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INTO THE WOODS

18 Februar 2015 No Comment
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Zunächst einmal seien alle Nicht-Musical-Fans vorgewarnt: Wer kein Fan des Genres ist, in dem bunte Figuren spontan in Gesang und Tanz ausbrechen, sollte sich so weit wie möglich von Into the Woods fern halten. Denn der von Regisseur Rob Marshall adaptierte Film basiert auf einem Musical der Komponisten-Legende Stephen Sondheim, der schon berühmte Stücke wie West Side Story und Sweeney Todd für die Broadway-Bühne produzierte. Ein Veteran dieser Kunstform und das merkt man auch an Into the Woods, das erzählerisch wie musikalisch sehr eigenwillige Richtungen verfolgt. Richtungen, die für das ungeschulte Ohr und Auge vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig und schwer zu genießen sein wird.

 

In einer namenlosen Märchenwelt versucht ein junges Bäcker-Ehepaar (Emily Blunt und James Cordon) verzweifelt ein Kind zu bekommen. Wie ihnen eine Hexe (Meryl Streep) eröffnet, bleibt ihnen der Kinderwunsch nicht ohne Grund verwehrt: Einst hat der Vater des Bäckers eine Handvoll magischer Bohnen aus dem Garten der Hexe geklaut. Aus Rache hat sie ihn und seine Nachkommenschaft mit einem Fluch belegt. Jedoch eröffnet sie ihn einen möglichen Ausweg aus der Misere. Der rote Umhang von Rotkäppchen (Lily Crawford), ein Schuh von Cinderella (Anna Kendrick), eine weiße Kuh, eine blonde Locke von Rapunzel (Mackenzie Mauzi) sollen zusammengemischt den Fluch aufheben. Die jeweiligen Ziele sind währenddessen auf ihren eigenen Abenteuern. Rotkäppchen muss sich auf dem Weg zur Großmutter am großen, bösen Wolf (Johnny Depp) vorbei schmuggeln, Cinderella muss ihr mit ihrer Stiefmutter und Stiefschwestern zurechtkommen und gleichzeitig die Avancen ihres majestätischen Verehrers,  dem Prinzen (Chris Pine) zurückweisen, Jack (Daniel Hattlestone) muss seine heiß geliebte weiße Kuh verkaufen und kommt zum Missfallen seiner Mutter (Tracey Ullman) mit einer Handvoll magischer Bohnen zurück. Währenddessen wird Rapunzel von der Hexe gefangen gehalten und geht eine geheime Liebschaft mit einem anderen Prinzen (Billy Magnussen) ein.

 

Ob Musical- Fan oder nicht, man muss Art und Weise respektieren, mit der Rob Marshall diese vielen Handlungsstränge kunstvoll miteinander verwebt. Dabei lässt er die magischen Elemente auf klassische Art und Weise entfalten und punktet weniger durch filmtechnischen Hokus Pokus. Die Wald- und Märchen-Kulissen selbst erinnert an eine Kulisse im Theater und kommt größtenteils ohne digitalen Schnick Schnack aus. Einen großen Teil des filmischen Gewichtes stemmt der fulminante und bis in die Nebenrollen perfekt besetzte Cast: Emily Blunt und Anna Kendrick gehören zu den charmantesten und talentiertesten Damen, die momentan in Hollywood agieren und können dies auch hier neben ihren bewundernswerten Gesangskünsten zum besten geben.

 

Chris Pine überrascht weniger mit Gesang, ist aber trotzdem formidabel als Prinz besetzt, der im richtigen Moment dramatisch sein Hemd aufreißt und mehr durch Charme und Feigheit besticht als durch Treue oder Besch?tzerinstinkt gegenüber seiner Angebeteten. Johnny Depp darf sich in seinem kurzen Auftritt seiner Lieblingsbeschäftigung hingeben und sich unter jeder Menge Make Up verstecken. Auch die unbekannteren Namen, insbesondere die beiden jungen Darsteller Daniel Hattlestone und Lily Crawford scheinen trotz ihres jungen Alters schon erfahrene Musical-Veteranen zu sein und und stehen dem älteren Cast um nichts nach. über alles strahlt wieder einmal Meryl Streep, die sehr mitreißend sowohl die tragische als auch die komischen Seiten ihrer Hexenfigur verkörpert. Allerdings ist ihr auch die facettenreichste Figur vergönnt.

 

Der Zuschauer sollte aber nicht nur ein klassisches Musical-Märchen mit großartigen darstellerischen Leistungen erwarten. Stephen Sondheim und Rob Marshall spielen mit subversiven Handlungsentwicklungen: Zwar finden die die Charaktere letztendlich ihr jeweiliges Glück jedoch analysiert Into the Woods auch, was für Konsequenzen dieses offensichtliche Glück nach sich ziehen kann. Themen und Fragen wie Egoismus, Liebe und was Familie und ein Happy End letztendlich bedeutet, werden hier auf clevere Art und Weise aufgeworfen. Klassische Märchenthemen werden unterwandert und auch über das Happy End hinaus konsequent zu Ende gedacht, ohne die Geschichte in eine zu aufgesetzte Düsternis abdriften zu lassen.

 

Allerdings benötigt der Film fast anderthalb Stunden um dorthin zu gelangen. Auch wenn sich währenddessen schon der ein oder andere kurze amüsante Moment anbietet, wirkt diese Zeit doch eher wie ein 90 Minütiges Set-Up, welches die Hauptaussagen und die unerwartete Wendung in der letzten halben Stunde unterstützen sollen. Manch ein Zuschauer könnte bis dahin schon die Geduld verloren haben. Sondheim hat nämlich ein spezielles Gefühl für Timing und der ein oder andere Song kann für das ungeübte Ohr  gelegentlich unmelodisch bis überstrapazierend schrill klingen.

 

Into the Woods kann mit Subversivität punkten, die allerdings erst in der letzten halben Stunde richtig zum Tragen kommt. Sondheim und Marshall machen sich dabei weniger über Märchenkitsch lustig, sondern denken die Fabeln und deren Themen konsequent zu Ende. Dem Musical wird es jedoch schwer fallen sein Publikum zu finden und gerade für einen Kinogast, der weniger mit Sondheims eigensinnigen Stil vertraut ist, nicht immer ein Genuss für die Sinne sein.

 

Darsteller: Anna Kendrick, Daniel Huttlestone, James Corden, Emily Blunt, Christine Baranski, Tracey Ullman, Meryl Streep, Johnny Depp
Regie: Rob Marshall
Musik: Stephen Sondheim
Genre: Märchen, Musical

Laufzeit: 125 Min.

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