IT LAST
10. PLAY WITH FIRE AND YOU’LL GET BURNED
11. YOU GOT UNTIL THE MORNING
12. I’LL SEE YOU THROUGH
13. DEEPER ROOTS
14. YAKIPO
15. SHE’S MY GIRL
16. DIME DONDE ESTOY
17. IF I WERE A RIVER
18. JUST HOLDING ON
19. WE ́LL MAKE IT TOGETHER
20. SAVE ME, SAVE ME
21. BABY I LOVE YOU
22. COOL IT
23. INDIVIDUALITY
24. VIVA LA VIDA
25. AMOR Y SIMPATIA (LOVE AND SYMPATHY)
26. DIRTY STREET
27. LIVE GIRL
28. WAIT A MINUTE
29. COMO SUPERMAN
30. TWO PEOPLE IN ME

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