Home » Reviews, Tonträger

PINK FLOYD – Atom Heart Mother (Vinyl-Reissue)

26 September 2016 No Comment
Share

atomheartmother

Deep Purple hatten es Ende 1969 vorgemacht: Die Verbindung von klassischem Orchester und einer Rockband. Als nun PINK FLOYD Anfang 1970 an einer längeren instrumentalen Passage arbeiteten, die das Kernstück ihren kommenden LP „Atom Heart Mother“ werden sollte, kam irgendwann die Idee auf ebenfalls den Spagat zwischen Klassik und Progrock zu wagen. Roger Waters hatte bereits mit dem Experimentalmusiker und Arrangeur Ron Geesin gearbeitet und brachte ihn mit der Band zusammen um der Musik noch etwas zu geben, das ihr augenscheinlich noch fehlte.

Es waren zum Glück keine Streicher, die Geesin vorschwebten. Lediglich ein Cello arrangierte er und brachte stattdessen Bläser und einen klassischen Chor in den Vordergrund. Die Bläser sind in ihrer Wirkung eher erhaben als kitschig – ein Effekt, der durch das pathetische Singen des Chors aber noch mal verstärkt wird, so dass einige Passagen aus dem Titelstück, das die erste LP-Seite ausmacht, letztendlich doch zu einer Art von verzichtbarem Schmock geraten. Aber es gibt auch tolle Momente, zum Beispiel wenn Gilmour mit der Slideguitar bei „Breast Milky“ einsetzt oder „Funky Dung“, bei dem es groovig wird und auf dem Gilmour ein Solo spielt, das zumindest von Studiowerken her das erste Mal das einfängt, was man gemeinhin stilistisch mit ihm verbindet. Danach wird es wieder experimenteller und leider auch verworrener.

Die zweite LP-Seite hat vier weitere Tracks, bei denen die Idee von der zweiten „Ummagumma“-LP, das jedes Bandmitglied eine Komposition beisteuert, aufgegriffen wurde. Den Anfang macht Roger Waters mit seinem fragilen „If“. Von einer akustischen Gitarre getragen singt er Zeilen wie „If I were a swan I’d be gone, if I’d be a train I’d be late and if I were a good man I’d talk to you more often“. Harter Tobak, subtil in Musik gegossen, ein Song, der so auch auf „The Wall“ gepasst hätte. Es folgt „Summer ’68“ von Richard Wright, der letze von ihm komplett allein geschriebene und gesungene Song in der Pink Floyd-Historie. Es ist ein wunderbarer Song, bei dem auch noch mal die orchestralen Bläser für entscheidende Passagen zum Einsatz kommen. Hier kommen noch einmal die Geister der frühen Floyd aus den Jahren ’67/’68 hervor und feiern ein Fest.

David Gilmour, damals noch als alleiniger Songwriter selten in Erscheinung getreten, steuert „Fat Old Sun“ bei, ein- und ausgeläutet von einem Kirchenglocken-Sample, das er später auch noch für die Songs „High Hopes“ und „Louder Than Words“ verwendete. Nur er und Rick Wright waren an der Aufnahme beteiligt, Gilmour spielte neben den Gitarren auch Schlagzeug und Bass. So wie „Summer ’68“ ein Abschied von Wright als Songwriter war, stellte „Fat Old Sun“ einen kreativen Einstieg für Gilmour in die Band dar. Es fehlt noch Drummer Nick Mason und der hatte es als primärer Rhythmiker natürlich schwer als seine Instrumentalisten-Kollegen. Also wurde es wieder eine Art Song-Collage, bei der die Kollegen dann kompositorisch auch mitwirken durften bzw. mussten. Alles in allem ein sehr bemühtes Stück, nicht so verzweifelt bemüht wie auf der „Ummagumma“-Studio-LP, aber trotzdem nicht überzeugend. Die Mischung aus gesprochenem Wort und Klangcollagen mit einem Songwriter-Credit für Mason sollte 3 Jahre später als Opener für „The Dark Side Of The Moon“ noch ganz andere Früchte tragen!

Die Aufmachung des LP-Reissues ist ähnlich wie auch bei den ersten 4 LPs der Band, die unlängst veröffentlicht worden, sehr eng am Original – und damit anders als bei den CD-Reissues, die auf ein durchaus abweichendes Layout bei Cover und Booklet setzten. Die Vinyl-Qualität ist einwandfrei und letztendlich muss man das großartige Cover einfach im LP-Format haben. Klappt man das Gatefold-Cover auf und schaut auf die vier Rinder, die dort zu sehen sind, kann man glatt glauben, dass sie (von links nach rechts) Roger Waters, Nick Mason, David Gilmour und dann auf dem Frontcover Rick Wright darstellen sollen. Irgendwie passen die Gesichtszüge. Moooo.

PINK FLOYD – Atom Heart Mother (Vinyl-Reissue)

Bewertung:  4 von 6
VÖ: 23.09.2016
pinkfloyd.com

Tracklist:

A1. „Atom Heart Mother“
I. „Father’s Shout“
II. „Breast Milky“
III. „Mother Fore“
IV. „Funky Dung“
V. „Mind Your Throats Please“
VI. „Remergence“

B1. „If“
B2. „Summer ’68“
B3. „Fat Old Sun“
B4. „Alan’s Psychedelic Breakfast“
I. „Rise and Shine“
II. „Sunny Side Up“
III. „Morning Glory“

Share

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.