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OKTA LOGUE – Runway Markings

22 Juli 2019 No Comment
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„Wir ziehen uns dann mal im neuen Jahr zurück und feilen an der nächsten Platte“, meinte Bassist und Sänger Benno Herz Ende 2016 beim letzten Gig der „Diamonds & Despair“ Tournee vor einem enthusiastischen Heimpublikum in der Darmstädter Centralstation.

Aus diesen Sessions in den bandeigenen Studios in Darmstadt/Griesheim blieb dann nur der Vorabtrack „Chocolate & Soda“ übrig, bevor man von Johann Scheerer und dem Label Clouds Hill unter die Fittiche genommen wurde, um 2018 in Berlin „Runway Makings“ aufzunehmen.

Bereits der Opener „Yesterday’s Ghosts“ mutet im fünfzigsten Jahr der Mondlandung wie ein Soundtrack zur Reise der Apollo11 Kapsel an. Eine spieluhratige, leicht windschiefe Klaviermelodie und Bennos wehmütiger Gesang schicken Grüße aus der Mondumlaufbahn.

Die Musik von Okta Logue malte schon immer starke Bilder. Die sphärischen Keyboards, die dominante Gitarre von Philip Meloi und die milde Psychedelika, werden hier, wie auch schon beim Vorgänger, ihrer Formvollendung zugeführt.

„River Street“ und „Julie“ sind poppiger und eingängiger denn je, was sicher auch dem Einfluss von „Neuzugang“ Max Schneider an den Tasten zuzuschreiben ist. Der Titelsong klingt relaxt, anachronistisch und sphärisch zugleich. Das alles passt zum Motto der Platte und den Vintage Coverphotos der bemannten Luftfahrt. Melois Gitarre verlässt beim langsam kumulierenden Song tatsächlich die „Fahrbahnmarkierungen“ um abzuheben.

„Part Of The Show“ hat mit seinen wuchtigen Chords, Robert Herz mächtigen Schlagzeug-Akzenten und dem starken Refrain rauschartige Durchschlagskraft. Auch wenn die Band natürlich keine reine Retro-Act sein möchte, ist es doch faszinierend zu hören, dass ein Song wie dieser, der den Geist von Eloy oder Mythos circa 1978/79 atmet, in die heutige Zeit transferiert werden kann.

„In Every Stream Home A Heartache“ als Anspielung an Roxy Musics „In Every Dream Home A Heartache” drängt mit Gitarren und Tasten funky auf den Dancefloor. Hier ist zu sehen wie gut sich Benno Herz als Sänger entwickelt und die englischen Texte authentisch widergibt.

„Chocolate & Soda“, das Überbleibsel aus den 2017er Sessions, zeigt nochmal, dass die späten Pink Floyd der 70s und 80s einen großen Einfluss auf Okta Logue hatten. Manchmal wünscht man sich Gilmour & Co hätte solche tollen „Long Songs“ auf ihre beiden letzten Platten packen können. Gigantisch!

„The Wheel“ strahlt hell und optimistisch. Es klingt mit seinem Saxofon fast nach Springsteen in seiner „Born To Run“ Phase und zeigt neue Aspekte in der Musik der Darmstädter. „Signals & Signs“ ist dann ein akustisches Intermezzo bevor „Out Of Gas“ tiefenentspannt und „Dreamy“ diese vierte Studioplatte von Okta Logue ausklingen lässt.

Nach etlichen Läufen bekommt die Scheibe gar nicht mehr vom Plattenspieler und freut sich auf die anstehenden Konzerte im Herbst. Okta Logue sind mehr denn je eine der besten deutschen Indie-Rockbands, auf die sich sowohl Retropuristen als auch Pophörer einigen können.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 31.05.2019
Label: Clouds Hill
Web: www.oktalogue.com
Format: Vinyl / Download / CD

Tracklist:
1. Yesterday’s Ghosts

2. Devil’s Dance
3. River Street
4. Runway Markings
5. Part of the Show
6. In Every Stream Home a Heartache
7. Interlude
8. Chocolate and Soda
9. The Wheel
10. Julie
11. Signals and Signs

12. Out of Gas

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