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LOSERS – How To Ruin Other People´s Futures

8 September 2016 No Comment
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Alles begann so vielversprechend mit LOSERS. Diese britische Supergroup veröffentlichte mit „…and so we shall never part“ ein tolles Album, welches nur so vor Energie, Bombast, Emotion und wunderbaren Sounds strotzte. Jetzt hat die Band ein Nachfolgewerk an den Start gebracht. „How To Ruin Other People´s Futures“ kommt aber nicht an das eigentliche Potenzial des Trios heran. Stattdessen liefern LOSERS eine nicht ausgereifte Platte ab und klingen in vielen Momenten rückschrittig wie eine NINE INCH NAILS-Coverband. Und dieses Urteil fällt ein begeisterter Anhänger der Wahlberliner.

LOSERS sind ein Zusammenschluss talentierter Musiker. Ihre Mitglieder Tom Bellamy (ex-Cooper Temple Clause), Paul Mullen (ex-
YourCodeNameIs:Milo, Young Legionnaire) und Eddy Temple-Morris (britische DJ-Legende/Moderator) bringen ganz unterschiedliche Geschmäcker und Stile mit und sind jeder für sich versierte Musiker. Abkupfern und imitieren sollte eigentlich nicht notwendig sein. Allenfalls als nacheifern oder unabsichtige Reminiszenz könnte man die neueste LOSERS-Platte verteidigen.

In Sounds, Hooklines, Stimmeneinsatz, Melodiebögen und einzelnen Textzeilen findet sich der Übervater NIN überall wieder. Inklusive Pianoläufen a la Trent Reznor. Wer will nicht NIN sein? Man sollte es nur nie so weit kommen lassen!

„Red Rag“ klingt gar wie ein AMERICAN HEAD CHARGE-Song. Die amerikanische NuMetal-Combo bestand zur Hälfte aus rückfälligen Junkies und zersetzte neben den eigenen Distortion-Liedern auch ihre Bandexistenz plus die Körper ihrer Mitglieder. In diese musikalische Kerbe schlagen nun also auch die dürren Briten von LOSERS. Ist das schon Retro? 70er und 80er kopieren ist hip und der Mainstream findet es geil. Geht das auch für NuMetal?

Monoton gerappt wird zum Glück nicht. Die harmonische Gänsehaut des Debüts findet sich jedoch nur selten. Ein hörbarer Lichtblick ist „The Ruiner“. Zur Hälfte des Liedes lässt die Band einen der besseren Momente dieser Platte hören. Ein fuzzy Gitarrenlauf und mehrstimmiger Gesang erzeugen Stimmung. Zum Finale explodiert der Track in einem Urschrei und Salven von donnernden Synthiebomben.

Stets hat man das Gefühl, bei den Songs auf den Höhepunkt und damit die Hauptaussage warten zu müssen. Viel zu lange dümpelt es auf wabbernden Sounds, bis es los geht. Verschachtelte Songs können Stimmung erzeugen. Schade, wenn man den Eindruck hat, hier wussten die Komponisten nicht so recht, wie sie Fahrt aufnehmen können.

Absolut würdig ist letztendlich nur „Chainsaw“. Von Anfang bis Ende sind hier auf vier Minuten Spielzeit geballte Energie und LOSER’sche Wut komprimiert. Die Kopfhörer/Boxen sollte der geneigte Hörer nicht zu laut bespielen. Dieser Song killt alles! Sägen, stampfen, rütteln und dann in einem lässigen Refrain den Druck ablassen. Das macht Freude!

Auch die erste Auskopplung „This Is A War“ weiß mit Atmosphäre zu locken. Der vorab veröffentlichte Track machte Vorfreude auf das neue Werk, auch wenn der Song nicht zu den besten Liedern der Band gehört. Bei diesem Track beweisen LOSERS zumindest erneut, dass man sie anrufen sollte, wenn man eine musikalische Untermalung für modernes Kino braucht. Düster ist der Text. Es geht um Endzeitstimmung, Angst und Wut. Wunderbare Aussage zum versöhnlichen Schlussteil, der dem Hass etwas entgegensetzt: „Wake from the chaos. Open your arms. I am your neighbour!“

Fazit nach wiederholtem Hören: Schrott ist dieses Album nicht. LOSERS können immer noch mehr als die meisten anderen Bands da draußen. Aber LOSERS können auch mehr als diese Platte. Musik ist am Ende Geschmacksache. Mit „How To Ruin Other People´s Futures“ bzw. einzelnen Track wird man sicherlich Spaß haben. Aber die Erwartungen wurden nicht erfüllt!

Bewertung: 3 von 6
VÖ: 9. September 2016
Label: 61seconds records
Format: CD / Digital

Mehr Infos:
losersband.co.uk/

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