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PINK FLOYD – A Saucerful Of Secrets (Vinyl-Reissue)

4 Juni 2016 No Comment
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Es war eine verfahrene Situation: Der Sänger und primäre Songwriter von PINK FLOYD war durch intensiven Drogenkonsum in eine eigene innere Welt abgedriftet, in die ihm keiner folgen und aus der er auch nicht mehr verlässlich in Verbindung der Außenwelt treten konnte. Der Erfolg seiner Band basierte zwar einerseits auf einer innovativen, psychedelischen, Licht und Ton auf bislang ungeahnte Weise verbindenden Liveperformance, die die vier Musiker gemeinsam erzeugten. Für ihre Platten war jedoch der andere Aspekt, die Songs aus der Feder von Syd Barrett, die essentielle Grundlage. Als einziger Songwriter neben Barrett war bis dahin lediglich Bassist Roger Waters in Erscheinung getreten, der auf dem Debüt „The Piper At The Gates Of Dawn“ auch einen Song beisteuerte. Zwar schuf Barrett noch weiter Songfragmente, nur war die gemeinsame Arbeit an dem Material beinahe unmöglich geworden, weil er den gleichen Song nie zweimal auf die gleiche Weise spielen würde und immer wieder mittendrin abbrach. So begannen sie an ihrer zweiten LP zu arbeiten, die „A Saucerful Of Secrets“ heißen würde.

Das Jahr war 1967, Swinging London blühte auf, in Marin County und Monterey erlebte die junge Hippiekultur ihre ersten großen Festivals – die ganze Bewegung war noch unschuldig, es war noch keiner der neuen Helden gestorben und keiner hatte Erfahrungen, welche Auswirkungen LSD-Konsum auf manche Psychen haben würde. Insofern fanden sich Waters, Richard Wright und Nick Mason mit einer Situation konfrontiert, die sie nicht einschätzen konnten, während gleichzeitig das gnadenlose Pop-Business neue Platten verlangte. Auch Wright begann Songs zu schreiben und als Leadsänger zu fungieren. Zu Beginn der Aufnahmen zu der Platte waren Wrights „Remember A Day“, das bereits bei den Aufnahmen zu dem Vorgänger angegangen wurde, Water’s „Set The Controls To The Heart Of The Sun“ sowie Barretts „Jugband Blues“ die Songs, die sie noch in ihrer alten Besetzung einspielten, wobei Barrett lediglich auf seinem eigenen Song die Leadvocals übernahm.

Im Verlauf der kommenden Monate wurde dann der neu in die Band geholte Freund Barretts, Dave Gilmour, zur Stütze, weil Barrett de facto nicht mehr in der Lage war mit der Gruppe gemeinsam zu musizieren. In dieser Phase entstand das instrumentale, die zweite Seite der LP dominierende, Titelstück als ein gemeinschaftliches Werk, das anzeigte, in welche Richtung PINK FLOYD sich in den unmittelbar folgenden Jahren entwickeln würde. Viele verschiedene Passagen, von den einzelnen Mitgliedern entworfen, wurden in ein loses und doch strukturiertes Arrangement gebracht, das live Räume zur freien Entfaltung bot. Auf Songs wie „Corporal Clegg“, „See Saw“ oder dem Opener „Let There Be More Light“ versuchte Gilmour, vom Stil her ein ganz anderer Gitarrist als Barrett, sich in den Stil der Band einzufügen. Wenig bis gar nichts ist von dem zu hören, was einige Jahre später sein Gitarrenspiel zu einem ganz eigenständigen Markenzeichen der Band machen sollte. Stattdessen versuchte er Barrett zu imitieren, etwas, das er auch schon für die Liveperformance der Songs aus der Zeit vor seinem Einstieg leisten musste – und auch dabei durchaus erfolgreich war. „He could do Syd better than Syd“ sagte der damalige Manager der Band, Peter Jenner.

Trotzdem wurde an allen Ecken der LP deutlich, dass hier eine Band im Umbruch war, die sich noch nicht wieder so recht gefunden hatte und an die Qualität der ersten Singles oder der Debüt-LP nicht anschließen konnte. Das vorliegende LP-Reissue ist ähnlich wie bei der neuen Ausgabe der Pipers-LP sehr authentisch gemastert und bietet dem Hörer auch eine andere Wahrnehmung als auf einer CD. Die erste LP-Seite nimmt noch viele Aspekte des Vorgängers auf und deutet lediglich mit dem wohl besten Song „Set The Controls To The Heart Of The Sun“ die weitere Entwicklung der Band an. Die zweite Seite ermöglicht dann einen frischen Einstieg in das auf LP besser platzierte Titelstück, lässt danach „See Saw“ scheinen und bietet dann mit Barretts Abschiedsgruß „Jugband Blues“ noch einmal einen Blick zurück. PINK FLOYD sollten noch einige Alben brauchen bis sie zu dem werden sollten, was man heute mit ihnen verbindet. Syd Barrett wurde teils von der Plattenfirma, teils von seinem alten Freund Dave Gilmour noch einige Male motiviert etwas aufzunehmen, was dann in die beiden Soloalben, die nach seinem Aussteig bei Floyd erschienen, aufging – nach 1974 gab es jedoch keinen Versuch mehr ihn als Künstler zu produzieren. Er lebte im Kreise seiner Familie, malte einige Bilder und verstarb schließlich 2006.

PINK FLOYD – A Saucerful Of Secrets (Vinyl-Reissue)

Bewertung: 4 von 6
Band: www.pinkfloyd.com

Tracklist:
A1 Let There Be More Light
A2 Remember A Day
A3 Set The Controls For The Heart Of The Sun
A4 Corporal Clegg
B1 A Saucerful Of Secrets
B2 See-Saw
B3 Jugband Blues

Jan Woelfer
Jan Woelfer

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