Home » Reviews, Tonträger

NOEL GALLAGHER’S HIGH FLYING BIRDS – s/t

10 Oktober 2011 No Comment
NOEL GALLAGHER'S HIGH FLYING BIRDS
NOEL GALLAGHER wurde in den 90ern mal als legitimer Songwriting-Gott-Nachfolger von Lennon/McCartney gefeiert. Doch auf einmal war Cool Britannia Koks von gestern und die Britpop-Daddys OASIS lieferten nur noch unbeständig gute Songs ab. Nach dem Split der Gallagher Brüder in 2009 versuchte sich die Band ohne Songschreiber NOEL an dem Projekt BEADY EYE.Der große Bruder schwieg erstmal und präsentiert mit genügend Abstand und fast einem Jahr im Studio nun sein episches Solodebüt unter dem Namen NOEL GALLAGHER’S HIGH FLYING BIRDS. Dahinter versteckt sich allerdings keine Superband, die NOEL ohne Probleme hätte zusammenstellen können, sondern eher ein loses Kollektiv zufällig engagierter Musiker. Nur nicht zu sehr auf die Kacke hauen.

Im Mittelpunkt der Band steht natürlich nur NOEL GALLAGHER selbst, der sich an seine neue Rolle ganz alleine im Scheinwerferlicht erst noch gewöhnen muss. Seine erste Soloplatte war schon seit Jahren ein heiß ersehnter Traum aller OASIS Fans und doch schreibt das Album auch musikalisch ein neues Kapitel. Melancholische Songlinien, kaum E-Gitarren und insgesamt eher ein Opus denn ein typisches Breitbein-Rockwerk. Die erste Single „The Death Of You And Me“ und die zweite Auskoppelung „AKA…What A Life“ gehören ohne Frage zu den stärksten Songs auf dem Album.

Nach all den Jahren und großartigen OASIS B-Seiten wurden nun all die Hits erwartet, die noch in NOELs Schatztruhe schlummerten. Stattdessen sind  nur wenige Tracks wie „Stop The Clocks“ oder die Jubelchor-Hymne „(I Wanna Live A Dream In My) Record Machine“ älteren Datums. Für die anstrengenden Aufnahmesessions („Ich war kurz davor, durchzudrehen“) in Twickenham und letztendlich Los Angeles mit Produzent Dave Sardy hat NOEL eben auch einen Neuanfang wagen wollen und gleich mal Weingläser und eine Säge mitaufgenommen.

NOEL GALLAGHER’S HIGH FLYING BIRDS sind absolut keine Stadionband und die grauen Haare des alles hinterfrageden Elder Statesman zeugen von eben jener neuen Entschleunigung, die dem Chief schon immer gut stand. Allein „If I Had A Gun…“ straft alle Vorwürfe der Trägheit mit Pathos ab. Heute trägt er statt Dosenbier lieber Kaffeebecher spazieren, hat sich endlich einen Computer zugelegt und den Rolls-Royce-Chauffeur gegen eine Tube-Monatskarte getauscht.

Auf der Suche nach diesem neuen Solo-NOEL begab sich der 44-Jährige auf eine kleine Reise, die für alle Beteiligten Neuland war und daher auch zu unerwarteten Ergebnissen führte. Wohlgemerkt wirklich großartigen Ergebissen, die einen eigenen Kosmos schaffen. Who the fuck is „Wonderwall“?! Für nächstes Jahr ist bereits eine zweite Platte von NOEL GALLAGHER’S HIGH FLYING BIRDS angekündigt, die zusammen mit den Psychedelic-DJ-Gurus von AMORPHOUS ANDROGYNOUS aufgenommen wurde und eine Art „Dark Side Of The Moon“ auf noch mehr Drogen werden soll. Wir sind gespannt!

Label: Sour Mash Records / Indigo
VÖ: 14.10.2011
Bewertung: 6/6

noelgallagher.com

Trackliste:
01. Everybody’s On The Run
02. Dream On
03. If I Had A Gun…
04. The Death Of You And Me
05. (I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine
06. AKA… What A Life!
07. Soldier Boys And Jesus Freaks
08. AKA… Broken Arrow
09. (Stranded On) The Wrong Beach
10. Stop The Clocks

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.