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MICHAEL KREBS & DIE POMMESGABELN DES TEUFELS – An mir liegt’s nicht

7 Oktober 2016 No Comment
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Es gab Zeiten, da nannte MICHAEL KREBS sich einen „Comedypopper“, sang allein am Klavier von seinem „Hausverbot bei Aldi“ und gewann Kleinkunstpreise. Doch dann wollte er mehr. Mehr Rock’n’Roll, mehr Sound, mehr Menschen auf der Bühne. Und so scharte er die POMMESGABELN DES TEUFELS um sich, spielte auf dem Wacken-Festival und machte sich daran mit der Kampagne „Flüsterfuchs Nein Danke“ daran den Heavy Metal zu retten. Noch größer wurde das Ganze mit der „Arbeitsgruppe Zukunft“, die neben Krebs und den Pommesgabeln noch aus Marc-Uwe Kling und Julius Fischer bestand. Da größer aber nicht unbedingt auch immer besser ist, hat sich Michael Krebs jetzt wieder auf sein eigenes Ding konzentriert und mit „An mir liegt’s nicht“ ein Album mit den Pommesgabeln eingespielt, das jetzt nicht mehr primär Comedy, sondern primär geile Musik ist.

Im Comedy-Genre ist es meist so, dass die CD, die man nach dem Konzert kauft und natürlich auch signiert bekommt, die Erinnerung an einen vergnüglichen Abend bewahren soll, was dann mehr oder weniger gut funktioniert, weil der Moment in dem man einen guten Witz das erste Mal live hört, nie wieder genauso komisch sein wird, wenn man ihn von Konserve noch mal nach hört. Ausnahmen wie die legendären Otto-, Badesalz- oder Helge Schneider-Platten, die man immer und immer wieder hören mag, gibt es und doch nimmt das Lachen mit jedem Durchgang ab. Michael Krebs und den Pommesgabeln des Teufels gelingt mit ihrem neuen Album der Sprung aus dem Comedy-Genre hin in das Rockmusik-Genre, wo man eine Platte kauft und die Songs liebt und sich dann darauf freut, dass man sie irgendwann mal live erleben kann. Das Album überzeugt als Album ohne dass man Krebs je live gesehen haben muss.

Der Opener „Lolologik“ klingt schon mal gleich wie die guten alten Ben Folds Five, die von der Besetzung (Piano, Bass, Drums) her schon auch eine naheliegende Vorlage sind, aber um eine solche Power ins Arrangement zu bringen muss man auch schon was drauf haben. Noch besser wird dann das folgende Titelstück, das auf die pointierten Strophenzeile, dann einen wunderbaren Refrain folgen lässt, den ein Ben Folds auch nicht besser hinbekommen hätte. Und die Songs bleiben gut, sie haben Humor in den Texten, natürlich haben sie das bei einem Texter wie Krebs. Aber sie sind nicht nur gut komponiert und arrangiert, sondern auch verdammt gut produziert, so dass die Musik hier Chef ist und die Comedy nur am Rande stattfindet. „Lachen“ hat ein verdammt komisches Blockflötenintro und knallt dann als Rap aller drei Musiker richtig rein, „Vorfahrt für Bildung“ hat einen grandiosen Hook, ist auch richtig geil produziert und hat dabei auch einen Text, der perfekte Satire im Popsong ist.

Man könnte jedes Lied hier aufzählen und einzeln würdigen, sie sind abwechslungsreich, originell und auf jeder Ebene überzeugend. Zwischendurch gibt es als eine Art Running Gag unter der Überschrift „Verkürzte Aufmerksamkeitsspanne“ bzw. V.A.S. ganz kurze musikalische Snippets, die Inhalte von Filmen bzw. Sagen in wenigen Sekunden auf den Punkt bringen. Ohne Frage: Michael Krebs und die Pommesgabeln des Teufels haben hier eine Platte produziert, die von der Qualität der Musik her im Comedysektor Maßstäbe setzt. „An mir liegt’s nicht“ schafft auch den Vergleich mit Produktionen im deutschsprachigen Popsektor, deren Comedyfaktor gleich Null ist. Und wenn man dann ins Konzert geht um diese tollen Lieder live zu hören, ist das Comedyelement ein wunderbarer Bonus, den man dazu bekommt.

VÖ: 07.10.2016
Bewertung: 5 von 6
Label: Broken Silence
michaelkrebs.de

Tracklist:

  1. Lolologik
  2. An mir liegt’s nicht
  3. Verkürzte Aufmerksamskeitsspanne (V. A. S.)
  4. Re: V. A. S.
  5. Das Einzige was fehlt
  6. Lachen
  7. Vorfahrt für Bildung
  8. Re: Vorfahrt für Bildung
  9. Nicht gut genug
  10. Re: Re: V. A. S.
  11. Ich
  12. Re: Re: Re: V. A. S.
  13. Magdalena
  14. Re: Re: Re: Re: V. A. S.
  15. Blockiert
  16. Re: Blockiert
  17. Traurige Lieder
  18. Behind the Scenes: Glücklich scheitern
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