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PAUL McCARTNEY – Pipes Of Peace

9 Oktober 2015 No Comment
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Paul McCartneyDie 80er Jahre waren für PAUL McCARTNEY (wie bereits im Review zum ebenfalls neu aufgelegten Vorgänger „Tug Of War“ beschrieben) nicht gerade seine kreative Hochzeit. Anteil daran hatte zum einen sicherlich der Sound der Zeit, der einfach nicht besonders gut zu McCARTNEYs Art Musik zu machen passte, zum anderen gelangen ihm aber auch wenig wirklich interessante Kompositionen. Auch das ebenfalls hübsch aufpolierte „Pipes Of Peace“ platzt nicht gerade vor herausragenden Songs – schlägt sich in der Rückschau aber nicht so schlecht wie vielleicht erwartet.

Die Frage ist natürlich – wie nähert man sich einer solchen Platte? Ist man BEATLES Fan und sucht in McCARTNEYs Solo Werk nach ähnlich genialen Momenten oder akzeptiert man die Platte für das was sie ist? Nämlich ein streckenweise recht typisches Werk der 80er, das eben von einem gewissen PAUL McCARTNEY veröffentlicht wurde. Fair wäre natürlich irgendwo Variante Nummer zwei, doch wenn man ehrlich ist, dann dürften diese Leute drastisch in der Unterzahl sein. Wer ist schon Fan des Ex-BEATLES aufgrund seiner Werke dieser Zeit? So muss sich letztendlich eben doch jede seiner Platten, so unfair das vielleicht erscheinen mag, an seinen eigenen Großtaten messen.

Natürlich hält „Pipes Of Peace“ diesen Vergleichen nicht stand. Auch wenn das Titelstück zuerst einmal den Anschein erweckt eine schön BEATLE-esk-barocke Nummer zu sein. Die verwandelt sich dann zwar auch recht schnell in ein glattes Stück Pop, ist aber trotzdem ein feiner Einstieg. Das anschließende Hit-Duett mit MICHAEL JACKSON „Say Say Say“ legt noch mal eine Schippe drauf und fast ist man drauf und dran zu denken, man hat hier einen unter Wert gehandelten spät-Höhepunkt vor sich. Leider geht es in dieser Form nicht weiter. So gibt es auf Pipes Of Peace zu viele belangloses Zeug wie „The Other Me“, „So Bad“ oder die fade zweite JACKSON Kollaboration „The Man“ – allesamt noch in einfallslose Arrangements und die stets flache 80er Jahre Produktion gekleidet.

Die besten Momente der Platte sind tatsächlich die retroesken. „Sweetest Little Show“ bietet flotten akustik Uptempo-Pop, während „Average Person“ und „Keep Under Cover“ mit etwas geschmackvollerer Produktion fast für frühe WINGS oder späte BEATLES Werke durchgehen könnten – auch wenn McCARTNEY sich wohl nicht getraut hätte JOHN LENNON Zeilen wie „What good is butter if you haven’t got bread?“ oder „What good is tennis if you haven’t got a ball?“ vorzulegen. Gegen Ende der Platte wird es dann leider noch mal fast ärgerlich. Das ultra stumpfe „Hey Hey“ und der lahme Aufguss „Tug Of Peace“ taugen eigentlich noch nicht mal als B-Seiten und mit „Through Our Love“ endet die Platte leider auch nicht gerade auf einem Höhepunkt.

Schön, dass es hier noch ein paar feine Zugaben auf CD 2 gibt. Gerade die Demos der drei Key-Tracks „Average Person“, „Keep Under Cover“ und „Sweetest Little Show“ lassen durch die entschlackten Arrangements genug Platz für die eigene Vorstellung. Der Remix von „Say Say Say“ kann dem Original dafür keine wirklich neuen Facetten abgewinnen und „Ode To A Koala Bear“ ist auch nicht gerade erste Liga. Für Komplettisten ist die Neuauflage von „Pipes Of Peace“ eine nette Sammlungs-Ergänzung mit ein paar schönen Songs. Neueinsteiger sollten natürlich unbedingt woanders anfangen – aber das ist ja eigentlich sowieso klar.

Bewertung: 3,5/6
Label:
Concord (Universal)
VÖ: 02.10.2015
concordmusicgroup.com

Trackliste:

CD 1:

01. Pipes Of Peace
02. Say Say Say
03. The Other Me
04. Keep Under Cover
05. So Bad
06. The Man
07. Sweetest Little Show
08. Average Person
09. Hey Hey
10. Tug Of Peace
11. Through Our Love
CD 2:
01. Average Person (Demo)
02. Keep Under Cover (Demo)
03. Sweetest Little Show (Demo)
04. It’s Not On (Demo)
05. Simple As That (Demo)
06. Say Say Say (2015 Remix)
07. Ode To A Koala Bear
08. Twice In A Lifetime
09. Christian Bop
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