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PAUL WELLER – A Kind Revolution

12 Mai 2017 No Comment
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He’s the man. Viele nennen ihn den „Modfather“, weil es halt ein cooles Label ist und ihnen sonst nichts besseres einfällt. Die wenigsten, die diese Phrase bemühen, wissen wie sehr sich Paul Weller diesen Titel verdient hat, wie verdammt konsequent er seine persönliche Weiterentwicklung als Künstler, als Modernist, wofür „Mod“ steht, betreibt und somit eine Idee aus den 1960s in das Heute überführt. Sein Interview aus dem Jahr 1991, als er seine Solokarriere begann, in dem er sagt, dass er immer ein Mod sein wird („You can bury me a mod“) spricht da Bände und formuliert ein Manifest, das immer noch sein persönlicher Masterplan ist.

In den Neunzigern brauchte er eine Ära der Erdung mit seinen Wurzeln nachdem er sich in den Achtzigern mit seiner zweiten Band The Style Council schon einmal so weit vor gewagt hatte, dass ihm seine Fans nicht mehr folgen konnten. Aber spätestens mit seinem Doppelalbum „22 Dreams“ 2007 läutete er eine Phase ein, in der er auch musikalisch wieder verstärkt neue Wege ging und versuchte seinen Sound in viele Bereiche zu erweitern. Dass dabei die Gefahr des Scheiterns besteht, nahm er in Kauf. Er scheiterte durchaus in einigen Momenten. Aber er schuf sich auch Freiheiten, die ihn kreativ beflügelten und dann zu erstaunlichen Ergebnissen führten.

Sein letztes Album (wenn man den just erschienenen Soundtrack zu dem Film „Jawbone“ nicht in Betracht zieht) „Saturns Pattern“ von 2015 war bislang der Höhepunkt dieser Entwicklung und jetzt kommt “ A Kind Revolution“ und setzt noch einen oben drauf. Der Opener „Woo Sé Mama“ ist jetzt nicht so weit von „Peacock Suit“ entfernt, so dass der Fan des Solo-Frühwerks hier viel besser ins Album kommt als bei dem seltsam fremden „White Sky“, das „Saturns Pattern“ eröffnete. „Nova“ korrespondiert mit „I’m Where I Should Be“ des Vorgängers, sprich es hat Momente, die auch schon auf „Sound Affects“ greifbar waren, geht aber dann auch in andere Postpunk-Richtungen und erinnert an den Bowie aus der Berlin-Triologie.

„Long Long Road“ ist dann klassischer Weller, eine wunderbare Soulballade mit allem was sie haben muss: E-Piano, Streicher und diese Stimme, die noch immer berührt. Großes Kino. Sehr viel spannender wird der folgende Track: “ She Moves With The Fayre“ – von der Anlage her ein James Brown-Groove, der von Drums, Bass und Gitarre getragen wird. Schön versponnen, wie der andere Godfather es auch gern gemacht hat. Nur kommt hier dann als wunderbar eingebauter Kontrapunkt dann die Bridge, die Robert Wyatt singt und unmittelbar danach ein Trompetensolo von ihm. Besser kann man die späten 60s mit der Jetztzeit nicht in einem Groove vereinen.

„The Cranes Are Back“ ist wieder eine Nummer für die Sorte Weller-Fans, die den neuen Wegen, die er seit 10 Jahren wieder geht, skeptisch gegenüber stehen. Diese Nummer hätte auch auf „Stanley Road“ erscheinen können und sie ist toll, insbesondere die Bridge, bzw. das Outro funktioniert wahnsinnig gut. „Hopper“ nimmt seine Inspiration aus dem berühmten Bild „Nighthawks“ und zieht das Album nach New York, wo auch der folgende Song beheimatet ist. Beides sind absolut überzeugende Tracks, die mit Wellers unerfüllter Inspiration mal in den USA ein Album zu produzieren, korrespondieren.

„One Tear“ hat dann den nächsten prominenten Gast – Boy George – den man, wenn man den Vergleich mit den Culture Club-Hits der 80s sucht, stimmlich kaum wieder erkennt. Mit tiefer, aber nicht minder souligen, Stimme singt er die ersten Zeilen bevor Weller den Song übernimmt und souverän nach Hause holt. „Satellite Kid“ mit dem 21-jährigen Leadgitarrist von The Strypes, Josh McClorey, ist dann ein weiterer Höhepunkt, bevor „The Impossible Idea“ das Album zu einem überzeugenden Ende führt.

Paul Weller haut zum 40sten Jubiläum seines Debüts „In The City“ nicht nur ein Album raus, das dieses bei weitem übertrifft, sondern legt auch seinen Zeitgenossen aus der „Class of 1977“ die Latte entsprechend hoch. Hear this, Elvis Costello!

Bewertung: 6 von 6
VÖ: 12.05.2017
Label: Parlophone/Warner
www.paulweller.com

Tracklist:
1. Woo Sé Mama
2. Nova
3. Long Long Road
4. She Moves With The Fayre
5. The Cranes Are Back
6. Hopper
7. New York
8. One Tear
9. Satellite Kid
10.The Impossible Idea

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