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LOSERS – And So We Shall Never Part

4 April 2014 No Comment
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Losers

Ich verfolge schon lange das Wirken des britischen Produzenten Jem Godfrey. Der glatzköpfige Scherzbold verdient sein Geld mit Werbejingles, Atomic Kitten- oder X-Factor-Kompositionen und tritt als Live-Keyboarder für Steve Vai auf. Ein fleißiger Söldner des Musibusiness, der eine sehr geniale Prog-Rock-Band mit dem Namen FROST anführt. Jedenfalls wies der preisgekrönte Tastenzauberer vor vielen Monaten durch seine Web-Präsenzen auf aktuelle Projekte hin. Er würde mit der Band LOSERS deren neuestes Werk co-produzieren und mischen. Die ersten Schnippsel klangen episch!

Nun läuft die Platte im Presse-Stream und die ersten Eindrücke bewahrheiten sich von Lied zu Lied. LOSERS feuern auf „…And So We Shall Never Part“ ein sehr stimmiges Feuerwerk feinsten Electro-Rocks ab! Das zweite Werk der britischen Band wurde per crowdfunding ermöglicht und dürfte ihre Spender nicht enttäuschen! Der LOSERS-Erstling „Beautiful Losers“ tanzte sich noch sehr traditionell durch elektronische Gefilde mit starken Dubstep-Anteilen. Die Menschen hinter LOSERS sind alte Hasen der digitalen Musik. Eddy Temple-Morris ist Moderator beim Radio-Sender XFM, DJ, Produzent und erfahrener Remixer. Darüberhinaus hat er sich immer dem Rock verbunden gefühlt. Bei LOSERS fusionieren seine Ideen mit denen von Tom Bellamy. Als Keyboarder und Bassist, hat er sich bei THE COOPER TEMPLE CLAUSE einen Namen gemacht. In den 1990er Jahren packte die erfolgreiche Band aus Reading Techno und Rock zusammen. Als drittes wirkt und singt Paul Mullen bei LOSERS zusammen mit Bellamy. Er war bisher u.a. bei THE AUTOMATIC unterwegs.

Das Trio von LOSERS fährt einen sehr modernen, breiten Sound auf, der mich auf Anhieb begeistert. Volle Bässe, elektronische Spielereien, tiefe Synthesizer und heavy parts treffen auf Melodie, emotionalen Gesang und düstere Athmosphäre. Jem Godfrey hat mit LOSERS wirklich sehr fett produziert. Für manch Zuhörer mag es fast schon überproduziert wirken, doch findet man noch genug analogen Charme und Dreck des Rock. In Songs wie „Us Vs. Night“ lässt die Band den Ohren ihrer Fans kaum Luft. Da zischen LOSERS mit ihren Samples durch das Lied, wie Raumschiffe in Rennspielen auf der Konsole. Live muss diese Band einen wuchtigen Sound haben. Da LOSERS mittlerweile in Berlin leben, dürften genügend Deutschlandtermine glücklicherweise in diesem Jahr sehr wahrscheinlich sein. Auf Livevideos konnte ich auch Mark Heron, den Drummer der leider aufgelösten OCEANSIZE erspähen, wie er mit (oder gegen?) eine Wand aus dub-bass-samples spielt. Bei LOSERS kommen offensichtlich einige sehr talentierte Musiker zusammen.

In der Strophe von „Think You“ meint man ein Sample des PINK FLOYD Hits „Money“ zu vernehmen, das verfremdet und verschnellert wurde. Immer wieder finden sich typische Jem Godfrey-Sounds, die er auch bei seinen FROST-Alben nutzt. Das Schlusslied „Don´t Waste Your Life Away“ beinhaltet perkussive Elemente, Keyboard-Flächen und Sequenzer, wie sie auch schon in Godfreys Eskapaden zu hören waren. LOSERS dürften sehr von den Erfahrungen des Ivor Novello-Preisträgers profitiert haben, der auch schon für Disney Lieder gemischt hat. Diesen Preis erhalten Songwriter und Komponisten a la David Gilmour, Madonna, John Lennon oder David Bowie.

LOSERS machen ihr Ding routiniert auf den elf Songs des Albums. In „The Chain“ haben die Wahl-Berliner die stoische Entrücktheit von NINE INCH NAILS mit der Ästhetik von DEPECHE MODE gemischt. „Turn Around“ baut sich langsam aus einem monotonen Piano-Spiel heraus auf, um dann gegen Ende aufbäumend alle Tonspuren zu einer fast schon kranken Sägezahn/Delay/Bass-Explosion zu vereinen. Kein Wunder, dass dieser Song als Filmmusik durchgeht und bei der Fernsehserie Game Of Thrones genutzt wurde (bei der es mitunter brutal zugeht). „Oblivion“, als zweiter Song des Albums, hat eine aufbauend-hymnische Weite, die ebenfalls für ein Heldenepos passend wäre. Jedes Lied des fast 60 Minuten langen Albums stellt für sich einen durchweg guten Song dar. Zwar ist dieser Eindruck subjektiv, doch sprechen in Machart, Komposition und Arrangement einige Faktoren für zumindest weiterhin konstant positive Kritikermeinungen.

LOSERS zweites Werk „…And So We Shall Never Part“ überzeugt und macht Freude. Die ersten Kritiken lesen sich sehr positiv und die harte, zweijährige Arbeit vieler Beteiligter, unter Mithilfe einer von Fans getragenen Finanzierung, haben sich gelohnt. Vielschichtig, spannend, emotional, aggressiv, schön, düster, elektronisch, rockig – LOSERS sind keine Verlierer und dürften mit diesem Album 2014 einige Liebhaber gewinnen.

Bewertung: 5/6
Label:
61Seconds Records/Soulfood
VÖ: 04.04.2014
losersband.co.uk

Trackliste:
01. Azan
02. Acrobatica
03. Oblivion
04. DNA
05. Half Built House
06. Think You
07. Turn Around
08. Don´t Waste Your Life Away
09. Us vs Night
10. The Chain
11. …And So We Shall Never Part

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