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R.E.M. – Automatic For The People (25th Anniversary Edition)

13 November 2017 No Comment
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Es ist seit Jahrzehnten das R.E.M.-Album, auf das sich alle einigen können. Die sichere Nummer 1 in LP-Rankings der legendären Band aus Athens, Georgia, die 2011 beschoss, dass ihre aktive Phase vorbei sei. Mit „Losing My Religion“ vom Vorgängeralbum „Out Of Time“ hatten sie 1991 ihren großen Hit, der sie weltweit zur Topband der Stunde machte und „Automatic For The People“ war das Album, das darauf folgte. Es ist der Band hoch anzurechnen, dass sie in dieser Phase nicht versucht hat die Platte zu machen, die die immensen Verkaufszahlen von „Out Of Time“ noch toppen sollte. Stattdessen schufen sie ein Meisterwerk, das es nicht darauf anlegte auf den ersten Hörkontakt sofort die Hit-Erwartungen zu bedienen, sondern langfristig zu überzeugen.

Und doch waren die Singles aus dem Album massive Hits in der noch von MTV dominierten Pre-Internet-Phase, in der das Kopieren von CDs zwar schon technisch, aber noch nicht für Endverbraucher möglich war. „Drive“, „Man On The Moon“, „Everybody Hurts“ wurden auch durch die großartigen Videos zu Songs, die eine Generation prägten. Und selbst eine Nummer wie „The Sidewinder Sleeps Tonite“ schaffte es auf Platz 17 in den UK-Single-Charts. Sie ist das Äquivalent zu „Shiny Happy People“ auf dem Vorgänger, der Song, der irgendwie zu fremd und fröhlich im Gesamtkontext klang, angeblich ganz bewusst von der Band als Kontrapunkt zu den eher morbiden oder wenigstens melancholischen Tracks, die die Platte dominieren, eingefügt.

Es ist interessant, dass der Versuch, ein hartes Rockalbum nach dem eher akustischen „Out Of Time“ zu produzieren, schlicht an den Songs scheiterte, die die Band damals schrieb. Das harte Rockalbum sollte dann im nächsten Versuch Wirklichkeit werden, aber die Bestandsaufnahme des Materials, das in der Deluxe Edition jetzt auch als Demo-Sammlung veröffentlicht wird, lies den ursprünglichen Plan nicht zu. Lediglich das so lang als hässliches Entlein eingestufte „Ignoreland„, das dann auf der letzten großen Tour der Band doch noch seine Würdigung erfuhr, rockt – wird jedoch unter einer Fülle von Gitarrenspuren auch leicht begraben. Trotzdem wäre der Track eine großartige Single zum Stand der Dinge gewesen, zusammen mit „First We Take Manhatten (Then We Take Berlin)“ als Flipside, vorab ausgekoppelt, oder gar als non-Album-Single. Aber das war nicht die Politik von Warner und so wurde der Song zum zweiten Fremdkörper auf „Automatic For The People“.

Wie dem auch sei, die Songs, die das Album prägten, neben den bereits erwähnten Tracks auch so wunderbare Songs wie „Find the River“, „Nightswimming“,  „Monty Got A Raw Deal“ oder „Try Not to Breathe“, sorgten in Verbindung mit den orchestralen Arrangements, die John Paul Jones zu einigen der Tracks geschrieben hatte, für eine Qualität, die bis heute überzeugt. Insofern ist das Reissue zum 25-jährigen Jubiläum eine Angelegenheit, die diesen Aufwand auch verdient. Und zu dem originalen Album gibt es in der mittleren Version noch das Konzert vom 19.11.92 aus dem 40 Watt Club in Athens, den die Band auf Initiative von Greenpeace spielten. Der Gig ist zu 12/13 Teilen bereits auf CD-Singletracks der ersten vier „Monster“-Singles erschienen, ist also für Fans, die nicht nur Alben sammeln, nicht wirklich neu. Allerdings sind manche Ansagen, die auf den CD-Singles nicht enthalten waren, jetzt zu hören – besonders schön dabei ist der Israel-Reisebereicht von Mike Mills! Dafür, dass die Band zu diesem Zeitpunkt alles andere als eine eingespielte Liveeinheit waren, klingen sie erstaunlich gut. „Country Feedback“, Michael Stipes absoluter Lieblingssong, wurde erst zum zweiten Mal überhaupt live aufgeführt und klingt verglichen mit einigen späteren Liveversionen noch sehr zurückhaltend. Das einzige nicht auf den „Monster“-Singles veröffentlichte „Love Is All Around“ klang in der Unplugged-Version besser, „Drive“ wurde in der groovigen Rockversion gebracht, die sie auch auf der „Monster“-Tour spielen sollten und das ineinander übergehende „Funtime“ (The Stooges-Cover) und „Radio Free Europe“ sorgen für einen überzeugenden Abschluss.

Von den Demos sind viele, wenn auch hier unter den Arbeitstiteln veröffentlicht, Ur-Versionen oder Work-in-progress-Dokumente der final auf dem Album enthaltenen Nummern. Einige Songs sind jedoch nicht auf der Platte und auch sonst nicht auf späteren Veröffentlichungen gelandet, obwohl sie durchaus hohe Qualität haben. „Mike’s Pop Song“ ist so ein Beispiel, ebenso „Photograph“. Auch nach 25 Jahren vermag „Automatic For The People“ noch zu überzeugen, Vinyl-Fans können sich über eine Neuauflage freuen und für den anspruchsvollen digitalen HiFi-Liebhaber gibt es auf der Bluray der Deluxe Edition auch hochwertige Soundformate.

Bewertung: 6 von 6

VÖ: 10.11.2017

remhq.com

Tracklist:
Disc 1 – Automatic For The People
01. Drive
02. Try Not to Breathe
03. The Sidewinder Sleeps Tonite
04. Everybody Hurts
05. New Orleans Instrumental No. 1
06. Try Not to Breathe
07. Monty Got A Raw Deal
08. Ignoreland
09. Star Me Kitten
10. Man on the Moon
11. Nightswimming
12. Find the River

Disc 2 – Live At The 40 Watt Club  
01. Drive
02. Monty Got A Raw Deal
03. Everybody Hurts
04. Man On The Moon
05. Losing My Religion
06. Country Feedback
07. Begin The Begin
08. Fall On Me 
09. Me In Honey 
10. Finest Worksong 
11. Love Is All Around
12. Funtime 
13. Radio Free Europe
 
Disc 3 – Automatic For The People Demos (nur in Deluxe Edition)
01. Drive (demo)
02. Wake Her Up (demo)
03. Mike’s Pop Song (demo)
04. C to D Slide 13 (demo)
05. Cello Scud (demo)
06. 10K Minimal (demo)
07. Peter’s New Song (demo)
08. Eastern 983111 (demo)
09. Bill’s Acoustic (demo)
10. Arabic Feedback (demo)
11. Howler Monkey (demo)
12. Pakiderm (demo)
13. Afterthought (demo)
14. Bazouki Song (demo)
15. Photograph (demo)
16. Michael’s Organ (demo)
17. Pete’s Acoustic Idea (demo)
18. 6-8 Passion & Voc (demo)
19. Hey Love [Mike voc] (demo)
20. Devil Rides Backwards (demo)
Disc 4 – Automatic For The People Blu-ray (nur in Deluxe Edition)
01. Automatic For The People (+ bonus track: Photograph) mixed in Dolby Atmos
02. Automatic For The People (+ bonus track: Photograph) Hi-Resolution Audio
03. Drive  (music video)
04. The Sidewinder Sleeps Tonite (music video)
05. Everybody Hurts (music video)
06. Man On The Moon (music video)
07. Nightswimming (music video: British version)
08. Find The River (music video)
09. Nightswimming (music video: R version)
10. Automatic Press Kit

 

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