Home » Reviews, Tonträger

MONEY FOR ROPE – Money For Rope

19 Februar 2015 No Comment
moneyforrope
Jim Morrison brauchte keine 20 Sekunden bis zum ersten Ausbruch. Aber dann war in „Break On Through“ zum ersten Mal die Hölle los. So eilig haben es MONEY FOR ROPE nicht. Genau genommen beginnt das Debütalbum einer Band, die völlig unverhohlen nach 1960er Psychedelic und Blues Rock klingt, überhaupt sehr verhalten. Was diesen Sound nicht weniger befremdlich wirken lässt. Wer die schlurfenden, trägen, anstrengenden Minuten des Openers „Common Man“ hinter sich bringt, der hat vielleicht jetzt schon den größten musikalischen Anachronismus 2015 gehört – und einen ziemlich großartigen noch dazu.In einem Jahr, das bisher zwischen Electropunk-Hip-Hop von DEICHKIND und den gewohnt ungewohnten Idiosynkrasien BJÖRKs begonnen hat, sind die sechs Melbourner Jungs von MONEY FOR ROPE ein willkommener Fremdkörper. Und was sie auf den neun Songs ihres selbstbetitelten Debüts mit gleich zwei Drumkits und zwei Gitarren und mitunter vierstimmigem Gesang veranstalten, muss man sich erst mal trauen. Da verliert sich die Band etwa im überragenden Surf-Rock-Song „You’ll Be Gone“ zur eigenen Belustigung fast zwei Minuten in einem Blues-Zwischenspiel, bei dem die Schweineorgel ein paar Sprengsel einstreuen darf, während die Jungs sich gegenseitig ansingen: „I’m gonna take you driving in my car, take you to my country house.“ Was für ein Spaß!

Da ist wirklich alles dabei – außer die Gegenwart. Im ebenso befremdlichen wie faszinierenden Pop-Versuch „Ten Times“ wird in knapp über zwei Minuten die große Euphorie abgefackelt, während „Hang ‚em High“ direkt aus dem nächsten Tarantino-Western stammen könnte. Dafür klingt „Since I Left“ nur Sekunden später nach verrauchter Hafenkneipe und Großstadt-Untergrund. Und spätestens beim finalen „Easy Way Out“ mit seiner offensichtlichen Suizid-Thematik zeigt sich eine junge Band, die auch ganz harte Kaliber auffahren kann. Und das mit wunderbar altmodischen Mitteln. Eine großartige Zeitreise!

Trackliste:

01. Common Man
02. Been In The Wars
03. You’ll Be Gone
04. Misery Lane
05. Ten Times
06. Hang ‚em High
07. Sail Past Your House
08. Since I Left
09. Easy Way Out

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.