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MOUNTAIN – Evolve

26 August 2016 No Comment

MOUNTAIN Evolve

Post-Rock ist eine heikle Spielart. Stets bewegt sich das (Instrumental-)Genre auf der dünnen Grenze zwischen Belanglosigkeit und Gänsehaut haschender Genialität. Viel wurde im wortlosen Anhäufen von Gitarrenwänden gesagt. Doch erfreut sich Post-Rock noch immer bei vielen Zuhörern großer Beliebtheit. Noch immer nehmen Bands Platten auf, obwohl doch Gruppen wie EXPLOSIONS IN THE SKY und GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR, LONG DISTANCE CALLING, MOGWAI und Co. viel bis alles gesagt haben. Gegen dieses Bauchgefühl treten die Österreicher von MOUNTAIN an. Die Band aus Villach veröffentlicht Anfang September ihr Debüt „Evolve“ über das schwedisch-italienische Label „Shunu Records“. „Evolve“ ist ein erstaunlich erfrischendes Stück Musik, obwohl es doch so gut wie alle Genre-Elemente auffährt.

Irgendwo zwischen OCEANSIZE, FAIR TO MIDLAND und AND SO I WATCH YOU FROM AFAR geben die vier Bandmitglieder von MOUNTAIN mächtig Gas. Österreich ist weltbekannt für die Schönheit der örtlichen Berglandschaften. MOUNTAINs Musik ist ein wunderbarer Soundtrack zur wuchtigen Vielfalt der oftmals als unwirklich und menschenfeindlich empfundenen Gebirgsmassen. Denn selbst auf dem höchsten und härtesten Berggipfel blühen noch seltene und hübsche Blumen. Ähnlich verhält es sich bei den sieben Liedern auf „Evolve“.

Diese Songs sind angenehm kompakt und auf den Punkt arrangiert, wo andere Bands erst einmal sechs Minuten brauchen, um aus der eigenen Lethargie zu vieler Delays auszubrechen. Warum verwechseln da draußen nicht wenige Musiker Redundanz mit Spannung? MOUNTAIN können mehr. Messerscharfe Gitarren, würdevolle Piano-Klänge und eine energetische Rhythmus-Abteilung. der Opener „Hawking“ erinnert an die genialen OCEANSIZE. „Deeds, Grammar and What You Make Of It“ könnten in Passagen von den mächtigen THE HIRSCH EFFEKT sein. „Ahram“ rollt wie eine Lawine im Stile von ISIS. Gegen Ende darf sogar ein Blastbeat nicht fehlen. MOUNTAIN sind am Instrument versiert! Ein wenig unüberraschend ist das eingespielte Vocal-Sample mit einer ernst vorgetragenen Ethik-Predigt in „Savage Landor“. Warum hat jede Band dieses Genres so ein Sample? In diesen Momenten fällt es schwer, Post-Rock noch ernst zu nehmen. Der erzwungene Pathos wirkt ausgelutscht und wie die Kopie der Kopie. Es sei MOUNTAIN verziehen, denn der Part wird nicht ins Endlose gestreckt.

Hinter der Band steht ein Mann, mit dem laut Presseinfo alles seinen Anfang nahm. Gitarrist Philipp Otte habe sich mit der Band einen Kindheitstraum bzw. inneres Bedürfnis erfüllt. Seine drei Mitmusiker hat er sich zu dem eigentlichen Solo-Projekt zusammengesucht. Man merkt dem Album an, dass Konzepte und ein geradliniger Wunsch zu Grunde liegen. Kein Song fällt negativ aus der Reihe. Kurzweilig, gut produziert und liebevoll komponiert ist „Evolve“ ein erfrischendes Positivbeispiel für Post-Rock im Jahre 2016. Wir dürfen gespannt sein, wohin die Reise dieser noch kleinen Band gehen wird.

Bewertung: 4 von 6
VÖ: 9. September 2016
Label: Shunu Records/Goodfellas
Format: CD / Digital

Mehr Infos:
facebook.com/Mountain17
shunurecords.com

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