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MAC DeMARCO – 17.09.2015, Köln, Gebäude 9

18 September 2015 No Comment
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Mac DeMarco

Stell dir vor es spielt MAC DeMARCO und keiner kann hin. So oder in ähnlicher Weise schwebte in den letzten Wochen ein Stimmungsbild über der Stadt Köln, in welcher der sympathische Kanadier nach langer Zeit endlich wieder gastierte. Denn so früh das Konzert freundlicherweise angekündigt wurde, so früh war es auch ausverkauft. Es wurde geklagt, es wurde gejammert, es wurde verzweifelt in sämtliche Facebook-Veranstaltungen gepostet. Doch nichts konnte Abhilfe für die traurige Tatsache schaffen, dass das Gebäude 9 immer noch keine Arena ist.

Von diesem Elend war am Abend selbst natürlich nichts mehr zu spüren. Schließlich bedeutete die eigene Anwesenheit, dass man zum auserlesenen Kreis der Frühorganisierten gehört, welche eine der begehrten Karten ergattert haben und mit dieser nun berechtigt sind, selbstsicher am Türsteher vorbeizuschreiten. Das wurde von einigen Besuchern dann auch allmählich getan, als der Support-Act DINNER das Konzert gegen kurz nach halb 9 begann.

DINNER, oder genauer gesagt die Person ANDERS RHEDIN, ist wirklich ein obskures Erlebnis. In mystischer Erscheinung steht der Sänger zu Beginn des Konzerts samt unter einer Kappe eingeklemmtem Glitzertuch auf der Bühne und stimmt sich selbst und das Publikum mit Anweisungen wie „feel the music touch you“ und „enjoy the sound of the speakers deep in you“ auf die kommenden 25 Minuten ein. Wer erwartet, dass bestimmt gleich noch die restliche Band die Bühne betritt, der hat falsch gedacht.

DINNER tritt nämlich komplett im Alleingang und nur mit Laptop auf, von dem aus er die Backing-Tracks zu seinen Songs abruft (Das geht direkt nach dem Opener witzigerweise direkt einmal schief, was aber sehr elegant und mit scheinbar schon erprobter Rhetorik überspielt wird). Die Musik von DINNER ist ein Hybrid aus 80s Revival, New Wave und Eurodance und in diesem Sinne sicherlich gewöhnungsbedürftig. Nicht nur das kam aber bei der sich immer stärker anhäufenden Menge doch recht gut an, sondern vor allem auch die abgefahrenen Dance Moves à la JOACHIM WITT, die sich quasi im Sekundentakt in ihrer bescheuerten Genialität selbst überboten.

Wie es aber leider immer so ist, hatte es DINNER letztlich natürlich nicht ganz leicht in einem Raum voller sehnsüchtig auf MAC DeMARCO wartenden Leute. Und so betritt dieser dann nach einem etwas langwierigen Soundcheck auch um halb 10 endlich die Bühne. MAC und seine Band erscheinen, wie man es bereits gewohnt ist, sichtlich gut gelaunt und leiten ihr Set direkt mit dem Opener „The Way You’d Love Her“ der neu erschienenen Platte „Another One“ ein. Im Gegensatz zu sonstigen Konzerterfahrungen ist es hier glücklicherweise nicht so, dass 95 % der Besucher nur die offensichtlichen Hits vergangener Platten hören wollen, sondern vielmehr werden stattdessen auch die neuen Songs allesamt wortgetreu mitgegrölt. Praktisch insofern, als dass MAC an diesem Abend überwiegend neue Songs präsentiert.

Neben den neueren schleichen sich allerdings auch etwas ältere Perlen wie „Chamber Of Reflection“ und die von „Mac DeMarco 2“ übrig gebliebenen Klassiker „Cooking Up Something Good“, „The Stars Keep On Calling My Name“ und „Ode To Viceroy“ ein. Eigentlich wäre es aber auch egal gewesen, was gespielt und ausgelassen wird, denn besonders die vordere Hälfte der Menge ließ es sich nicht nehmen, das gesamte Konzerte über ekstatisch und zufrieden herumzuspringen und auch in ruhigeren Passagen Crowdsurfing-Attacken auf die „genießenden“ hinteren Reihen zu starten, wodurch sich die Stimmung zu jederzeit auf einem angenehm hohen Level befand. Gefehlt hätte eigentlich nur noch eine Wall of Death, die laut Interviews mit MAC wohl sogar auch schon vorgekommen sind.

Nach einer knappen Stunde war es dann mit einer fulminanten Extended-Version von „Still Together“ und eigener Surf-Einlage auch schon wieder vorbei mit MAC DeMARCO. Wobei, nicht ganz. Nach mehreren Beteuerungen, dass das Konzert für diesen Abend vorbei sei, ließ sich die Band letztlich doch noch einmal motivieren, eine Zugabe zu geben. Diese bestand jedoch nicht etwa aus einem weiteren Song des neuen Albums oder gar einem alten Mitsing-Hit. Nein. Sie bestand aus einem 15-Minuten Medley aus „Enter Sandman“ von Metallica (!), „Du Hast“ von Rammstein (!!) und „Smoke On The Water“ von Deep Purple (!!!). Ich liebe dich, MAC DeMARCO

Setlist:
1. The Way You’d Love Her
2. Salad Days
3. No Other Heart
4. The Stars Keep On Calling My Name
5. Another One
6. Cooking Up Something Good
7. Ode To Viceroy
8. Last Christmas
9. Without Me
10. Let Her Go
11. A Heart Like Hers
12. I’ve Been Waiting For Her
13. Chamber of Reflections
14. Still Together

15. Medley (Enter Sandman / Du Hast / Smoke On The Water)

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