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MIKE LOVE – Unleash The Love

11 Dezember 2017 No Comment
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MIKE LOVE, das ungeliebteste Mitglied der BEACH BOYS, bringt sein erstes Solo Album seit 36 Jahren raus, nennt es (natürlich) „Unleash The Love“ und packt es in ein „Art“work, das so geschmacklos, plakativ und plump daherkommt, dass man meinen könnte, er wolle extra alle Menschen mit Anspruch ausschließen. Ja – es wäre (leider) sehr leicht das zweite Solo-Album von MIKE LOVE komplett zu zerlegen. Angriffsstellen bietet die Platte jedenfalls genug und LOVE selbst wird neben BRIAN WILSON eben für alle Ewigkeit wie der unsympathische Onkel aussehen, der bei Familientreffen treffsicher die schlechtesten Witze macht. Nun war es sicherlich auch nicht ganz einfach mit jemandem wie BRIAN WILSON zusammenzuarbeiten und auch wenn niemand bestreiten würde, dass ein Großteil der Magie der BEACH BOYS von BRIAN und seinen Brüdern kam, war es eben doch MIKE LOVE, der zum einen Leadsänger der meisten frühen Hits war und den Laden stets zusammenhielt.

Aber kommen wir zurück zu „Unleash The Love“, auf dem man dann mal gucken kann, was LOVE alleine – oder sagen wir besser ohne die BEACH BOYS – auf die Beine stellen kann. Denn natürlich hat er auch hier eine ganze Armada an Helfern dabei, denen er in einem endlosen Text im Booklet ausführlichst dankt. Los geht es mit dem Soft-Rock Schmuser „All The Love In Paris“, samt sämigem Saxophon-Solo. Der Song ist gar nicht mal so übel, aber leider offenbart er direkt das große Problem der Platte: MIKE LOVEs markante Stimme wurde so heftig durch Autotune gejagt, dass man fast den Eindruck bekommt, als hätte ein Gesangsroboter, der auf MIKE LOVE-Sound gestellt wurde, den Gesang übernommen. Wer zur Hölle hat das bitte durchgewunken?

Mal mindestens im Studio wird LOVE doch immer noch in der Lage sein die Töne halbwegs so zu treffen, dass man auch mit weniger offensichtlicher Kosmetik auskommen müsste. Klar – zur Zeit wird Autotune als Effekt ja von gefühlt jedem Hipster-affienen Musiker eingesetzt, aber in diesem Kontext macht das wirklich gar keinen Sinn und raubt „Unleash The Love“ jedes Leben. Schade! Unterteilt in „Now“ (= neue Songs) und „Then (= alte BEACH BOYS Songs neu aufgenommen) bietet auch die „Now“-Hälfte ein paar hübsche Lieder, die durchaus Potential gehabt hätten. „10,000 Years Ago“ und „Only One Earth“ atmen dezentes Gospel-Flair und hätten auch in der kreativen früh 70er BEACH BOYS Phase funktioniert, zu der MIKE LOVE ja bekanntlich eher wenig beigesteuert hat. „Getcha Back“ und „Daybreak Over The Ocean“ (beide übrigens auch schon von den BEACH BOYS aufgenommen und daher eigentlich auf der „Now“-Hälfte deplatziert) bringen die Platte musikalisch auf einen guten Weg und wenn man über die lahme Lead-Gitarre von „I Don’t Wanna Know“ hinwegsieht, legt die Platte mit einem schönen Quartett los.

Danach wird es zeitweise dann doch zu Kinderlieder-mäßig und der Roboter-Gesang auf dem sanften „Too Cruel“ ist so furchtbar, dass man es fast nicht aushalten kann. Auch bei den ganz okay nachgespielten BEACH BOYS Songs auf CD 2 hatte der Produzent kein Erbarmen. „Together, we agreed to modernize the recordings and prepare for release“, schwafelt LOVE im Booklet über den Aufnahmeprozess mit Michael Lloyd, der wohl schon bei der Good Vibrations-Gesangsession anwesend war, aber anscheinend nicht im Ansatz verstanden hat, was dort passiert ist. Auch LOVEs Tochter AMBHA LOVE, die bei KISS ME BABY den Lead Gesang übernehmen darf, wird von Lloyd in einen Roboter verwandelt.

Tja – was gibt man nun für eine Wertung? Man verrät ja sowieso nichts neues damit, dass Musik pseudo-objektiv zu bewerten eigentlich total bescheuert ist und Wertungen lediglich als Gradmesser des eigenen Empfindens funktionieren können. Doch selbst mein persönliches Empfinden ist bei dieser Platte schwer auszumachen. Irgendwie ist es ja ganz nett noch mal etwas von MIKE LOVE zu hören und immerhin taucht er als Autor jedes einzelnen Songs auf – auf der „Now“-Hälfte sogar größtenteils alleine – nur wurde das Ergebnis leider dermaßen kaputt gemacht, dass nur noch wenig Freude an dem Wiedersehen bleibt. Daher möchte ich mich diesmal ausnahmsweise enthalten und lege derweil lieber seine früh-70er Großtat „Big Sur“ auf.

VÖ: 08.12.2017
Label: BMG Rights Management
Website: mikelove.com

Album Tracklist:
Disc 1
01. All The Love In Paris Featuring David Koz
02. Getcha Back Featuring John Stamos
03. Daybreak Over The Ocean&nbsp
04. I Don’t Wanna To Know
05. Too Cruel
06. Crescent Moon
07. Cool Head, Warm Heart
08. Pisces Brothers
09. Unleash The Love
10. Ram Raj
11. 10,000 Years Ago Featuring John Stamos
12. Only One Earth
13. Make Love Not War

Disc 2
01. California Girls
02. Do It Again Featuring Mark McGrath and John Stamos
03. Help Me Rhonda
04. I Get Around
05. Warmth Of The Sun Featuring Ambha Love
06. Brian’s Back
07. Kiss Me Baby
08. Darlin‘
09. Wild Honey Featuring John Cowsill
10. Wouldn’t It Be Nice
11. Good Vibrations
12. Fun Fun Fun

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