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MACHO MAN

29 Oktober 2015 No Comment
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© Universum Film

Der Werbetexter Daniel (Christian Ulmen) besitzt einen schwachen, feuchten Händedruck, weiß nicht, wie man mit Frauen redet und ist nicht gerade mit einer muskulösen Statur gesegnet. Alles was ein richtiger Mann haben muss, wie er glaubt. Und da wir uns in einer deutschen Klischee-Komödie befinden, hat er es zwar zum Werbetexter geschafft, ist aber nicht intelligent genug, um festzustellen, dass die eingangs erwähnten Defizite keine Defizite, sondern totaler Quatsch sind.

Dennoch schafft er es in seinem Türkei-Urlaub mit seinem Gestammel und Gezeter, die hübsche Animateurin Aylin (Aylin Tezel) zu becircen. Auch wenn Ulmen sich so trottelig wie nur irgendwie möglich gibt, macht ihn das nicht unbedingt sympathischer oder gar charmanter. Der Erfolg bei der offensichtlich wesentlich jüngeren Dame bleibt während der gesamten Laufzeit umso unglaubwürdiger.

"MachoMan"

Daniels (Christian Ulmen) und Aylins (Aylin Tezel) Liebe wird von Aylins Bruder Cem (Dar Salim) kritisch beäugt © Universum Film

Dennoch will die Urlaubsliebe in die harte Realität der Stadt Köln hinübergerettet werden, wo noch mehr ärgerliche Klischees, ungelenk in den Plot gequetschte Gastauftritte von Lukas Podolski und Nora Tschirner und einige der schlechtesten und dümmsten Gags der jüngeren deutschen Komödiengeschichte warten: Daniel muss sich mit Aylins Familie und Bruder auseinandersetzen, die sich beim Familienessen mit den griechischen Nachbarn zoffen und natürlich Daniels Männlichkeit anzweifeln – sein feuchter schwacher Händedruck wird zum Runninggag, der allerdings nicht die wichtigste Voraussetzung eines Runninggags erfüllt, nämlich witzig zu sein.

Natürlich tritt Daniel in jedes Fettnäpfchen, was er finden kann (auch davon keines im entferntesten witzig oder originell) und wird von Aylins Familie so weit getriezt, bis er sich schließlich entscheidet, die Weichei-Erziehung seiner 68er-Eltern hinter sich zu lassen und sich von Aylins Bruder Cem (Dar Salim) zum Super-Macho ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin wird er von einem unglaublich penetranten und nervtötenden Soundtrack und seinem Freund und Arbeitskollegen Ulli (Axel Stein) begleitet, der sich zwar vordergründig als harter Kerl ausgibt, aber letztendlich doch immer wieder den Pantoffelhelden für seine Frau spielt (weil witzig).

Wer  diese neun Kreise der deutschen Comedy-Hölle übersteht, ohne mindestens die Augen zu verdrehen, verdient schon fast Bewunderung. Sicherlich mag Humor Geschmacksache sein, dennoch repräsentiert „Macho Man“, basierend auf dem Roman und Drehbuch von Moritz Netenjakop , die schlechtesten Angewohnheiten der deutschen Komödie, nämlich alles auf den kleinsten gemeinsamen und klischeehaftesten Nenner zu bringen, um das Publikum ja nicht zu überraschen oder gar zu überfordern. Dies ist insofern verwunderlich, als dass Kabarettist Netenjakop an Sendungen wie „Die Wochenshow“, „Ladykracher“ und „Switch“ beteiligt war, die einige der inspirierenden Sketche und Gags der jüngeren deutschen Fernsehgeschichte zu bieten hatten.

"MachoMan"

Fragwürdige Unterstützung erhält Daniel von seinem Kumpel Ulli (Axel Stein) © Universum Film

Umso erstaunlicher, dass „Macho Man“ selbst so uninspiriert bleibt und dem Zuschauer Männer-Klischees, Frauenklischees, Homosexuellen-Klischees, Türken-Klischees, Deutsche-Klischees, Griechen-Klischees und jede Menge anderer einfallsloser Dinge um die Ohren haut, bis er nicht mehr weiß, wo oben oder unten ist. Als wäre das nicht genug, ist auch die Regie, die Kamera und der Schnitt absolut amateurhaft.

Während man über einige deutsche Komödien sicherlich streiten kann, hatte zum Beispiel „Fack ju Göthe 2“ ein Gespür für Rythmus und Timing. Die Gesellschaftssatire „Heil“ scheiterte dagegen an seinen eigenen Ambitionen, aber besaß zumindest welche. „Macho Man“ macht mit seiner zur Schau gestellten Faulheit allerdings zwei Schritte zurück und repräsentiert fast schon ein Stück Zynismus der deutschen Filmbranche, die dem Publikum dieses dahingeckleckerte, filmische Übel vorsetzt, in der Hoffnung, dass der liebe Zuschauer alles frisst, was er vorgesetzt bekommt.

MACHO MAN

Bewertung: 0 von 6
Starttermin: 29.10.2015
Darsteller: Christian Ulmen, Aylin Tezel, Dar Salim, Axel Stein, Inez Björg David, Samuel Finzi, Vladimir Burlakov, Nora Tschirner
Regie: Christof Wahl
Kamera: Christof Wahl
Drehbuch: Moritz Netenjakob
Produktion: Marc Conrad, Klaus Dohle, Jan S. Kaiser

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