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LOSERS – 05.10.2014, Köln, Blue Shell

6 Oktober 2014 No Comment
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losers

Ihr Album hatte mich überzeugt. LOSERS konnten mich Anfang des Jahres mit „…And So We Shall Never Part“ vom Hocker hauen und so war ich mehr als gespannt, die Wahlberliner einmal live zu erleben. Nach einigen Support-Shows für SISTERS OF MERCY und GARY NUMAN in ganz Europa, sollte nun die allererste Headliner-Tour der noch jungen Band vollzogen werden. Wobei jung vielleicht nicht ganz richtig ist.

Die Menschen hinter LOSERS sind erfahrene Musiker. Eddy Temple-Morris ist Moderator beim Radio-Sender XFM, DJ, Produzent und beliebter Remixer. Bei den LOSERS fusionieren seine Ideen mit denen von Tom Bellamy. Als Keyboarder und Bassist, hat dieser sich bei THE COOPER TEMPLE CLAUSE einen Namen gemacht. In den 1990er Jahren packte die erfolgreiche Band aus Reading Techno und Rock zusammen. Als drittes wirkt und singt Paul Mullen bei LOSERS zusammen mit Bellamy. Er war bisher u.a. bei YOUNG LEGIONNAIRE und THE AUTOMATIC unterwegs. Live werden die drei von einer mir leider namentlich unbekannten Keyboarderin/Sängerin und Dean „Denzel“ Pearson an den Drums unterstützt. Letzterer hat mit Paul Mullen bei den YOUNG LEGIONNAIRE´s gespielt. Vor dem Konzert hatte ich die Chance ein wenig mit der gesamten Band zu reden, als diese sich an den örtlichen Kickern und Flippern amüsierte. „Denzel“ wird auf dem bald erscheinenden Solo-Album von Mike Vennart (Ex-OCEANSIZE und nun BIFFY CLYRO) trommeln – so verriet man mir exklusiv. Und wo wir gerade über OCEANSIZE, die Lieblingsband vieler Musiker, redeten, kam ihr Drummer Mark Heron um die Ecke. Nach dem Ende von OCEANSIZE scheint er nun als Bus-Fahrer, Fotograf und Freund mit z.B. LOSERS zu touren. Ich jedenfalls freute mich über all die anwesenden Talente im Kölner Blue Shell.

Diese Band gehört in die großen Hallen. Doch aller Anfang ist schwer und selbst als eigentlich alte Hasen, muss eine frische Band ersteinmal die kleinen Clubs bespielen. An diesem Sonntagabend in Köln (nach Dresden erst der zweite Abend der Tour) hatten sich rund 40 Menschen von ihrer Neugier locken lassen. Kleines Publikum, kleine Bühne. Etwas beengt ging es zu. Der fette Sound ihrer Platte hätte eigentlich eine mächtigere PA verdient, aber auch schon in diesem kleinen Rahmen konnte die Band mehr als überzeugen!
Im Grunde sehen sie sich ja als Studio-Band, wie mir Tom Bellamy gute 15 Minuten vor Konzertbeginn erklärte. Man merkt es ihrem Album an. Pompöse Produktion. Bis ins Detail durchdacht, arrangiert und komponiert. Die vielen Spuren nun auf die Bühne zu bringen sei eine Herausforderung, so Bellamy. Für das kreative Kollektiv, das gemeinsam in einem Haus im Umkreis von Berlin residiert und dort an seiner Kunst feilt, ist Studio-Arbeit der größte Spaß. Album Nummer 2 sei schon in der Mache.

Doch wer Platten macht, muss in der Regel auch touren. Pünktlich um 21:30 Uhr startete „Roadie“ Mark Heron ein Intro. Zu athmosphärischen Klängen erschien das verstörende Visual einer Zombie-Frau auf der Leinwand hinter dem Schlagzeug. Die Band betrat freudig die Holzbretter des Blue Shell. Gegen Ende des Intros winkte Sänger Paul Mullen die zaghaften Besucher energisch zum Bühnenrand. Die Distanz sollte durchbrochen werden. Mullen gab sich Mühe. Beim ersten Song „DNA“ sprang er vor die Bühne und performte. Die Zuschauer waren begeistert, aber reserviert.

Die gesamten 50 Minuten des Konzerts sollten die LOSERS eine wirklich kraftvolle Performance abliefern. Es wurde nahezu das komplette Album aufgeführt und sogar das Instrumental „Don´t Waste Your Life Away“ konnte überzeugen, obwohl es auf Platte doch sehr von den massiven digitalen Komponenten lebt. LOSERS wissen was sie zu tun haben. Das Set hatte immer wieder diese grimmig-lauten und sehr eruptiven Momente. Ein „Us VS. Night“ ballert live wirklich ordentlich, gerade weil es der Band gelang all die extremen Stopps wunderbar umzusetzen. Auf den Punkt. Fünf Menschen als Einheit. Alle Beteiligten wissen nur zu gut, wie man sich auf der Bühne bewegt. Kraftstrotzend wurden die Pedale getreten, Gitarren bewegt, Gurte versehentlich abgerissen. Die Band genoss ihre Zeit auf der Bühne und war Profi genug auch vor winzigem Publikum alles zu geben.

Der Applaus sollte ihnen Recht geben. Eine Zugabe gab es nicht. Dies hatte Paul Mullen aber bereits angekündigt. Lieber ein rundes Set spielen und dann gemeinsam ein Bier trinken. Ihr offenes Wesen kam gut an. Umringt von interessieren Zuhörern, redete die gesamte Band am Merch-Stand mit jedem, der Lob loswerden wollte. Generell erntet diese Band bisher mehrheitlich sehr viel positive Kritiken. Und Paul Mullen sollte nicht übertrieben haben, als er einmal während des Sets verlauten ließ, man solle das kleine Konzert genießen, denn schon bald wären LOSERS unüberhörbar und der Ein oder Andere könnte sich satthören. Diese Band will hoch hinaus und hat durchaus das Zeug dazu. Die Furcht von Tom Bellamy war unbegründet. LOSERS können auch live sehr überzeugen.

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