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MAD MAX: FURY ROAD

16 Mai 2015 No Comment
MAD MAX FURY ROAD

© Warner Bros.

Die Welt ist eine Wüste. Mitten drin steht ein zerbeultes und verstaubtes Musclecar, daneben ein vermummter Mann namens Max Rockatansky, der uriniert, eine zweiköpfige, verstrahlte Eidechse zerstampft und anschließend herunterschlingt. Dreißig Jahre ist es her, dass die letzte Mad Max – Episode „Jenseits der Donnerkuppel“ über die Leinwand raste. Nicht mehr Mel Gibson, sondern Tom Hardy spielt nun den einsamen Wolf, der in MAD MAX: FURY ROAD ohne konkretes Ziel durch ein apokalyptisches Australien zieht.  Ansonsten hat sich nicht viel verändert: Die letzten Zivilisationsüberbleibsel werden von machtgierigen Despoten regiert und eine wilde Horde, die im Auftrag eines dieser Tyrannen alles plündert, was sich in ihrem Territorium aufhält, ist Max schon zu Beginn des Filmes auf den Fersen.

So kommt es, dass der Titelheld sofort von diesen sogenannten „Warboys“ geschnappt wird und etwa die erste halbe Stunde dieser 120 minütigen wahnwitzigen High Speed Celluloid – Droge in Gefangenschaft verbringt. Die mit weißem Ganzkörper-Make Up geschminkten Endzeit-Krieger gehorchen und huldigen dem maskierten und künstlich beatmeten Immortan Joe (Hugh Keays Byrne spielte schon im ersten Film der Reihe einen grotesken Bösewicht) wie einer Gottheit. Sie opfern im Irrglauben, sich auf dem Weg nach Walhalla zu befinden, nur zu gern ihr Leben für seine Zwecke. Nicht ohne Grund, denn Immortan Joe kontrolliert die scheinbar letzten Wasserreserven in der Gegend und überlässt der umliegenden Bevölkerung gerade noch soviel davon, dass diese genug zum überleben hat, ihr jämmerliches Dasein fristen kann und ihm im Gegenzug für immer hörig ist.

MAD MAX: FURY ROAD

Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) mit seiner grotesken Armee © Warner Bros.

Alles in Joes Universum gehorcht einer perversen und albtraumhaften Funktionalität: Frauen nutzt er entweder als Baby- oder Milchmaschinen, junge Männer bildet er zu Soldaten aus und Gefangene werden zu Sklaven oder auch als mobile Blutspender gemacht und unfreiwillig mit in den nächsten Kampf geschickt. Dieses Schicksal steht Max bevor, der in der schon wahnsinnigen ersten Verfolgungsjagd an den Kühler eines Autos des ergebenen Glaubenskämpfers Nux (Nicholas Hoult) geschnallt wird. Beide sind zusammen mit einer ganzen Kolonne grotesker Kriegsfahrzeuge auf der Jagd nach Imperator Furosia (Charlize Theron), die neben einem Benzintanker auch Joes fünf unfreiwillige Gespielinnen und lebenden Baby-Inkubatoren (Zoe Kravitz, Rosie Huntington Whiteley, Riley Keough, Abbey Lee, Courtney Eaton) stibitzt.

MAD MAX: FURY ROAD

Einrarmige Banditin Imperator Furiosa (Charlize Theron) verteidigt ihre fünf Schützlinge © Warner Bros.

Niemand wird hier viel Charaktertiefe finden und vielleicht wird es dem einen oder anderen Zuschauer schwer fallen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wer oder was Max Rockatansky eigentlich ist. Miller gibt dem Publikum nur spärliche, aber dafür genügende Informationen, die als Motivation für die Handlung ausreichen. Alles andere wäre nur unnötiger Ballast und das ist in der heutigen Filmindustrie geradezu erfrischend für eine Action-Fortsetzung. Im Gegensatz zu anderen Blockbustern, die immer mehr mit anderen Blockbustern vernetzt werden, ist „Mad Max“ eine schlanke, gemeine Kampfmaschine und kein Kontinuitätsmonster, das Elemente aus vorangegangenen oder nachfolgenden Filmen in seine Story hineinzwängen muss, auch wenn Miller schon zwei weitere Filme zumindest konzeptionell ausgearbeitet hat.  Er hat eine Welt erschaffen, in der sich die Figuren fast ausschließlich durch Bewegung und reinste Kinetik definieren, immer weiter vorwärts bewegen bis es nicht mehr weitergeht und dann in die Gegenrichtung zurück rasen.

Der Regisseur von MAD MAX: FURY ROAD selbst legte eine der merkwürdigsten Karrieren der jüngeren Filmgeschichte hin: Zu seinem ersten Spielfilm, der gleichzeitig auch der erste Film der Mad Max-Reihe ist, wurde Miller während seiner Zeit als Notarzt in einer Unfall-Klinik inspiriert, in der er Verkehrsunfallopfer zusammenflickte. „Mad Max – Der Vollstrecker“, die zweite und bis dato beste Episode der Reihe ist eine spektakuläre, knapp 90 minütige Verfolgungsjagd, die noch für heutige Maßstäbe Actionstandards vorgibt und damit der aktuellen Reinkarnation nicht unähnlich ist. Die dritte Episode „Jenseits der Donnerkuppel“ erinnert mit der Unterstützung von Tina Turner mehr an ein Kinderabenteuer mit spektakulären Stunts und setzte der erfolgreichen Reihe ein ernüchterndes, vorläufiges Ende. Zwischen seinen anderen Projekten wie „Ein Schweinchen namens Babe“, „Lorenzos Öl“ und  „Happy Feet“ versuchte Miller immer wieder Max auf die große Leinwand zurückzuholen und scheiterte an entweder schlechten Produktionsbedingungen, exorbitanten Produktionskosten oder der umstrittenen Off-Screen-Persona von Hauptdarsteller Mel Gibson.

MAD MAX: FURY ROAD

Regisseur George Miller und Hauptdarsteller Tom Hary © Warner Bros.

Es scheint fast so als sei der 70 jährige Regisseur nun noch einmal aus dem Olymp herabgestiegen, um den Michael Bays, den Zach Snyders und auch den Joss Whedons dieser Welt zu zeigen, wie richtiges Actionkino funktioniert. Ein besonders haarsträubender und gleichzeitig wunderbarer Einfall in dieser Actionsymphonie ist ein Heavy Metal – Gitarrist, der die Kriegskolonne an einen riesigen Verstärker gekettet, begleitet und seine Elektro-Klampfe auch als Flammenwerfer nutzen kann.

In solch einem exorbitanten Krawall-Film kann die Besetzung natürlich leicht untergehen. Tom Hardy ist jedoch einer dieser seltenen Schauspieler, der seinen Figuren insbesondere in seiner stoischen und ruhigen Ausdrucksweise Gravitas verleiht, ohne das irgendeine Form von überzeichneter Gesichtsakrobatik von Nöten wäre. Er knurrt und grollt wie ein wildes Tier und als hätte er Vin Diesel zum Frühstück verspeist und ist damit ein perfekter Mel Gibson – Ersatz.

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Vom Einzelkämpfer zum Freiheitskämpfer: Mad Max (Tom Hardy) © Warner Bros.

Charlize Theron ist als einarmige Amazonin schon allein wegen ihrer bisherigen beeindruckenden Schauspielkarriere überzeugend und verleiht ihrer einarmigen Kriegerin auch in den wenigen Charaktermomenten eine gehörigen Portion Emotionen und Nuancen. Der feministische Subtext bzw. Text, der sich um ihre Mission entwickelt, kann man natürlich als schmuckes Beiwerk sehen, der das Actionfranchise an den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts gewöhnt, aber es ist immer erfrischend, eine starke Darstellerin wie Theron in einem Actionkontext zu sehen. Dass Männerrechtsaktivisten, die aktive Frauen in Actionfilmen irgendwie für etwas Schlechtes halten, dabei unglaublich verärgert werden, ist zusätzlich noch ein netter Nebeneffekt.

FURY ROAD

Kämpferinnen und Kampfer für Frauenrechte in einer postapokalyptischen Zukunft © Warner Bros.

Das wichtigste bleibt allerdings die Action und „Mad Max: Fury Road“ ist einer der wenigen Actionfilme, bei dem man sich dies auch ohne falsche Charme eingestehen kann. Vor allem das CGI-Spektakel-Kino, das wie in einem Pixel-Wettrüsten immer wieder versucht, sich selbst zu überbieten, kann einem in seiner Nichtigkeit leicht zuwider werden. Mit seiner Mischung aus überwiegend realen Stunts und Explosionen, praktischen Effekten und  CGI-Unterstützung (wie zum Beispiel einem Sandsturm, der direkt aus der Hölle oder zumindest aus einem Hieronymus Bosch-Gemälde zu stammen scheint), kitzelt Miller einen seit dem Prä-CGI-Zeitalter verkümmerten Action-Nerv, so dass der Zuschauer mit beiden Händen in den Sitzlehnen festgekrallt die nervenzehrende Fahrt genießen darf.

MAD MAX: FURY ROAD

Starttermin: 14.05.15
Darsteller: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Hugh Keays-Byrne, Josh Helman, Nathan Jones, Zoe Kravitz, Rosie Huntington-Whiteley, Riley Keough, Abbey Lee, Courtney Eaton
Regie: George Miller
Drehbuch: George Miller, Brendan McCarthy, Nick Lathouris
Musik: Tom Holkenborg aka Junkie XL
Produktion: George Miller, Doug Mitchell, P.J. Voeten
Ausführende Produktion: Bruce Berman, Graham Burke, Iain Smith

madmaxmovie.com

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