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NIELS FREVERT – Alte Feuerwache Mannheim, 06.12.2019 07.12.2019

7 Dezember 2019 No Comment
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Am Nikolaustag stellt der ehemalige Sänger der Nationalgalerie, nach 5 Jahren Sendepause, seine neue Platte „Putzlicht“ auch in der Mannheimer Feuerwache live vor. Er tut dies akustisch, in Triobesetzung mit dem Berliner Christoph Bernewitz an der E-Gitarre und kurzfristiger „Aushilfe“ an den Tasten.

Atmosphärisch dicht, legt der Hamburger in gut 90 Minuten die DNA seines bisherigen Soloschaffens frei. Zunächst meist mit akustischer Gitarre ausgestattet, zeigt er, dass neue Songs wie „Leguane“ oder „Wind in deinen Haaren“ in bester Tradition seines eher introvertierten und grüblerischen Songwritings stehen.

Besonders der elektrisch verstärkte Titelsong „Putzlicht“ und das hoffnungsvolle „Immer noch die Musik“ begeistern das Publikum in der Feuerwache, das gebannt an den Lippen des charismatischen Künstlers hängt. Dieser ister im dunklen Anzug und 3-Tagebart ganz bei seiner Kunst.

Die moderneren Beats und milde Elektronik, welche die neue Platte durchziehen, werden bei den reduzierteren Arrangements nicht vermisst. Im Gegenteil, große Songs wie „Als könnte man die Sterne berühren“ gewinnen sogar noch an Ausdruckskraft.

Frevert macht kaum Ansagen, erzählt von Auftragsarbeiten im Sinne von Berthold Brecht („1m² Regenwald“), dem verstorbenen Kollegen Nils Koppruch und zeigt sich dankbar für die intensive Resonanz seines Publikums.

Im weiteren Verlauf liefert er alle diese fantastischen, dunkel-grüblerischen Stücke, mit denen er sich einen Namen gemacht hat. Egal ob das erhabene „Baukran“, das rückblickende „Niendorfer Gehege“ oder „Speisewagen“ vom unterschätzten „Paradies der gefälschten Dinge“: die Triobesetzung harmoniert glänzend und lässt den ganz eigenen Zauber der Stücke sprechen.

Der schwarzhumorige Gassenhauer „Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn’s nicht meine wer“ animiert zum kollektiven Handclapping und „Seltsam öffne mich“, seine Rückmeldung in den 2000er Jahren kracht knackig wie die Nationalgalerie in den 90s.
„Ich suchte nach Worten für etwas das nicht an der Straße der Worte lag“ beschließt das reguläre Set und der Künstler erklärt darin warum es etwas länger mit der neuen Scheibe gedauert hat. Selten hat man auf kleineren Konzerten einen solch warmen Applaus erlebt. Frevert tut das gut, schien er doch in den letzten Jahren fast weg vom Fenster zu sein und zweifelte alles an, bevor er jetzt doch beim Grönland Label „Putzlicht“ veröffentlichen konnte.

Drei frenetisch gefeierte Zugaben, bei der „Auf Sand“ ihn ganz alleine nur mit der Akustischen zeigt und „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“ das Trio nochmal ganz intensiv präsentiert, beschließen diesen wunderbaren Konzertabend.

Restliche Termine 2019:
07.12.19 Hannover, Pavillon
08.12.19 Oldenburg, Wilhelm13
09.12.19 Leipzig, nato (ausverkauft)
12.12.19 Rostock, Helgas Stadtpalast
13.12.19 Magdeburg, Moritzhof

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