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MORGAN FINLAY – Little Calm

6 Juni 2018 No Comment
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Morgan Finlay ist ein kanadisch-irischer Sänger/Songwriter, der schon seit vielen Jahren in unterschiedlichen Teilen der Welt Station macht und sich von den jeweiligen Orten künstlerisch inspirieren lässt was dann in seine Musik einfließt. Aktuell ist seine Basis Hamburg – dort entstand sein neues Album „Little Calm“. In jungen Jahren machte er die Erfahrung, dass er für die Produktion seiner Debüt-EP „Uppercut“ (2002) hohe Schulden davon trug. Als Konsequenz daraus setzte er für die letzten Alben auf das Crowdfunding-Konzept und hat sich auch etwas ganz eigenes für das Format seiner Alben einfallen lassen: Er bietet seine Musik in unterschiedlichen Qualitätsstufen als Download an und um aber die Komponente eines konkreten physischen Produkts nicht ganz zu verlieren, produzierte er Booklets im Format 15 x 15cm, die wunderbar liebevoll gestaltet sind und neben den Songtexten auch viele Fotos von den jeweiligen Orten, an denen die Musik entstanden ist, enthalten.

„Little Calm“ ist jetzt also sein „Hamburg-Album“, aufgenommen und produziert zusammen mit Bente Faust im Moorfleeter Off Ya Tree-Studio. Aufgenommen wurde analog auf Mehrspurband, nur für den Mix wurden die Tracks digital verarbeitet. 10 Songs, die an vielen Stellen Orte in Hamburg konkret beschreiben, aber natürlich von Menschen, ihren Gefühlen, Beziehungen oder Sorgen handeln. Dabei wird er von Hamburger Musikern begleitet. Die Arrangements sind von seiner akustischen Gitarre getragen, bringen aber volle Bandsounds, ohne jedoch an irgendeiner Stelle überladen zu wirken. Jürgen Hoffmann spielt wunderbare akustische Gitarrensoli und auch die Rhythmusgruppe mit Bassist Hajo Cirksena und Drummer Alex Jezdinsky agiert überaus geschmackvoll und songdienlich.

Die irischen Wurzeln sind in den Songs und der Art wie Morgan Finlay sie spielt klar auszumachen. Am deutlichsten kommt das in dem finalen Track „Celtic Tiger“ herüber, einem Liebeslied, das Finlay an seine Partnerin schrieb, die er in Nürnberg auf einem Wohnzimmerkonzert kennen gelernt hat und jetzt mit ihm in Hamburg lebt. Ansonsten hört man auf dem Album einen Sound, der an „Fisherman’s Blues“, das legendäre vierte Album der Waterboys, erinnert und auch Leidenschaft, die Finlay in seinen Vortrag legt, lässt durchaus an Mike Scott denken. Sein Songwriting spielt mit bekannten Elementen, macht sie sich jedoch zu eigen und auch wenn sich für jede Akkordwendung oder jeden Melodiebogen eine Referenz findet, ist es doch ein eigenständiges Werk, das den Hörer sofort gewinnt.

Die zehn Songs des Platte können sämtlich überzeugen. Mit „Tugboat“ und „You Do It To Yourself“ beginnt das Album stark. „Tiny Stages“ begeistert dann in einem sehr reduzierten Arrangement, das der Art, wie Morgan Finlay momentan live spielt – solo, akustisch – am nächsten kommt. „Fortune Cookie“ bringt wieder Leben in die Bude und „Slip & Fall“ stellt einen weiteren Höhepunkt dar.

Morgan Finlay stellt mit „Little Calm“ unter Beweis, das großartige Musik heutzutage in einem durch Crowdfunding finanzierten Rahmen produziert werden kann. Seine Platten sind über bandcamp.com erhältlich – möchte man die Bücher erwerben, muss man dort unter „Merch“ schauen. Alternativ kann man natürlich auch auf seiner Webseite schauen, ob es eine Gelegenheit gibt, ihn live zu erleben und die Bücher auch bei ihm direkt zu erwerben. Es lohnt sich!

Bewertung: 5 von 6

https://morganfinlay.bandcamp.com/

https://www.morganfinlay.com/

Tracklist:

  1. Tugboat
  2. You Do It To Yourself
  3. Tiny Stages
  4. Another Lost Day
  5. Fortune Cookie
  6. Your Shadow
  7. Slip & Fall
  8. Little Calm
  9. The Shape I’m In
  10. Celtic Tiger
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