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MARC ALMOND – Shadows & Reflections

30 November 2017 No Comment
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Marc Almond wurde am 9. Juli diesen Jahres 60 Jahre alt. Zum Jubiläum beschenkte er sich selbst mit einem Album voller erlesener Coverversionen aus den Sixties. Bereits in den 80s hatte Almond seine Liebe für diese Ära der Popmusik zum Ausdruck gebracht als er zusammen mit Gene Pitney erfolgreich „Something’s Gotten Hold Of My Heart“ besang. Almond mag nach eigenen Angaben die leichte aber auch verwirrende Psychedelik mancher Popsongs aus dieser Zeit, die ihm wie ein Soundtrack zu einem 60er Jahre Italofilm vorkämen.

Auf Tonträger kann man das Empfinden des Interpreten bestens nachvollziehen. Es ist schon atemberaubend wie kraftvoll und elegant Almond das pure Mod-Lebensgefühl des Titelsongs, ursprünglich von The Action veröffentlicht, transportiert oder „From The Underworld“ von Peter Framptons erster Band The Herd noch mehr Würde und Grandezza verleiht. Dem ehemaligen Soft Cell Sänger gelingt es auch problemlos große Frauenstimmen wie die von Julie Driscoll im hinreißenden „I know you love me not“ oder Timi Yuros „Something Bad On My Mind“ für sich zu adaptieren.

Arrangiert wurde wieder vom langjährigen Weggefährten John Harle, stilecht im britischen Kent. Das England der Swinging Sixties, in dem der kleine Marc musikinfiziert wurde, erwacht im prachtvollen Streichergewand, mit Spinett, Stakkatoschlagzeug und gestopften Bachtrompeten wieder zu neuem Leben. Die New Wave Legende hat dabei immer noch die dieselbe Größe in der warmen und vibrierenden Stimme wie vor über 35 Jahren. Eingerahmt wird die ganze Platte zusätzlich von der Thematik „Reichtum und Leere“, die ein einsamer Millionär in seinem Luxusappartement auf dem Hügel verspürt als er auf die Lichter der Großstadt blickt.

Der Leichtigkeit von „How Can I Be Sure“ der Young Rascals wirkt nach dem Tod von David Cassidy fast bittersüß. Burt Bacharach wird mit „Blue On Blue“ standesgemäß eine melancholische Referenz erwiesen. „Still I’m Sad“ von den Yardbirds hätte man vielleicht eher nicht in das musikalische Terrain von Marc Almond verordnet aber er mag eben auch den bluesorientierten Rock der 60er Jahre. Ganz bei sich ist der Mann aus Southport, Lancashire bei Standards wie „The Shadow Of Your Smile“ von Johnny Mandel oder „The Thoughts Of Time“ vom großen Barry Ryan – maximales Drama.

Coveralben sind im Regelfall bei Künstlern lediglich Überbrückungen oder Inspirationsquelle zwischen zwei Studioalben aber Marc Almond webt seine Auswahl homogen zu einem sehr geschmackvollen, leicht verblassten Archivbild der Spätsechziger. Dabei drückt er den Stücken seinen eigenen exzentrischen Stempel auf und es ist eine große Freude ihm bei dieser Zeitreise zu folgen. Er zeigt erneut, dass er mehr ist als nur der Sänger von „Tainted Love“. Das ideale Album für unter den Tannenbaum, denn früher war bekanntlich einfach mehr Lametta.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 22.09.2017
www.marcalmond.co.uk
Label: BMG
Format: CD/LP/Download

Tracklist:
1. Overture
2. Shadows and Reflections
3. I’m Lost Without You
4. How Can I Be Sure
5. Something Bad on My Mind
6. Blue on Blue
7. I Know You Love Me Not
8. Interlude
9. From the Underworld
10. Still I’m Sad
11. Embers
12. Not for Me
13. All Thoughts of Time
14. The Shadow of Your Smile
15. No One to Say Goodnight To

 

Sascha Kilian
Sascha Kilian

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