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PAUL McCARTNEY – Tug Of War

6 Oktober 2015 No Comment
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PAUL McCARTNEY Tug Of War Albumcover

Die 80er Jahre gelten musikalisch ja nicht gerade als das stärkste Jahrzehnt seit Erfindung der Popmusik. Durch diverse Revival-Versuche ist die viel geschmähte Dekade zwar mittlerweile wieder ein wenig rehabilitiert, doch können keine noch so schicken Neo-Retro-Bands vergessen machen, dass eben auch viel grotesker Müll produziert wurde. Und die damalige Soundästhetik ist mindestens mal gewöhnungsbedürftig für Musikhörer, denen zumindest ein bisschen an einer gewissen Art von Authentizität liegt.

Gerade Musiker, die den 60er und frühen 70er Jahren entsprungen sind, fiel es besonders schwer sich auf das neue Jahrzehnt einzulassen. Oft geprägt von einem immer noch vorhandenen Willen modern und Chart-tauglich zu klingen, verlief sich so mancher alter Recke heillos in einem glitzernden Haufen Produktions-Quatsch, der heute primär dämlich klingt. Auch Ex-BEATLE PAUL McCARTNEY war davor nicht gefeit. Direkt zu Beginn des Jahrzehnts sorgte er mit „McCARTNEY II“, das nach dem Ende seiner Post-BEATLES Band WINGS die Rückkehr zur Solo-Karriere einläutete, für einen mindestens mal gewöhnungsbedürftigen Start.

Das zweite nun mit hübschem Beiwerk neu aufgelegte Album der 80er kam da doch Gott sei Dank weitaus konventioneller daher. Zusammen mit BEATLES Produzent George Martin aufgenommen, ist „Tug Of War“ wohl McCARTNEYs beste Platte der 80er und gar nicht mal so weit von der Qualität der mittleren WINGS Platten entfernt. So schafften die beiden einen Sound, der weitestgehend ohne Synthie-Overkill und Fake Drum Alarm auskommt und sogar Platz für ein paar hübsche Retroesken lässt. So grub er den 50s Rockabilly Pionier CARL PERKINS aus, mit dem er das beknackte „Get It“ aufnahm und frönte auf „Ballroom Dancing“ leichtgewichtigem Rock’n’Roll. Vielleicht nicht die stärksten Momente der Platte, aber in ihrer Naivität trotzdem willkommenes Zierwerk.

Einer der wichtigsten Songs ist wohl das noch heute oft live gespielte „Here Today“ – PAUL McCARTNEYs Ode an seinen ermordeten Freund und ehemaligen musikalischen Partner JOHN LENNON. „Take It Away“ war die poppige Uptempo Single mit RINGO STARR am Schlagzeug und beim pseudo-politischen Schmachtfetzen „Ebony And Ivory“ duettierte er mit STEVIE WONDER. „Dress Me Up As A Robber“ kommt zackiger daher, während „Wanderlust“ im traditionell Piano-Gewand steckt. So auf ganzer Strecke fehlen „Tug Of War“ allerdings genug wirklich packende Songs, um in der ersten Liga mitzuspielen.

Die Neu-Auflage des 1982ers-Releases wurde nun nicht lediglich remastert, sondern kommt auch mit einem frischen Mix daher, der entschlackter klingt als der originale und dem Album wirklich gut tut. Auch die Zugaben sind feines Beiwerk – zahlreiche Demo-Versionen, B-Seiten und Unveröffentlichtes runden das 2 CD Set von PAUL McCARTNEYs „Tug Of War“ ab. Hier kann noch mal bedenkenlos zugeschlagen werden, wenn man das essenzielle Solo- und WINGS-Werk bereits im Schrank stehen hat.

PAUL McCARTNEY „Tug Of War“ (1982)

Bewertung: 4/6
Label:
Concord (Universal)
VÖ: 02.10.2015
concordmusicgroup.com

Trackliste
CD 1

  1. Tug Of War (Remixed 2015)
  2. Take It Away (Remixed 2015)
  3. Somebody Who Cares (Remixed 2015)
  4. What’s That You’re Doing? (Remixed 2015)
  5. Here Today (Remixed 2015)
  6. Ballroom Dancing (Remixed 2015)
  7. The Pound Is Sinking (Remixed 2015)
  8. Wanderlust (Remixed 2015)
  9. Get It (Remixed 2015)
  10. Be What You See (Link) (Remixed 2015)
  11. Dress Me Up As A Robber (Remixed 2015)
  12. Ebony And Ivory (Remixed 2015)

CD 2

  1. Stop, You Don’t Know Where She Came From (Demo / Remastered 2015)
  2. Wanderlust (Demo / Remastered 2015)
  3. Ballroom Dancing (Demo / Remastered 2015)
  4. Take It Away (Demo / Remastered 2015)
  5. The Pound Is Sinking (Demo / Remastered 2015)
  6. Something That Didn’t Happen (Demo / Remastered 2015)
  7. Ebony And Ivory (Demo / Remastered 2015)
  8. Dress Me Up As A Robber / Robber Riff (Demo / Remastered 2015)
  9. Ebony And Ivory (Solo Version / Remastered 2015)
  10. Rainclouds (Remastered 2015)
  11. I’ll Give You A Ring (Remastered 2015)
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