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PINK FLOYD – A Momentary Lapse Of Reason (Vinyl Reissue)

18 Januar 2017 No Comment
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Der Produktion  von „A Momentary Lapse Of Reason“ ging eine vertrackte Situation voraus: Roger Waters, der die Band PINK FLOYD nach dem Album „Wish You Were Here“ zunehmend als Mastermind dominiert hatte, zuerst „Animals“ massiv prägte, dann sich selbst mit „The Wall“ ein Denkmal setzte und zuletzt gar „The Final Cut“ wie ein Soloalbum produzierte, hatte 1985 seinen Ausstieg und damit auch das Ende der Band erklärt. Zu diesem Zeitpunkt waren lediglich Dave Gilmour und Nick Mason noch Mitglieder, denn Keyboarder Richard Wright war bereits zu „The Wall“-Zeiten von Waters aus der Band geworfen worden. Gilmour war zwar in den Jahren von 1969 – 1975 der hauptsächliche Leadsänger von Pink Floyd und mit seinen stilbildenden Sologitarrenpassagen auch der herausragende Instrumentalist der Band, aber er war einfach kein Songwriter, so wie Waters und zuvor Syd Barrett es gewesen waren.

Nichtsdestotrotz hatte Gilmour schon eine gelungene und eine mäßige Soloplatte zustande gebracht und konnte Produzenten Bob Ezrin, der auch bei „The Wall“ mit an Bord war, für sein Projekt gewinnen, eine neue Pink Floyd-Platte aufzunehmen, die sich wieder an dem Stil orientierte, der die Band vor Waters‘ Dominanz ausgemacht hatte. Mason war hochmotiviert, aber außer Übung und so spielten dann Carmine Appice und Jim Keltner auf den meisten Drumtracks. Während der Produktion wurde dann auch Richard Wright wieder aktiviert, auch er ist jedoch nur auf wenigen Tracks zu hören, da die meisten Keyboards zu diesem Zeitpunkt bereits aufgenommen waren.

So entstand das Gegenstück zu dem Vorgänger „The Final Cut“, auf dem Waters bewusst versuchte unter dem Namen Pink Floyd das Album wie ein Soloalbum klingen zu lassen: Bei „A Momentary Lapse Of Reason“ gab sich Gilmour Mühe eine Platte, die im Grunde genommen ein Solowerk war, wie ein Pink Floyd-Album klingen zu lassen. Beide Platten, die jetzt zugleich als LP wieder veröffentlicht werden, wirken wie Antipoden, deren Gegensätze kaum größer sein könnten, obwohl sie in Folge zueinander unter dem gleichen Bandnamen erschienen.

Die Entscheidung, die Platte zeitgemäß zu produzieren, war in den Jahren 1986/87, den wohl schlimmsten Jahren für Rockproduktionen, natürlich ein Faktor, der aus heutiger Perspektive dem Album Minuspunkte in der Kategorie „gut gealtert“ einbringt. Vergleicht man die Platte mit „The Final Cut“, so stellt man ohne Frage fest, dass Gilmours Stimme auf Albumlänge sehr viel angenehmer daherkommt als die von Waters. Auch die Tatsache, dass auf „A Momentary Lapse Of Reason“ viele instrumentale Passagen enthalten sind, während der Vorgänger gefühlt nur aus Strophen mit Text bestand, bringt es näher an das, was man mit Pink Floyd verbindet.

Natürlich fehlt da das große Thema, das Waters auf den Alben seit „Dark Side Of The Moon“ textlich immer verankert hat. Natürlich fehlt das Quäntchen Genius und bricht stattdessen das bemühte Muckertum an einigen Stellen durch. Aber es ist trotzdem Muckertum-de-luxe und das Reissue auf Vinyl bringt mit seinen zwei Seiten und dem deutlich wärmeren Sound als auf der 2011er CD über weite Strecken ein Hörvergnügen, dass bei Floyd-Fans einfach an den entsprechenden Adduktoren ansetzt und zu einem Wohlgefühl beiträgt. Im Gegensatz zu der Original-LP sind hier übrigens die ersten beiden Tracks auf Seite B als zwei separate Tracks ausgewiesen.

Es ist kein echter Über-Song auf der Platte, aber mit The Dogs Of War, On The Turning Away, Sorrow oder der Leadsingle Learning To Fly durchaus Material, das sich auch live in den Post-Waters Jahren gut gehalten hat. Genauso wie der Vorgänger ist diese Platte jedoch unausgewogen und taucht zurecht immer auf den letzten Plätzen von Pink Floyd-Rankings auf. Sie konnten es eigentlich besser. Und bei der nächsten Platte konnten sie es noch einmal unter Beweis stellen!

Bewertung: 3 von 6
VÖ: 20.01.2017
pinkfloyd.com

Tracklist:
A1. Signs Of Life
A2. Learning To Fly
A3. The Dogs Of War
A4. One Slip
A5. On The Turning Away

B1. Yet Another Movie
B2. Round And Around
B3. A New Machine (Part 1)
B4. Terminal Frost
B5. A New Machine (Part 2)
B6. Sorrow

Jan Woelfer
Jan Woelfer

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