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NOEL GALLAGHER’S HIGH FLYING BIRDS – Who Built The Moon?

1 Dezember 2017 No Comment
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Alle guten Dinge sind drei, sagt man so gern. Und das dritte Album ist für Pop/Rock-Acts oft ein besonderer Prüfstein nach dem Debüt, in das ein neuer Act alles rein legt, was er zu bieten hat und dem dann der Nachfolger, bei dem oft versucht wird ein zweites Album im gleichen Muster hinterher zu schieben, mehr schlecht als recht folgt. Und bei Nummer Drei scheiden sich dann oft die Geister. Entweder gelingt es sich endgültig an der Spitze zu etablieren und oft auch künstlerisch neue Türen zu öffnen, oder es deutet sich an, dass der Höhepunkt des künstlerischen und oft auch kommerziellen Erfolges bereits überschritten wurde. Nun ist Noel Gallagher aber kein Newcomer mehr und doch gilt das besondere Gesetz des dritten Albums auch klar für ihn.

Mit seinem Debüt etablierte er sich zwei Jahre nach dem Oasis-Split als Solokünstler und „Chasing Yesterday“ war dann 2015 ein typisches Zweitwerk, das dann auch klar im Schatten des Debüt stehen blieb. Es gab zwar schon in Tracks wie „In The Heat Of The Moment“ oder „The Right Stuff“ Anzeichen für eine Weiterentwicklung, aber insgesamt blieb die Platte trotz großartiger Tracks wie „Riverman“ oder „Ballad Of The Mighty I“ eher blass. Nun also, wenige Monate nach dem beachtlichen Solodebüt seines Bruders Liam, kommt diese entscheidende dritte Platte und man muss Noel Respekt für die Entscheidung aussprechen diese Platte von Grund auf anders anzugehen als alle andere Alben, die er zuvor veröffentlicht hat.

Eine entscheidende Weichenstellung war die Verpflichtung von David Holmes als Produzent, der eine ganz andere Vorgehensweise als Gallagher hat und ihn so aus seiner Komfortzone gelockt hat. Anders als bei allen anderen 9 Alben hatte Gallagher die Songs nicht zu Hause auf der Gitarre komponiert, sondern sämtliche Tracks erst im Studio und unter Einfluss von Holmes geschrieben, der wohl auch durchaus dem legendären Songsmith von Oasis mal gesagt hat, dass der eine oder andere Part noch mal überarbeitet werden sollte. Und das hört man der Platte auch an. Vor allem ist auffällig, dass 2,5 der 11 Tracks des eigentlichen Albums instrumental sind, etwas, das es auf Noels Soloplatten bislang noch nicht gegeben hatte. Der halbe instrumentale Song ist hier der Opener „Fort Knox“, der die Zeilen „Keep hanging/holding on“ und „We got to get ourselves together“ als eine Art Mantra hat, das Noel immer wieder einwirft. Ein starker Einstieg in die Platte, der gleich in die erste Single „Holy Mountain“ überleitet, die natürlich massiv bei „Ca Plane Pour Moi“ von Plastic Bertrand beleiht, aber trotzdem eine coole Nummer ist, die verdammt gute Laune verbreitet und vor allem mal eine Leadsingle oberhalb des Midtempo-Bereiches darstellt. Noch schneller wird es dann bei dem ebenfalls überzeugenden „Keep On Reaching“.

„It’s A Beautiful World“ ist so ein Song, wo der Einfluss von Holmes deutlich ist, denn solch einen elektronischen Beat hat man bei Gallagher bislang noch nicht gehört und einen Song, in dem die Gesangsmelodie im Chorus leiser gemischt ist als in der Strophe ist ebenfalls ein Novum. Aber die Nummer funktioniert gut, ohne Frage, genau wie das ähnlich angelegte „She Taught Me How To Fly“. So endet die erste LP-Seite, auf dem Label als „Earth Side“ bezeichnet, mit einem weiteren schnellen Song. Die als „Dark Side“ betitelte zweite Seite beginnt mit dem starken „Be Careful What You Wish For“, das sich durchaus bei „Come Together“ von den Beatles bedient, das ja auch schon deutlich bei „You Can’t Catch Me“ von Chuck Berry angelehnt war, insofern kann man einfach von guten Genen sprechen. „Black & White Sunshine“ klingt nach klassischem Noel, produktionsmäßig etwas psychedelischer angelegt, aber auch wieder im uptempo-Bereich.

Darauf folgt die erste echte instrumentale Nummer des Albums in Form von „Interlude (Wednesday Part 1)“, ein Track der nicht weh tut, aber auch etwas egal ist. Das folgende „If Love Is The Law“ ist wieder schneller und vor allem mit einer Menge Phil Spector-Feeling im Rhythmus angelegt, allerdings würde man sich wünschen David Holmes hätte den Leadgesang klarer herausgestellt. Der quasi Titelsong „The Man Who Built The Moon“ ist dann wieder klassischer Gallagher im midtempo-Rhythmus, aber das muss ja auch mal sein und passt hier auch prima rein. Die LP endet dann mit dem finalen „End Credits (Wednesday Part 2)“, einer eher unscheinbaren Nummer. Auf CD und auch auf dem Download, der der LP beiliegt, ist noch ein weiterer Track enthalten, der offensichtlich nicht aus der eigentlichen Albumproduktion stammt, sondern in einem Radiostudio in Dubin live aufgenommen wurde. Der Song heißt „Dead In The Water“ und ist nur von akustischer Gitarre und Piano begleitet, ein fragiler stimmungsvoller Song, ganz anders als der Rest der Platte und doch ein schöner Bonus.

„Who Built The Moon“ ist kein Meisterwerk, aber ein sehr erfrischendes Zeichen, dass Noel Gallagher durchaus offen dafür ist sich noch mal neuen Herausforderungen zu stellen und Wagnisse einzugehen. Und das ist für einen 50-jährigen etablierten Rockstar ein gutes Zeichen. Freuen wir uns auf die Konzerte und auf das, was noch kommen wird!

Bewertung: 5 von 6

VÖ: 24.11.2017

noelgallagher.com

Tracklist:

1. Fort Knox
2. Holy Mountain
3. Keep On Reaching
4. It’s A Beautiful World
5. She Taught Me How To Fly
6. Be Careful What You Wish For
7. Black & White Sunshine
8. Interlude (Wednesday Part 1)
9. If Love Is The Law
10. The Man Who Built The Moon
11. End Credits (Wednesday Part 2)
12. Dead In The Water (Live at RTE 2FM Studios,Dublin – Bonustrack CD/Download)

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