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PINK FLOYD – Meddle (Vinyl-Reissue)

28 September 2016 No Comment
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meddlecover

Ja, es hat einen Sinn, dass Platten von damals nicht nur als digitales Remaster auf CD, sondern auch noch einmal als Reissue auf einem analogen Medium wie der LP erscheinen und „Meddle“ von PINK FLOYD ist ein gutes Beispiel dafür! Gleich der erste Song, die ersten Takte des Bassintros von „One Of These Days“ klingen auf der jetzt neu erschienenen LP völlig anders als auf der remasterten CD von 2011. Dort knallt der Bass mit krachenden Höhen im Klangbild dem Zuhörer um die Ohren, während hier auf der LP der Punch aus der Mitte kommt und die Höhen keine große Rolle im Sound spielen. Ein Unterschied um’s Ganze und wer das Album so hören will, wie es wohl 1971 geklungen hat, hat jetzt die Gelegenheit noch mal ein fabrikneues Exemplar dieser für die Entwicklung von PINK FLOYD so essentiell wichtigen Platte auf Vinyl günstig zu erwerben.

Mit eben diesem instrumentalen „One Of These Days“ gelingt der Band ein gewaltiger Einstieg in das Album. Roger Waters und David Gilmour spielen Bass, Richard Wright spielt die spannungserzeugenden Keyboardparts und Gilmour overdubbed noch einige Gitarrenspuren. Von Nick Mason ist zunächst außer Rückwärtsbecken und einer kurzen Tom-Passage nichts zu hören, aber dann auf einmal in einem Break erklingt seine verzerrte Stimme wie sie die krassen Worte „One of these days I’m going to cut you into little pieces“ spricht. Danach hauen die Drums auch mit drauf und die Nummer geht richtig ab. In der Folge wird es ruhiger auf dem Album. „A Pillow Of Winds“ folgt, eine Gilmour/Waters-Komposition, die erste in einer Reihe von gemeinsamen Taten, ja später gar Großtaten, die sie gemeinsam veröffentlichen sollten. Auch hier wirkt der LP-Sound im Vergleich zu der CD-Version von 2011 zurückhaltender, insbesondere in den Höhen, hat aber trotzdem die Dynamik, die ein solch akustischer Song auch benötigt.

„Fearless“ ist auch von Gilmour/Waters und wird ebenfalls von Gilmour gesungen. Nebenbei singt noch „The Kop“, die legendäre Tribüne in der Anfield Road zu Liverpool, das unkaputtbare „You’ll Never Walk Alone“ zu Beginn und zum Ende des Songs. Der Song als solcher bleibt trotz vieler interessanter Details aber unterm Strich nicht herausragend. „San Tropez“ stammt dann aus der Feder von Waters, der auch die Leadvocals übernimmt. Es ist ein merkwürdiger Exot im Oevre von Pink Floyd, einen solchen leicht bluesigen, swingenden, sonnigen Song würde man von Paul McCartney erwarten, aber nicht von Roger Waters. Es wird aber noch merkwürdiger: „Seamus“ ist ein akustischer Blues, bei dem David Gilmour demonstrieren kann, dass er auch in diesem Bereich eine gute Figur abgibt, Rick Wright klimpert dazu auf dem Piano und die ganze Zeit jault Seamus, der Hund von Steve Marriott. Auch dies hätte man eher von Macca erwartet als von Floyd, aber sei’s drum. Eine solch albern-unbeschwerte Nummer haben sie in der Folge nie wieder gebracht.

Das eigentliche Meisterwerk von „Meddle“ findet sich jedoch auf Seite 2 der LP: Der epische Track „Echoes“ mit dem genialen Echolot-Intro, das von LP auch besser, weniger klirrend, aber gespenstischer klingt. „Echoes“ ist das Bindeglied zwischen den frühen und den späteren Floyd. Es verfügt nicht nur über verschiedene musikalische Themen, Dynamik und experimentelle Sounds, sondern bindet das Ganze auch in einen Song, bei dem der Gesang eine zentrale Rolle spielt. Von da an war der Band klar, wohin die Reise geht und wie man dorthin gelangt!

PINK FLOYD – Meddle (Vinyl-Reissue)

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 23.09.2016
pinkfloyd.com/

Tracklist:
A1. One Of These Days
A2.  A Pillow Of Winds
A3. Fearless
A4. San Tropez
A5. Seamus

B1. Echoes

Jan Woelfer
Jan Woelfer

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