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RICHARD HAWLEY – Further

9 Juni 2019 No Comment
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Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn Richard Hawley bei den Auditions zur ersten richtigen Bandbesetzung von Steven Patrick Morrissey nach dem Ende der Smiths als Gitarrist und Songschreiber 1991 neben der Diva aus Manchester gelandet wäre.

Beide einte einst die Herkunft und Identifikation mit dem Norden Englands. Bei Richard Hawley glüht die Liebe zu seiner Heimat Sheffield immer noch glutrot wie die Öfen der Stahlwerke, deren Schlote das schroffe und arbeitergeprägte Landschaftsbild der Region einst prägten.

Viel Platz für Romantik und anachronistische Musik aus einer besseren Zeit in den 50s und 60s, als die Region ihre Hochzeit erlebte. Und so sind es auch wieder diese famos-lasziven Late-50s-Reminiszenzen („My Little Treasures“, „Further“) bei denen Hawley croont und seine Gitarrenläufe perlen.

Zu Beginn erlaubt sich der passionierte Tolleträger mit „Alone“ und besonders im Opener „Off My Mind“ aber noch einen Nachhall an „Standing On The Sky’sEdge“, als er mit – für seine Verhältnisse – schroffen Gitarrengewitter, 2012 sein Stammpublikum verschreckte. Gerade beim Opener jaulen die fuzzverzerrten Gitarren fast wie bei Monster Magnet. Die Bläser klingen energisch, die Streicher jubilieren und Hawley singt mit aufbrausendem Temperament. Großartig!

„Further“ stellt insgesamt einen sehr homogenen Mix aus diesen liebevollen Schwarz/Weiß-Erinnerungsstücken wie („Emilina Says“, „Not Lonely“) sowie zupackenden, nach vorne drängenden Songs („Is There A Pill“, „Gallay Girl“ oder das Mundharmonika-befeuerte „Time Is“) dar und wagt damit in der Summe mehr als sein Vorgänger „Hollow Meadows“.

Die Songs haben alle eine angenehme Kürze und weisen nie etwas Redundantes auf. Hawley klingt immer noch wie ein Hybrid aus Roy Orbison und Lee Hazlewood. Der Hörer fühlt sich insbesondere bei den beiden wunderbaren Schlusstücken (“Midnight Train“& „Doors“) sogar angenehm an Hawleys Großtaten „Coles Corner“ oder „Lady’s Bridge“ erinnert.

Die Veröffentlichung von „Further“ ist eine kongeniale Ergänzung zum erfreulichen Umstand, dass seit März 2019 mit „Standing At The Sky’s Edge“ auch ein Musical im Sheffields Crucible Theatre läuft. Zu hören sind dort ausgewählte Hawley-Songs, die das Leben & Schaffen des Künstlers im Kontext seiner geliebten Heimatstadt Sheffield beleuchten.

Bewertung: 5 von 6

: 31.05.2019
Label: BMG
Web: www.richardhawley.co.uk
Format: Vinyl / Download / CD

Tracklist:
01. Off My Mind

02. Alone
03. My Little Treasures
04. Further
05. Emilina

06. Is There A Pill
07. Galley Girl
08. Not Lonely
09. Time Is
10. Midnight Train
11. Doors

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