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ØYA FESTIVAL 2012, Oslo, Middelalderparken

16 August 2012 No Comment
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Das ØYA FESTIVAL 2012 rangiert als größtes Open-Air Norwegens mit 80.000 Besuchern, 2.000 freiwilligen Helfern und über 200 Acts auf vier Bühnen und in zahlreichen Clubs in der ersten Liga europäischer Festivals! Vor vier Jahren noch waren es an einem Tag nur eintausend Zuschauer.

Allein die diesjährigen Headliner THE STONE ROSES, BJÖRK, THE BLACK KEYS oder BON IVER ließen schon vorab auf eine besonders delikate Woche in Oslo vermuten. Doch wir wurden eines noch besseren belehrt: Allein das ultra-atmosphärische Ambiente des in unmittelbarer Stadtzentrum-Nähe gelegenen Mittelalter-Ruinenparks mit Meerzugang und grüner Seelandschaft ließ die sonnige Faszination auf ein Maximum steigen.

Wir durften dankenswerterweise dem internationalen Presseprogramm angehören und bekamen jeden Tag exklusive Angebote wie das Black Metal Sightseeing, BBQs am Fjord und Surprise-Konzerte norwegischer Shootingstars geboten. So startete das Festival bereits am Dienstagabend mit der Clubnacht KLUBBØYA in fast 20 Locations mit 30 lokalen Acts. Am meisten hat uns dabei die Band POW POW im Parkteateret in den Bann gezogen, die Kraftwerk in die Neuzeit rockte. Eher kurios dagegen, CAPTAIN CREDIBLE im wunderschönen Baum-Biergarten Dattera til hagen, der eine Art Skrillex meets Super Mario auf Acid vorzappelte.

ØYA FESTIVAL 2012 Video-Impressionen

 

Am Mittwoch eröffnete YELAWOLF aus Alabama mit einem ansteckenden Mix aus Eminem und Hardcore Vibes, bevor die drängende FLORENCE & THE MACHINE auf der Enga Stage und die bezaubernde FEIST auf der Sjøsiden Stage volle Frauenpower versprühten. Headliner des ersten Abends waren die Madchester-Ikonen THE STONE ROSES, die im Vergleich zu vorherigen Auftritten ihrer Reuniontour immer besser werden. Sänger Ian Brown formte am Ende ihres Glanz-Auftritts zum 10min-Epos „I Am The Resurrection“ die Setlists zu Papierfliegern und warf sie mit seinen Schellenstangen ins jubelnde Publikum.

Einige wenige vom Oldschool-Baggy Faszinierte pilgerten von der völlig überfüllten Mainstage zur zweiten Bühne und der Sängerin SUSANNE SUNDFØR, die gleichermaßen gefeiert worden sein soll. Um Punkt 23 Uhr wurden dann zuerst die Bierhähne zugedreht und bald auch die Musik runtergefahren. Die bunt beleuchtete Metropole am anderen Ende des funkelenden Wassers lockte die jungen und wunderschönen Menschen jeden Abend aber noch auf etliche Clubkonzerte in die sehr sympathische Stadt. Allerdings nur bis Punkt 3 Uhr. Absolute Nachtruhe und totalitäres Alkoholverbot!

Das ziemlich heterogene Lineup bot spannende Erkundungsmöglichkeiten vom Rap bei A$AP ROCKY mit armewippenden „Make Some Noize“-Kraftausdrücken, über den Deep-House-Popper NICOLAS JAAR, den UK-Bass-Futuristen SBTRKT, Prog-Metal von BARONESS oder den norwegischen Schwarzmetallern NEKROMANTHEON. Die große R’n’B-Hoffnung FRANK OCEAN musste nach nur 10 Minuten auf der Mainstage namens Enga leider sein Konzert abbrechen, was gar nicht gut ankam und für die einzige Misstimmung in einer Woche führte. Sein ehemalige Band ODD FUTURE lieferte am folgenden Samstag dann aber die Entschädigung für alle Root-HipHop-Fans, Salto-Stagejumps mit Anlauf inklusive.

Bei BJÖRK wurde der einzige Regen der Festivalwoche leider etwas stärker, aber das schreckte die Nordmenschen nicht davon ab ihr Glück zu genießen. BJÖRK im Gummi-Dickdarm-Kostüm fand die vielen Regelmäntel auch ganz bezaubernd, wie sie mit extrem rollenden R erklärte. Nach jedem Song bedankte sich die freakige Isländerin mit einem dreifachdonnerndern „tak! Tak! Tak!“. Mit zwanzigstimmigen Frauenchor und Videoanimationen von Natur-Satellitenbildern insgesamt ein eher künstlerisch wertvolles denn musikalisch mitreißendes Spektakel.

ØYA FESTIVAL 2012 Fotogalerie

 

ØYA FESTIVAL 2012

Auch die Schweden von REFUSED haben sich wieder zusammengetan und schmetterten einem wie in alten Tagen von der Tarantel gebissen ihren gefälligen Hardcore-Punk um die Ohren. Als ihr Partykracher „New Noise“ gegen Ende ertönte, gab es kein Halten mehr, die Nebelfontänen schossen in den Himmel und die „No Crowdsurfing“-Schilder wurden von umherfliegenden Beinen verdeckt. Mit einer gehörigen Portion Garagerock und einem Hit-an-Hit-Gelage spielte sich Das US-Duo THE BLACK KEYS anschließend zu den unangefochtenen Festivallieblingen auf. Geballte Blues-Power, melodische Mitsing-Refrains, bierselige Samstagabend-Stimmung und schon wieder dieses Gefühl zur richtigen Zeit am besten Ort zu sein.

Mit CHARLES BRADLEY erlebte das ØYA einen vor Soul und Love nur so strotzenden Auftritt eines 65-Jährigen, der verrückterweise erst ein Album veröffentlicht hat, aber so saucool und groovy zurecht als „the screaming eagle of soul, the one and only black swan“ angekündigt und gefeiert wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte man so viel Sonne, skandinavische Lebensfreude, 10€-Biere und herzliche Gespräche erlebt, dass man sich fragen musste, ob das ØYA nicht wirklich das schönste Festival ist, auf dem der Schreiber dieser trunkenen Zeilen je war. Als dann BON IVER mit abschließende Feuerwerk in die letzte Nacht schwelgte, war die Antwort glasklar: Oh JA!

oyafestivalen.com
facebook.com/oyafestival

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