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PINK FLOYD – Obscured By Clouds (Vinyl-Reissue)

3 Oktober 2016 No Comment
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„Obscured By Clouds“ ist ein im PINK FLOYD-Oeuvre oft übersehendes Album. Seine Songs findet man auf keiner Best-of-Compilation, sie wurden von der Band nur ganz zeitnah und vereinzelt in Liveshows aufgeführt und auch in Artikeln, die das Werk von Pink Floyd thematisieren, spielt es selten eine Rolle. Dafür gibt es viele Gründe: Zum einen handelt es sich, wie zuvor auch bei dem Album „More“ um einen Soundtrack für einen Film („La Vallée“ von Barbet Schroeder), der alles andere als ein Blockbuster war. Es hatte also den Charakter einer Auftragsarbeit, die die Band einschob, während sie bereits an dem Nachfolger zu „Meddle“ arbeitete, der „The Dark Side Of The Moon“ heißen sollte. Von daher gab es keine Tour um das Album zu promoten, weil der Fokus der Band ganz klar auf das kommende Meisterwerk gerichtet war. Und doch ist dieses Album unter Fans durchaus hoch geschätzt, was vor allem an zwei Dingen liegt: Es stammt aus einer Phase, als die Band gerade wahnsinnig produktiv war und eine spannende Entwicklung vollzog. Und zum Anderen hat die Platte einfach verdammt gute Songs!

Das instrumentale Titelstück zu Beginn des Albums bietet David Gilmour, der diese Platte prägt wie kein Floydwerk davor, mit seinem sonorem fast an eine Drum-Maschine erinnernden Beat und analogen Synthiesounds eine Basis, auf der er mit dem Slide einige mehr oder weniger spannende Melodien spielt. Das folgende „When You’re In“ ist dann auch ein wenig inspiriertes Gitarrengeriffe, beide Stücke sind für Floydverhältnisse ungewohnt kurz und ergeben vielleicht als Filmmusik ihren Sinn, eine Werbung für das Album stellen sie nicht dar. Danach wird es besser – „Burning Bridges“, gemeinsam von den bewährten Stimmen Gilmours und Wrights getragen, bleibt auch kurz bzw. wird ausgefaded. Es ist noch nicht der ganz große Wurf, auch das folgende „The Gold It’s In The…“ auf dem Gilmour dem Schweinerock so nah kommt, wie sie es bis „Young Lust“ von The Wall nicht mehr tun würden, lässt noch Luft nach oben. Aber dann ertönt „Wot’s… Uh The Deal“, ein großartiger Song aus der Feder von Gilmour und Waters, akustisch gehalten und von Gilmour wunderbar gesungen. Das folgende „Mudmen“ ist dann wieder instrumental, aber deutlich überzeugender als die ersten beiden Tracks auf Seite 1.

Seite 2 beginnt grandios mit „Childhood‘s End“, das David Gilmour komplett allein geschrieben hat, was ihm eine Ausnahmestellung in seinem Songwriting-Oeuvre einräumt, denn bei fast allen anderen Songs hat er sich einen Partner bzw. eine Partnerin gesucht, die die Texte schreibt. Aber hier passt alles zusammen und auch die Musik zeigt schon klar, in welche Richtung die musikalische Entwicklung von Meddle hin zu Dark Side ging. Roger Waters, der auf dem Album wenig in Erscheinung tritt, steuert auch eine komplett allein geschriebene Nummer bei, in „Free Four“ geht es mal wieder um seinen im Krieg verstorbenen Vater – ein durchaus ernsthafter Text, gepaart mit einem Wortspiel (one, two, free, four) und einer Musik, die in ihrer Struktur funktioniert, aber ob dem musikalischen running gag am Ende jeder Strophe (ein stark betonter letzter Akkord) ein wenig albern anmutet. Sehr schön gerät dann wieder „Stay“, das Richard Wright mit Unterstützung von Waters geschrieben hat. Damit das Album nun aber doch nicht hinten raus noch zum Meisterwerk wird, habt die Band als Rausschmeißer noch ein eine Ambientnummer gemacht, zu der dann Mitglieder des Mapuga-Stammes, die in dem Film eine tragende Rolle spielen, eine Art Buschgesang beisteuern, der 1972 vielleicht durchaus exotisch wirkte, heute jedoch einfach nur nervig ist.

Auffallend an der ganzen Produktion des Albums ist der trockene, wenig bombastische Schlagzeugsound, der wie eingangs erwähnt, an manchen Stellen wie eine Drum-Maschine aus dieser Zeit klingt oder auch durchaus an Krautrocker wie Can oder Neu! erinnert. Überhaupt muss man anmerken, dass „Obscured By Clouds“ nicht mit der gleichen Akribie und der gleichen Qualität an Tontechnikern produziert wurde, wie die Alben davor oder danach. Hier wird auch der Unterschied zwischen dem LP-Resissue und der letzten CD-Reissue deutlich. Für das CD-Remaster hat man massiv versucht das Klangbild des Albums aufzuwerten und der direkte Vergleich zwischen CD und neuen LP zeigt auch, dass die CD ein deutlich weiteres Klangbild hat und dadurch den Unterschied, den „Obscured By Clouds“ im Vergleich zu den anderen Floydalben aus der Zeit produktionstechnisch hat, ein wenig ausgleichen kann. In dem jetzt neu angekündigtem Boxset, das die Jahre bis 1972 enthält ist gar ein kompletter Remix des Albums angekündigt – ein Umstand der andeutet, dass die Band ein Interesse hat, diese Platte vom Sound her noch einmal ins rechte Licht zu rücken. Wer die Platte im originalen Klangbild, mit den original abgerundeten Ecken noch mal fabrikneu erwerben möchte, hat dazu jetzt Gelegenheit. Und die tollen Songs überzeugen natürlich auch in diesem klassischen Soundgewand!

PINK FLOYD – Obscured By Clouds (Vinyl-Reissue)

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 23.06.2016
pinkfloyd.com

Tracklist:

A1. „Obscured By Clouds“
A2. „When You’re In“
A3. „Burning Bridges“
A4. „The Gold It’s In The…“
A5. „Wot’s… Uh The Deal“
A6. „Mudmen“

B1. „Childhood‘s End“
B2. „Free Four“
B3. „Stay“
B4. „Absolutely Curtains“

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