Home » Reviews, Tonträger

MICHAEL KREBS & DIE POMMESGABELN DES TEUFELS – Wellnessalarm

2 April 2015 No Comment
Share

doppelcd-grafikMetal ohne Gitarren, aber dafür mit Humor

Seit einigen Jahren tourt MICHAEL KREBS solo am Klavier und manchmal auch an der E-Gitarre durch das Land und rockt als schwäbischer Comedy-act die Hütten. Auf diesen Touren hat er dann immer nur angedeutet, wie seine Songs klingen würden, wenn er eine Band dabei hätte. Und das hat auch immer funktioniert. Jetzt hat er sich einen Traum erfüllt und tatsächlich eine Band um sich geschart. Und zwar nicht irgendeine Band, sondern die POMMESGABELN DES TEUFELS.

Mit Boris the Beast am Bass und Oheim des Todes am Schagzeug hat er eine Rhythmusgruppe, die nicht nur rockt, sondern ihm auch in andere musikalische Gefilde folgen kann. Dass Krebs als jemand, der getrost als Klavierkomödiant bezeichnet werden kann, mit dem Metalgenre flirtet, mag auf den ersten Blick unpassend erscheinen. Wer ihn jedoch mal erlebt hat, weiß, dass er diese Verbindung sehr überzeugend herstellt. Natürlich ist sein Metal nicht Heavy, aber definitiv Rock’n’Roll. Erlebt man Krebs mit den Pommesgabeln fühlt man sich durchaus an Ben Folds Five erinnert.

Das Studioalbum „Wellnessalarm“ kommt im Doppelpack mit einer DVD, die einige Titel der CD, aber auch weitere Nummern aus seinem Liveprogramm beinhaltet. Und das ist eine gute Entscheidung, denn bei Acts, deren Show auf Live-Comedy basieren, fehlt dieses Element oft auf reinen Tonträgern, zumal wenn sie im Studio eingespielt wurden. Mit der DVD wird Charme, der Krebs ausmacht, greifbar – man bekommen einen Eindruck davon, wie er mit Publikum agiert.

Sowohl die CD als auch die DVD beginnt mit „Über Fussball reden“, einem Song, der auch wieder den Ben Folds-Geist atmet, aber letztendlich seinen Klimax in dem Halbzeitinterview mit dem Trainer hat, in dem Krebs eine herrliche Jogi Löw-Parodie bietet. Das folgende „Nadine“ ist dagegen eher arm an Witz und versucht mit einer Art Schlüpfrigkeit zu punkten, die wenig überzeugt. Der Titeltrack ist dann wieder ein Höhepunkt, den man sich auch auf der Live-DVD gewünscht hätte. Auch „Gestern hatte ich noch viel vor“ überzeugt.

Weitere Höhepunkte sind die Songs, die wohlweislich auch sowohl auf der CD als auch auf der DVD enthalten sind, wie z.B. „Jazzpianisten“, das zwar auch mit ähnlicher Schlüpfrigkeit spielt, wie zuvor „Nadine“, aber weitaus origineller daher kommt und zudem musikalisch auch perfekt korrespondiert. Auch „Grundschullehrerin“ ist ein Song, den Krebs mit den Pommesgabeln zusammen perfekt umsetzt. „Party“ punktet mit einer ziemlich vollständigen Aufzählung aller Entschuldigungen, die man anführen kann um die Nicht-Verfügbarkeit zur Party zu begründen. „Wär’n wir beide schwul“ untermauert die These, dass es wahre Liebe nur unter Männern geben kann und vermeidet den Ausflug ins Minenfeld, den Krebs‘ alte Band JOE UDL seinerzeit in ihrem Skandal-Hit „Ich kann die Schwulen nicht verstehen (die Mädchen sind doch so schön)“ unternommen hat.

„Wellnessalarm“ schlägt gekonnt die Brücke zwischen Comedy und cooler Mucke, wie so oft bei solchen Künstlern, kann die Retorte das Liveerlebnis nicht überbieten, aber wer Krebs noch nie erlebt hat, bekommt so wirklich mehr als nur ein Appetithäppchen und wer ihn gesehen hat, kann die Erinnerung an einen tollen Abend so wach halten.

Bewertung: 4 von 6
VÖ: 13.03.2015

michaelkrebs.de

Tracklist CD:
01. Über Fußball reden
02. Nadine
03. Wellnessalarm
04. Gestern hatt ich heute noch viel vor
05. Wenn ich ’n Rapper wär
06. Was wirst Du tun?
07. Party
08. Jazzpianisten
09. Wir hatten keine Chance
10. Grundschullehrerin
11. Wenn Schwermetaller weinen
12. Wär’n wir beide schwul

Tracklist Live-DVD:
01. Über Fußball reden
02. Jazzpianisten
03. Weltmarktführer
04. Informationseinspeisevergütung
05. Hell over
06. Abmahnung? Nein danke!
07. Ihre Meinung ist uns wichtig
08. Grundschullehrerin
09. Hey Baby
10. Sexismus (feat. MC Pussyfind)
11. Wär’n wir beide schwul (feat. Dirk Hoppe)
12. Party

Share

Leave your response!

You must be logged in to post a comment.