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PINK FLOYD – The Piper At The Gates Of Dawn (Vinyl-Reissue)

4 Juni 2016 No Comment

Pink Floyd - Piper At The Gates Of Dawn - Front

Diejenigen Deutschen, die nicht bereits in den 60s PINK FLOYDs Debüt-LP „The Piper At The Gates Of Dawn“ kennen gelernt hatten, sondern erst in den Jahren seit 1971, haben beim erstmaligen Auflegen mit großer Wahrscheinlichkeit ein Deja vu-Erlebnis gehabt, das ihnen eine merkwürdige, im ersten Moment nicht klar zuordenbare Assoziation bescherte. Das Intro von dem Opener „Astronomy Domine“ war seit Januar 1971 zur Titelmusik der ARD-Sonderberichterstattungs-Sendung „Im Brennpunkt“ auserwählt worden und wurde bundesdeutsche Fernsehgeschichte. Wann immer man diese ersten Takte mit dem Morse-Code, dem Trommelwirbel und dann dem faszinierenden Gitarrenriff hörte, wusste man, dass etwas Wichtiges geschehen war und das reguläre Programm ausfallen oder verschoben werden würde. Kein Mensch wird je erfahren, ob das damalige PINK FLOYD-Mastermind Syd Barrett von dieser Verwendung seiner Musik je erfahren hat, aber man kann sich vorstellen, dass die Wahl zum Soundtrack von Sondersendungen – „Breaking News“, wie man heute sagen würde – ihm vielleicht gefallen hätte.

Nach zwei exquisiten Singles („Arnold Layne“, „See Emily Play“) in der ersten Hälfte des Jahres 1967 erschien im August dann ihr erster Longplayer, der nach dem siebtem Kapitel des mystischen Kinderbuchs „The Wind And The Willows“ von  Kenneth Grahame benannt wurde. Zu dem Zeitraum der Produktion war die Droge des Jahres (LSD) zwar bereits ein ständiger Begleiter von Barrett – nicht allerdings der anderen Bandmitglieder – trotzdem war er noch in der Lage seine einmalige Kreativität in seinem Gesang, seinem Gitarrenspiel, vor allem aber in seinem Songwriting erblühen zu lassen. Wenige Monate nach der Veröffentlichung des Albums hatte der Drogenkonsum ihn zu einem völlig dysfunktionalen, unberechenbaren Wesen werden lassen, das immer seltener in der Lage war mit der Band aufzutreten oder aufzunehmen. Nachdem er auf einem Konzert der Band nichts anderes mehr gemacht hatte als völlig unbeeinflusst von dem Spiel seiner Kollegen einfach nur in voller Lautstärke die Saiten seiner Gitarre zu verstimmen, wurde sein alter Freund Dave Gilmour von der Band als Backup und nach kurzer Zeit fest als Ersatz für den einstigen Kopf der Gruppe engagiert. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mit einer Ausnahme, dem knapp zehnminütigem „Interstellar Overdrive“, das einen Eindruck von den instrumentalen Improvisationen der Band liefert, sind es noch kurze Lieder, selten über vier Minuten lang, die das Album prägen. Kompositionen, die zwar durchaus eigen und ungewöhnlich sind, aber trotzdem noch klar Kinder des Swingin‘ London: Eingängig, witzig und mitunter schrullig, immer jedoch klar noch dem POP verschrieben und innovativ arrangiert und gespielt. Ein weiterer Glücksgriff war der Umstand, dass sie in den EMI Abbey Road Studios aufnehmen konnten und als Produzenten keinen geringeren als Norman Smith hatten, der bis 1965 der maßgebliche Toningenieur bei den Aufnahmen der Beatles war und Pink Floyd so zu einem Sound verhalf von dem Bands wie die Kinks oder Who 1967 nur träumen konnten. Nicht auszudenken, wie das Album geklungen hätte, wenn sie Geoff Emmerick, Smiths‘ Nachfolger im Beatles-Studioteam und verantwortlich für die Sounds ab „Revolver“ gehabt hätten!

Das LP-Reissue, das jetzt erscheint, kommt als saubere 180 Gramm-Pressung mit durchaus authentischen Master, es wurde nicht das Mastering der CD-Reissues von 2011 verwendet. Alle Vinyl-Fans, die noch mal eine fabrikneue Version dieses legendären Debüts erwerben wollen, haben jetzt die Chance. Ein Download liegt nicht bei, es gibt eine klassische Schallplatte. Das Cover versucht zwar vom Design her authentisch zu wirken, allerdings fehlt das Label-Logo auf der Vorderseite links oben und auch die Label- und Credit-Angaben auf der Rückseite sind klar von 2016, aber wer Wert lebt auf das Original-Cover wird sowieso schon ein Exemplar von damals in seiner Sammlung haben – wer einfach noch mal die grandiose Musik auf LP haben möchte, wird hier bestens bedient.

PINK FLOYD – The Piper At The Gates Of Dawn (Vinyl-Reissue)

Bewertung: 6 von 6
Band: www.pinkfloyd.com

Tracklist:
A1     Astronomy Domine
A2     Lucifer Sam
A3     Matilda Mother
A4     Flaming
A5     Pow R. Toc H.
A6     Take Up Thy Stethoscope And Walk
B1     Interstellar Overdrive
B2     The Gnome
B3     Chapter 24
B4     The Scarecrow
B5     Bike

 

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