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MAYER HAWTHORNE – 28.06.2013, Köln, artheater

1 Juli 2013 No Comment
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Mayer HawthorneWenn Mayer Hawthorne mit seiner Band in der Stadt ist, dann wäre alles unter „ausverkauft“ ein Armutszeugnis. Die lebende Musik-Zeitmaschine und Rampensau verzückt Kritiker wie Musikliebhaber weltweit. Seine authentische Soul-Adaption kann überzeugen. So verwundert es nicht, dass an diesem lauwarmen Juni-Abend Generationenübergreifend die Kölner Schlange standen, um ins beschauliche artheater zu kommen. „Ausverkauft!“ hieß es schon vor Wochen und ein einsamer Ticketsuchender musste vergeblich vor den Türen mit einem Schild auf Restkarten hoffen.

Vergangenes Jahr sah das Ganze ziemlich ähnlich aus. Nur spielte man damals im ausverkauften Gloria-Theater. Zeugt die kleinere Location vom flüchtigen Ruhm? Das Gegenteil versichert Mr. Hawthorne beim Meet & Greet. Die jetzigen Gigs in Köln und Berlin seien nur kleine Promoshows für sein drittes Album „Where Does This Door Go“. Nächsten Herbst käme er wieder und dann in größerem Stil!

Dadurch kamen die zahlreichen Zuschauer in den Genuss einer übersichtlichen, schwitzig-intimen Clubshow mit dem Entertainer. Auch gut! Es gab einiges zu sehen, hören und tanzen. Der amerikanische Hiphop-Produzent Andrew Mayer Cohen lässt seit gut vier Jahren, wie er selbst sagt, seine „Gentleman-Seite“ in Form seines alter egos Mayer Hawthorne raus. Der bebrillte Weiße spielt guten Soul feinster Motown-Güte wie derzeit nur wenige. Wobei diesmal die Brille nicht getragen wurde. Überhaupt wirkte Mr. Hawthorne in einem etwas gewandelten Outfit. Ohne große Gläser, mit an den Seiten rasierten Kopfhaaren und lockerem Jackett, zeigte der 34-jährige einen neuen Look. Es geht aber doch nicht nur ums Aussehen! Dafür ist die Musik zu gut. Ohne Vorband stürmte Hawthorne auf die kleine Bühne. Nahtlos reihten sich alte und neue Songs aneinander. Das Begleitquartett (The County) spielte gewohnt tight. Viele Lieder waren als medleys verbunden. Da half nur weitertanzen! Es war toll zu sehen, wie diese Musik über Alters- und Geschlechtsgrenzen begeistert. Da bewegte sich jeder wie er in dem engen Raum vor der Bühne konnte. Und wenn nicht, dann ermunterte Mr. Hawthorne z.B. einen unentwegt filmenden Zuschauer sich nicht mehr hinter der Linse zu verstecken und mitzumachen. Da passte es, dass die Kamera des triggerfish-Fotografen ihren Geist aufgab, man nun nur ein kleines Bild vorliegen hat (siehe oben) und der entnervte Knippser eben „Feierabend“ machte, um das Konzert mit dem Autor dieser Zeilen in der Menge zu feiern.

Hits wie „Just Ain’t Gonna Work Out“, „Dreaming“, „Maybe So, Maybe No“ oder auch „Her Favorite Song“ verzückten. Letzterer ist Teil des kommenden dritten Albums und offenbart eine etwas modernere, elektronische Dance-Prägung. Mayer Hawthorne ist klug genug sich nicht selbst zu kopieren und was man an neuem Material hören durfte überzeugte sehr! Mit dem richtigen Marketing, könnten Songs wie „Designer Drug“ ein nächster Sommerhit werden, wenn dieser Begriff nicht so sehr mit simplem Ballermann-Gestus verbunden wäre.

Es wurde stellenweise ungewohnt rockig. Mayer Hawthorne erzählte von den elterlichen Black Sabbath- und Led Zeppelin-Platten und so hing sich der Multiinstrumentalist bei einem Song für laute Riffs eine E-Gitarre um. Da flog doch glatt Unterwäsche auf die Bühne. Die Band schmunzelte, aber scheinbar war dies nichts ungewöhnliches. Natürlich wurde eine Zugabe eingefordert. Dafür streifte sich der Entertainer ein glitzerndes Gold-Jackett über. Direkt gingen reihenweise die Smartphones in die Höhe, um das strahlende Ding zu fotografieren. Insgesamt beehrte die Band ihr Kölner Publikum mit guten 80 Minuten Programm. Danach nahmen sich die Musiker noch Zeit, um vor der Bühne Fotos, Autogramme und small talk zu liefern. Zuviel Party dürfte es an diesem Abend nicht mehr gegeben haben. Hawthorne und seine Mitstreiter erzählten von Schlafmangel und einem straffen Tourprogramm. Die ausverkauften Clubs der Welt warten schon!

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