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PINK FLOYD – Delicate Sound Of Thunder (Vinyl Reissue)

20 November 2017 No Comment
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Mit „Delicate Sound Of Thunder“ bringen PINK FLOYD jetzt ihr erstes reines Livealbum („Ummagumma“ 1969 war ja ein Zwitter) aus dem Jahr 1988 erneut auf Doppel-LP heraus. Es waren durchaus schwierige Zeiten damals. Roger Waters hatte 1985 bekannt gegeben, dass er nicht mehr mit der Band zusammen arbeiten würde. Da er die letzten 3 Alben der Band als Songwriter dominiert hatte, ging er davon aus, dass die Band ohne ihn nicht existieren könne. Aber David Gilmour, zu diesem Zeitpunkt mit Nick Mason das letzte verbliebene Bandmitglied, und neben der Rolle als Leadgitarrist auch maßgebliche Leadsänger auf den meisten Alben nach Syd Barrets Exit, wollte die Band retten. Das 1987er Album „A Momentary Lapse of Reason“ war kein großer Wurf, die Tour in den Jahren 87-89 (und mit dem Knebworth-Gig 1990) allerdings ein massiver Erfolg – es waren knapp 200 Konzerte, die sie in dieser Zeit spielten und das Set war erstmals in der Geschichte der Band eins, das den Output mehrerer Dekaden umfasste und von „Meddle“ (1971) bis hin zu „A Momentary Lapse of Reason“ reichte.

Bis dahin hatten sich Pink Floyd-Konzerte immer nur um die aus wenigen Jahren bzw. Alben zuvor erschienenen Songs gedreht, auf dieser Tour gab es all die Greatest Hits aus zwei Dekaden, selbst „Another Brick In The Wall (Part II)“ aus der Feder von Waters fand seinen Platz. Viele sahen Pink Floyd überhaupt zum ersten Mal auf dieser Tour, weil sie in den 70s noch zu klein waren um auf Konzerte zu gehen und so war es ein großes Liveerlebnis, das natürlich auch mit einem Live-Doppelalbum dokumentiert werden musste. Nur war 1988 die CD bereits das Medium an dem sich der Großteil der Musikindustrie orientierte. Geht man davon aus, dass auf eine LP-Seite bis zu 25 Minuten (besser aber weniger) in akzeptabler Soundqualität gepresst werden können, liegt man bei einer Doppel-LP bei maximal 100 Minuten. Das allerdings nur, wenn die einzelnen Tracks optimal auf die Seiten verteilt werden könnten. Eine Doppel-CD konnte dagegen bis zu 160 Minuten bieten.

Und das ist ein Problem, mit dem „Delicate Sound Of Thunder“ auf LP zu kämpfen hat. Insbesondere die dritte Seite hat durch das sehr lange „Money“ – mit Basssolo, erweitertem Jam-Part und „Tobacco Road“-Zitat die optimale Länge einer LP-Seite überschritten und das macht sich natürlich auch im Sound bemerkbar. Die Pressung der LP und die Replik des originalen Artworks, auch auf den Innensleeves, ist sehr gut geraten – offensichtlich waren hier noch die Produktionsdaten in hoher Grafikauflösung vorhanden – ein Problem unter dem viele aktuelle Vinyl-Reissues leiden. Im Vergleich zu der CD-Version wurde auf den Track „Us And Them“ verzichtet, warum auf dieser nicht mehr Songs enthalten waren – 6 weitere unveröffentlichte Tracks wurden für das Album aufgenommen – bleibt ein Rätsel. Außerdem wurde „Wish You Were Here“ auf die vierte LP-Seite verschoben, auf der CD ist es nach „Time“.

Was die Performance und die Arrangements betrifft, muss man auch hier manche Eigenarten in der Produktion, die im Rock der zweiten Hälfte der 80s Usus waren, hinnehmen. Nie klang Gilmours Gitarre uneleganter. Der Sound ist an vielen Stellen verzerrter als er sein sollte und gleichzeitig auch künstlicher. Interessanterweise sind die Keyboardsounds von Rick Wright weitesgehend originalgetreu – oft wurde in dieser Dekade auch gerade die Tastenfraktion immer zeitgemäßer – gut, dass er seinen Sound beibehalten hat. Das Schlagzeug von Nick Mason ist ebenfalls noch angenehm im Livesound gemischt, auch da gab es in den 80s ganz andere Auswüchse was den Klang betrifft. Waters Ersatz Guy Pratt, der auch heute noch für Gilmour den Bass spielt, macht seine Sache sehr gut – er hat wie vorher schon erwähnt seinen Solospot auf einem bundlosen Basssolo bei „Money“.

Kommen wir zum Leadgesang und damit zum Schwachpunkt des Albums. Ob es der enormen Anzahl der Shows, die auf der Tour gespielt wurden geschuldet war, oder ob andere Gründe vorherrschten: Gilmour kämpft sich an vielen Stellen durch den Leadgesang. Und das ist keine Frage des Alters, denn auf allen Livedokumenten, die danach entstanden sind, klingt er besser, einschließlich des in diesem Jahr veröffentlichten „Live In Pompeii“. Zum Glück war dies nicht das Vermächtnis von Pink Floyd, sie sollten 1995 mit „P.U.L.S.E.“ ein weiteres Livealbum veröffentlichten, auf dem sie viel besser klangen und ein viel besseres aktuelles Album im Gepäck hatten. Vor allem auch in der LP-Version machte die Band alles richtig und entschied sich für ein 4 LP-Set um den Sound auf den LP-Seiten optimal zur Geltung kommen zu lassen. Ob dieses Album als LP auch noch einmal aufgelegt wird, ist die Frage, die momentan die Fans beschäftigt. Wir lassen uns überraschen!

Bewertung: 3 von 6

VÖ: 17.11.2017

www.pinkfloyd.com

Tracklist:

A1. Shine On You Crazy Diamond
A2. Learning To Fly
A3. Yet Another Movie
A4. Round And Round

B1. Sorrow
B2. The Dogs Of War
B3. On the Turning Away

C1. One Of These Days
C2. Time/Breathe In The Air (Reprise)
C3. Money
C4. Another Brick In The Wall (Part II)

D1. Wish You Were Here
D2. Comfortably Numb
D3. Run Like Hell

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