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MAX PROSA – Heimkehr

19 März 2018 No Comment
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Max Prosa liefert mit „Heimkehr“ den intimen Nachschlag zu seinem letztjährigen dritten Studioalbum „Keiner kämpft für mehr“. Seit seinem kometenhaften Aufstieg in der deutschsprachigen Singer/Songwriter-Szene mit seinem Debut-Album und dem Hit „Flügel aus Beton“ im Jahr 2012, ist der sensible Berliner auf der Suche.

Nach dem 2013 hastig nachgeschobenen und leider etwas unterschätzten „Rangoon“, probierte Prosa lange Zeit die Stücke für seine neuen Produktionen live aus. Egal ob mit Band, im Duo oder ganz alleine, das neue Material war in Fülle vorhanden, klang verheißungsvoll und hatte großes Potential. Während die letztjährige Platte in Bandgröße aufgenommen wurde, zeigt sich Max Prosa auf „Heimkehr“ nun fast nackt.

Der junge Poet schloss sich zuhause mit seiner alten Telefunken-Bandmaschine im Wohnzimmer ein und entwarf ein, aus heutiger Sicht, wunderbar anachronistisch anmutendes Album. Die Aufnahmen erfolgten direkt und unverfälscht. Bereits im Eröffnungsstück „Raumschiff“ betreibt er klassischen 70s-Eskapismus, inklusive der Suche „nach einem Funken vom höherem Glück“. Der Jungdichter trägt schwer an der blutigen Geschichte in „Europa“ und wirkt wundersam entrückt und metaphorisch im abschließenden „Sphären“.

Im Verlauf der Platte fallen die angenehm reduzierten Melodien auf, bei denen der Songwriter lediglich von ein paar Freunden unterstützt wurde. Das Klavier, ein Cello und vor allem die Akustische entwerfen mit raumgreifenden Akkorden, flüchtige Skizzen, auf denen Max Prosa seine sehnsuchtsvollen Geschichten und Alltags-Beobachtungen ausbreiten kann. Die beiden Duette „Solange ich darf“ mit der zarten Alin Coen und vor allem „Wozu, wozu, wozu“ mit der wunderbaren Dota Kehr, passen sich harmonisch an das Gesamtbild dieses Akustikalbums an, das den Künstler pur und unverfälscht wie selten zuvor zu seinem Publikum sprechen und singen lässt.

Natürlich klingen beim Endzwanziger, nicht nur wegen der Mundharmonika, auch wieder musikalische Vorbilder wie z.B. Bob Dylan im Coming-Of-Age-Stück „Erinnerungen“ oder Bruce Springsteen im hymnischen „Helden und Diebe“ an. Bei Letzterem meint man jeden Moment, die E-Street Band könne um die Ecke kommen, so clever ist der Spannungsbogen aufgebaut.

Der im Jahr 1990 Geborene agiert in „Schwarzer Mond“ und „3 Jahre“ mit der Lebenserfahrung eines Mannes, der schon viel erlebt und noch mehr gesehen hat. Man kann ihm förmlich beim Erwachsenwerden zuhören. Freundschaft, Liebe und Schicksale sind der Nährboden für seine Beobachtungen und nach einigen Durchläufen mag man die Platte gar nicht mehr vom Teller nehmen. Die geschmackvollen schwarz-weiß Graphiken des Leipziger Künstlers Lucian Patermann, das nachdenkliche Bildporträt des Sängers und alle Texte zum nachlesen, komplettieren auch das stimmige Gesamt-Erscheinungsbild des Tonträgers.

Bereits mit zwölf Jahren hatte der Poet sein erstes Gedicht verfasst. Die Idee seine schriftlichen Gedanken einmal im Monat via Mail-Abonnement an seine Fans zu versenden, fand in den letzten drei Jahren eine dermaßen große Resonanz, dass Anfang März auch begleitend zu „Heimkehr“ das Buch „Im Stillen“ veröffentlicht wurde. Es enthält Kurzgeschichten, Liedtexte und Gedichte, die Bilder und Stimmungen malen, wie sie im deutschsprachigen Bereich nur Max Prosa entwerfen kann.

Eine sehr bemerkenswerte Frühjahrs-Veröffentlichung im Doppelpack!

Bewertung: 5 von 6
Veröffentlichung: 23.02.2018
Label: Prosa Records / Tonpool
Format: CD/LP/Download

Tracklist:
1. Mein Raumschiff
2. Solang ich darf (mit Alin Coen)
3. Wozu, wozu, wozu (mit Dota Kehr)
4. Nicht jeder Tag
5. Helden und Diebe
6. Schramme
7. Die Mauern
8. Erinnerungen
9. Schwarzer Mond
10. Alles schläft
11. Drei Jahre
12. Europa
13. Sphäre

Sascha Kilian
Sascha Kilian

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