Home » Reviews, Tonträger

PINK FLOYD – More (Vinyl-Reissue)

10 Juni 2016 No Comment

PinkFloydMoreDas Ende der 60er Jahre war für PINK FLOYD keine leichte Zeit – nach ihrem ersten wegweisenden Album „Piper At The Gates Of Dawn“ verschlechterte sich drogenbedingt der Geisteszustand ihres genialischen Hauptsongwriters SYD BARRETT derartig, dass schon zu Album Nummer zwei nicht mehr mit ihm zu rechnen war. Als Ersatz kam sein Freund DAVID GILMOUR in die Band. Mit ihm konnte die Band zwar nie wieder an die spinnerten Anfänge anknüpfen, schuf aber im Laufe der Jahre eine ganz eigene musikalische Sprache, die sie losgelöst vom einstigen Frontmann zu einer der wichtigsten Bands des neuen Jahrzehnts machen sollte.

Auf ihrem Zweitling „A Saucerful Of Secrets“ waren sie davon allerdings noch meilenweit entfernt – das zerrissene Werk hatte seine Momente, zeigte aber erst mal, wie sehr ihnen der einstige kreative Kopf fehlte. Auf ihrem dritten Werk – dem hier vorliegenden Soundtrack zu dem Film „More“ – gelang ihnen allerdings ein weitaus größerer Sprung, als gemeinhin anerkannt. So brauchten sie zwar noch bis zum ’73er Großwerk „Dark Side Of The Moon“, bis sie wirklich ankamen, aber die Saat, die bei „A Saucerful Of Secrets“ bestenfalls ansatzweise zu hören war, treibt hier schon schönste Blüten.

Nicht zuletzt wegen seinem Status als Soundtrack ist dieses Werk allerdings so etwas wie das verlorene PINK FLOYD Album – und das obwohl es im Floydschen Frühwerk nach dem Debüt das vielleicht gelungenste Album ist. Zumindest Seite 1 dieser nun als vorbildliche Vinyl-Version neu aufgelegten Platte bietet erstmals einige von ROGER WATERS besten Kompositionen, die DAVID GILMOUR mit gereifter Stimme wunderbar vorträgt und dabei gar nicht mehr versuchen muss, SYD BARRETT zu imitieren.

Gerne geschmäht werden die beiden Heavy Rocker „The Nile Song“ und „Ibiza Bar“ – klar stechen die beiden Songs scheinbar zusammenhanglos aus dem Restmaterial hinaus, aber gerade „The Nile Song“ versprüht eine mitreißende Energie, die PINK FLOYD so nie wieder auf Platte kanalisiert haben. Bei den restlichen Gesangsnummern dominiert sanfter Folk-Rock – „Crying Song“ ist im besten Sinne verschlafene Hippie-Musik, während das fast schon hymnische „Cymbaline“ locker zu ROGER WATERS stärksten Songs gezählt werden darf. Die Instrumentalstücke, die Seite 2 dominieren, können dieses Niveau zwar nicht halten, aber sind nichtsdestotrotz hübsch experimentelles Beiwerk, die eine weitere Seite der zukünftigen FLOYD zeigen. Bis sie Experiment und Song erfolgreich in eine Komposition vereinen konnten, brauchte es zwar noch ein wenig Zeit – „More“ ist aber trotz dieser kleinen Schwächen nach wie vor sehr zu empfehlen und bietet ein sträflich vernachlässigtes Kapitel der Band.

Bewertung: 5/6
Label:
Pink Floyd Records / Warner Music Entertaiment
VÖ: 3. Juni 2016
pinkfloyd.com

Trakliste:

  1. Cirrus Minor
  2. The Nile Song
  3. Crying Song
  4. Up The Khyber
  5. Green Is The Colour
  6. Cymbaline
  7. Party Sequence
  8. Main Theme
  9. Ibiza Bar
  10. More Blues
  11. Quicksilver
  12. A Spanish Piece
  13. Dramatic Theme

Letzte Artikel von Julian Müller (Alle anzeigen)

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.