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MONO & NIKITAMAN – 27.12.2017, zakk, Düsseldorf

17 Januar 2018 No Comment
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Vor der „besinnlichen Eskalation“ mit Mono & Nikitaman im zakk in Düsseldorf am 27.12.2017 hatten wir die Gelegenheit zu einem Interview mit den beiden, welches wir Euch hier nicht vorenthalten möchten. Von diesem Konzert haben wir natürlich auch Fotos für Euch gemacht. Als Support dabei war wieder Simon Grohé. Ein Interview mit ihm und Neuigkeiten zu seiner neuen EP gibt es ebenfalls hier bei triggerfish zu lesen.

Interview mit Mono (Monika Jaksch) & Nikitaman (Nick Tilstra):

Mit welchen Worten würdet ihr Eure Musik am liebsten selber einordnen?

Mono: Ich find`s immer schwer wenn man sich selbst eine Schublade aufmacht. Dann steckt man auch da drinnen! Es ist immer schöner wenn einem jemand anderer sagt das ist das. Es ist schwer sich selber zu beurteilen.

Ist denn die Bezeichnung „Dancehall-Reggae-Anarcho-Punk-Pop-Band aus Berlin“ für Euch passend zusammengefasst?

Nick: Es passt schon irgendwie. Aber wie will man dem einen eigenen Stempel aufdrücken?

Wir sind auf jeden Fall definitiv keine Reggae Band. Puren Dancehall machen wir auch nicht. – Der kommt nun mal aus Jamaika. Punk Band sind wir auch nicht direkt… Also es hört sich ja schon fast nach einem eigenen Genre an. Also passt es schon so irgendwie.

Es ist schon wieder 2 Jahre her seit dem Album  „Im Rauch der Bengalen“ (Ende 2015) 
In welchem Zusammenhang stehen diese 8 Konzerte nun?

Nick: Wir sitzen im Moment die ganze Zeit im Studio und arbeiten an einem Album. Das wird dann 2018 rauskommen im Sommer. Uns ist nun nur so ein bisschen langweilig geworden im Studio und haben uns dann entscheiden noch mal einen Song rauszubringen. „Gib mir ein bisschen Sommer“ heißt der Song und Die Tour nun im Dezember heißt „Ein bisschen Sommer Tour 2017“ – Wir haben halt überlegt… hey wir wollen noch mal 8 schöne Konzerte spielen, in ein paar Städten, einfach Musik machen, Leute treffen und mit der Band unterwegs sein, Weihnachten feiern und Silvester.

Ach, nächstes Jahr wird ein neues Album von Euch erscheinen?
Gibt es bereits einen Titel?

Nick: Wir gehen auf jeden Fall ab nächstem Herbst wieder auf Album-Tour. Da werden wir dann wieder eine große Release Tour machen. – Haltet ein bisschen Ausschau, Ende Sommer 2018. Den Albumtitel werden wir dann noch bekannt geben.

Das Album von 2015  „Im Rauch der Bengalen“ kam mit einem lauten Statement:  „BÄÄM. – Eigenes Label, eigener Brand […] Grüße an die Industrie, zwei Mittelfinger in die Luft […] Wir brauchen kein Major, wir haben unsere Fans. Wir brauchen kein Label, wir haben unsere Band.“ – Ihr habt nun also Euer eigenes Label M&N Records. Wie läuft es denn so seither damit? War dies tatsächlich der einzig richtige Schritt für Euch?

Mono: Definitiv. Also es fühlt sich noch mal freier und selbstbestimmter an. Wir können jetzt jederzeit sagen: So jetzt bringen wir einen Song raus. Wir brauchen eigentlich gar nichts mehr dafür und das fühlt sich richtig gut an.

Nick: Ja wir sind extrem schnell geworden mit den digital-Releases, auch von den Singles und wir arbeiten da eng mit dem Vertrieb zusammen. Wir können das überhaupt nicht bereuen selbst in die Hand genommen zu haben. Das Album war auch jetzt von der Chart-Platzierung her das erfolgreichste. Die Tour war sehr erfolgreich an dem Album. Wir sind halt nun völlig unabhängig in der Planung auch. Und auch bei dem nächsten Album das im Sommer 2018 kommt sind wir völlig frei und können uns voll darauf konzentrieren, sind nicht in ne Label-Aparat der vielleicht noch nen anderen Release hat oder jetzt können wir es nur da machen oder so was. Das ist also eine richtig gute Entscheidung gewesen.

Ist das eine Empfehlung an andere Bands? Dieses Jahr gab es ja zum Beispiel auch ein Album von Trettmann mit dem Namen DIY, der auch keinem Major Label angehören möchte. Was denkt ihr über das Album? Fühlt ihr euch in dem Punkt oder mehreren verbunden? Könnt ihr mit seiner Musik etwas anfangen?

Nick: Es ist ein Hammer Album auf jeden Fall. Trettmann kennen wir ja schon sehr lange irgendwie. Ich find`s total toll dass er nun mittlerweile auch die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient hat. Die Jungs die es produziert haben von KitschKrieg, die kennen wir auch, mit denen haben wir uns auch viel getroffen, haben darüber gesprochen, wie man Labelstrukturen aufbauen kann, auch mit Kris von KitschKrieg haben wir immer wieder gesagt: Hey selber machen ist auf jeden Fall der Schlüssel! Und das haben die gut gemacht. Wir sind sehr glücklich dass die das so geschafft haben.

Das Design eurer T-Shirts gefällt mir gut. Wer hat das gemacht?

Mono: Das T-Shirt-Design habe ich gemacht!

Ach so, wie schön. Hast Du einen gestalterischen Hintergrund?

Mono: Ja, ich habe Kunst studiert, vorher. Und natürlich macht es total Sinn die eigenen Ideen mit einfließen zu lassen in das Projekt Mono & Nikitaman.

Was treibt Euch an Musik zu machen?

Mono: Bei mir sind es einfach die Texte. Ich will einfach gewisse Sachen. Ich find so wenn sich ein Text auflöst und wenn der aufgeht zur Hook hin dann kriege ich einfach Glücksgefühle. Es macht mir voll Spaß Texte zu schreiben und die mit der Musik dann zusammen zum Leben zu erwecken. – Das ist das wofür ich lebe!

Nick: Ich hab nach dem 4. Album haben wir uns mal ne längere Pause gegönnt und ich hab mich mal selbst beobachtet was passiert. Es hat mich einfach zum Musik machen gezogen. Und das ist ein ganz natürlicher Prozess. Ich kann mich am Rechner verlieren beim produzieren, man kann sich darin verlieren Texte zu schreiben, dieses ganze Ding zu planen, auf Tour zu gehen und dann auf der Bühne zu sein wenn das dann nach wochen- monatelanger Planung mit der Band und Proben, dann auf der Bühne stehen, ist einfach für mich das allergeilste Gefühl und ich fühl mich so frei. Das ist es was mich antreibt. Dass mir das Spaß macht, ich es kann und es auch will.

Ihr habt aktuell den Song „Kein Weed“ draußen, indem ihr die Legalisierung von Marihuana in Zukunft jetzt schon garantiert. Können wir uns denn darauf verlassen?

Mono: Also ich denk es führt ja einfach kein Weg daran vorbei. Wie ich es auch schon in dem Song sage. – Das ist definitiv die klügere Sache das zu legalisieren. Also ich selber kiffe nicht, bin aber trotzdem für die Legalisierung. Weil es Sinn macht. Ich will nicht das meine Tochter sich später mal ihr Gras bei irgendwelchen illegalen Dealern besorgen muss. Sondern das es geregelt ist, dass man weiß was man kauft und was man dann am Ende raucht.

Für wie wahrscheinlich haltet ihr das Thema in absehbarer Zeit?

Mono: Wenn man sich das mal in Amerika und Holland anguckt. Es hat ja bis jetzt Sinn gemacht. Merkel macht ja mittlerweile auch eigentlich alles, was man nicht denkt das sie machen würde.

Nick: Also die Freigabe als Medizin ist ja schon erfolgt. Unser Bass Substitut ist auf jeden Fall auch erfolgreicher legaler Cannabis Konsument. Es funktioniert ja schon. Die Weichen sind gelegt. Ich denke also das es echt nur noch eine Frage von ein paar Jahren ist und keinen Jahrzehnten mehr.

Vermutlich werden sie sich auch nicht die Steuereinnahmen entgehen lassen wollen auf lange Sicht. 

Mono: Ja genau. Man merkt ja auch jetzt schon das gewisse Firmen sich da einen Fuß in die Tür packen wollen. (lachen)

Von welchen Künstlern kommen für Euch die wichtigsten Musikalischen Einflüsse für Euch persönlich oder auch für die Band?

Nick: Künstler, die Echt sind und sich nicht irgendwas überstülpen, die sich verändern können, die sich trauen Sachen zu machen die nicht immer populär sind. – Das sind echt verschiedenste und zu verschiedenen Zeiten. Mich inspirieren jetzt Künstler die mich vielleicht in 2 Jahren später nicht mehr inspirieren, aber ich mag es wenn ich Menschen auf der Bühne sehe die sich da wohl fühlen und genau das machen und darauf scheißen was die anderen sagen.

Ich mag es Lieder zu hören die mich abholen, die mir was anderes zeigen können als das was ich kenne.

Mono: Was mich total positiv überrascht hat waren Sachen aus Belgien. Stromae fand ich total schön, eben aus dem Grund weil er nicht vorgefertigte Pfade läuft, sondern selber die Videos macht wie er sich das vorstellt. Weil er ein großartiger Musiker ist. Mir gefällt auch Musik aus England auch meistens aus diesem Grund, wie Nick schon sagt. Wenn Leute was individuelles machen.

Was ist für Euch das beste Album des Jahres 2017?

Nick: DIY von Trettmann ist schon sehr weit oben – also aus unserer Szene heraus betrachtet.

Ich sah mal ein Interview von euch mit Radio FM4 bei YouTube, in dem Nick sagt, dass er es als prägend empfunden hat zu sehen, dass man Konfrontationen kämpferisch begegnen kann. Denkst du das dies heutzutage möglicherweise zu wenig geschieht, also dass zu viele Menschen evtl. nicht genug kämpfen, um ihre Ziele zu verfolgen? 

Nick: Ich glaube das es heutzutage schon ganz schön schlau gemacht ist, wie bei dem G20 Gipfel, dass durch die Medien schnell so eine Gleichschaltung passiert. Das Protest == gewaltsamer Protest == stupide Zerstörungswut ist. Das halte ich für extrem gefährlich. – Diese 68er Revolutionen, wo Studenten auf die Straßen gegangen sind und gesagt haben wir wollen demonstrieren, dann gab es Gerangel, sie sind nicht durchgelassen worden und danach gab es Ausschreitungen mit der Polizei aber von normalen Menschen, von der Mittelschicht heraus. Das fehlt in Deutschland ganz schön. Also Frankreich hat da ja eine ganz andere Demonstrationskultur. Wenn die Gewerkschaften da auf die Straße gehen. Die Bauern haben ja letztens da einen Politiker sogar gekidnappt, glaube ich. – Die Bauerngewerkschaft… Ich glaube das wir aufpassen müssen in Deutschland dass Protest nicht immer reduziert wird auf einen schwarzen Block, auf eine Antifa die irgendwie Zerstörungswut in die Städte trägt, sondern dass es wichtig ist das man gegen G20 protestiert und dass man ruhig auch mal eine Sperre durchbrechen kann. Das ist kein Gewaltakt. Ich find das ist nicht das allerschlimmste, was es gibt. Das kann man ja auch spielerisch betrachten.

Mono: Ich find auch das es sich ganz komisch anfühlt plötzlich, dass man eine rechte Partei in der Regierung sitzen hat und alternative Linke plötzlich kriminalisiert werden. Das ist eine Richtung, die sich für mich nicht gut anfühlt.

Nick: Fakt ist ja, dass beim G20 Gipfel in Hamburg einfach Demonstrationsrouten zugelassen waren und an dem Tag stellen sich dann plötzlich einfach Bullenketten in den Weg. – Aber es ist ja zugelassen worden. Und sich dieses Recht dann einfach zu nehmen und zu sagen wir gehen da jetzt trotzdem durch, dass ist für mich legitim. Und auf harmlose Demonstrierende mit so viel Tränengas loszugehen, das ist eben auch nicht legitim. Da muss man sich nicht wundern, dass es illegitime Sachen auf beiden Seiten am Ende gibt. Die Eskalation ist auf jeden Fall auch sehr stark von der Polizei betrieben worden.

Mono: Manchmal muss man eben auch seine Einstellung härter zeigen, um sich eben dann auch in der Mitte treffen zu können. Es reicht ja nicht einfach zu sagen ich bin dagegen. Dann passiert nichts.

Menschen brauchen Träume und Ziele. – Welche Träume oder Pläne gibt es bei Euch?

Nick: Musikalisch wünsch ich mir einfach, dass wir weitermachen mit Musik, dass die Leute auf unseren Konzerten genau so den Spaß haben den sie immer haben, dass sie noch ihren Freunden und Verwandten Bescheid sagen und noch mehr kommen, wir das Ding wachsen und aufblühen lassen, dass wir einfach unsere Alben machen und unterwegs sind.

Mono: Das wir viele sind und noch mehr werden können.

DANKE vielmals für eure Zeit und dieses Interview

M&N: Gerne. – Sehr gerne.

www.mono-nikitaman.de

 

Hier noch unsere Bildergalerie:

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