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MICHAEL KIWANUKA – Kiwanuka

31 Oktober 2019 No Comment
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Das dritte Album ist bei vielen Künstlern ein entschiedener Punkt der Karriere. Michael Kiwanuka wählt sogar die verschärfte Option, diese Platte auch noch als diese auszuerkoren, die den eigenen Namen zu tragen hat. Mutig. Aber er setzt hinter seinen Namen noch ein gefühltes Ausrufezeichen mit diesem Album. Die musikalische Entwicklung von dem eher akustisch gehaltenen Debüt über das experimentellere aber auch sehr inhomogene Zweitwerk hin zu „Kiwanuka“ ist ein kreativer Triumpf. Das neue Album ist beiden Vorgängern klar überlegen und zeigt das Schaffen von Michael Kiwanuka auf einem ersten Zenit.

Die Songs auf „Kiwanuka“ verzichten auf die langen instrumentalen Passagen, die auf dem Vorgänger fast schon Prog-Atmosphäre verströmten, und kommen schneller auf den Punkt. Trotzdem gibt es diese Prog-Momente, nur sind sie diesmal klarer in getrennte Intro-Sektionen gewiesen, wie beispielsweise bei „Piano Joint (This Kind Of Love)“, „Another Human Being“ oder „Interlude (Loving The People)“ mit Spoken Word-Elementen à la „Dark Side Of The Moon“. Und diese Elemente passen auch zu ihm und zu der Art und Weise wie er seine Songs aufbaut und segmentiert.

Nur bringen Intro-Passagen nichts, wenn der Song dahinter nichts taugt. Diese Sorge ist allerdings auf diesem Album unbegründet. Das was Kiwanuka hier präsentiert, ist vom Feinsten. Er bietet eine große Bandbreite an stilistischen Elementen. Den Großteil machen entspannte – man möchte fast schon sagen „Kiwanaku-typsiche“ – coole Mid-Tempo-Nummern mit THC-induzierter Entspanntheit aus. Aber es gibt auch Ausnahmen, so wie der Opener „You Ain’t The Problem“, der gleich mal alle Register zieht und auch Song Nummer Zwei hat einen Uptempo-Groove mit coolem Basslauf und Fuzz-Leadguitar.

„Hero“ zeigt dann zunächst den Interpreten, nur von einer akustischen Gitarre begleitet, wie er dann das Thema des Songs nach und nach aufbaut und weitere Instrumente einbindet bis das Ganze in ein Gitarrensolo, das an Santana erinnert, ausartet. Einen weiteren Höhepunkt stellt „Final Days“ dar, das von einem Beat, der vor zwanzig Jahren als „Jungle“ kategorisiert worden wäre, getragen wird und dann von Streichern nach Hause gebracht wird. Die Zusammenarbeit mit Brian Joseph Burton aka Danger Mouse, der auch schon den Vorgänger „Love & Hate“ produziert hat, schafft viele spannende Momente und auch ein einheitliches Soundbild.

Die einzelnen Passagen fügen sich sehr harmonisch ineinander. „Solid Ground“ braucht lediglich ein E-Piano und Streicher um die Basis für den Gesang zu bereiten bevor dann irgendwann doch die ganze Band einsetzt. Mit „Light“ gibt es einen stimmigen Abschluss. Wieder sind es die Streicher, die ein wesentliches Element schaffen, auf der dann die bekiffte Leadgitarre den Schlusspunkt setzen kann. Das Album schreit nach Vergleichen, die in Richtung Marvin Gaye, Curtis Mayfield oder Gil Scott-Heron gehen. Allesamt feine und stimmige Bezüge, aber vielleicht sollte man, analog zu dem Titel, einfach die Referenz auf Michael Kiwanuka setzen. Das müsste mittlerweile reichen.

Bewertung: 6 von 6
VÖ: 01.11.2019
Label: Polydor/Universal
michaelkiwanuka.com

Tracklist:

01. You Ain’t The Problem
02. Rolling
03. I’ve Been Dazed
04. Piano Joint (This Kind Of Love) Intro
05. Piano Joint (This Kind Of Love) Main
06. Another Human Being
07. Living In Denial
08. Hero
09. It’s Hard To Say Goodbye
10. Final Days
11. Interlude (Loving The People)
12. Solid Ground
13. Light

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