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ROBERT PLANT – Carry Fire

13 Oktober 2017 No Comment
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Auf seinem neuen, insgesamt 11ten, Soloalbum wird ROBERT PLANT wieder von seiner Band „The Sensational Space Shifters“ begleitet, die (zuerst noch unter dem Namen „Strange Sensation“) schon seit mittlerweile 15 Jahren immer wieder die musikalische Grundlage für seine Soloalben stellte. Während auf dem letzten Album „Lullaby And The Ceaseless Roar“ (2014) neben dem Prinzip der Rockvermeidung, dass das oberste Credo der Sensational Space Shifters zu sein scheint, auch noch die Rhythmen so verschroben und exotisch wie möglich gestaltet wurden, hat man sich für „Carry Fire“ offensichtlich wieder eines besseren belehrt und zugelassen, dass Grooves auch mal halbwegs straight sein dürfen. Ein Umstand, der die neue Platte deutlich besser geraten lässt.

Das Album startet mit einem Song, der vom Titel her natürlich Aufsehen erregt. Ausgerechnet der bekennende „Stairway To Heaven“-Verweigerer nennt einen Song „The May Queen“! Und dann klingt der überhaupt nicht dem Überhit, sondern eher nach „Prodigal Son“. Macht aber nichts, die Nummer überzeugt. Wie überhaupt das ganze Album überhaupt nicht so anstrengend und mitunter verkrampft exotisch unter Berücksichtigung des Zeitgeists klingt wie so manche Vorgänger. Aber nicht minder interessant oder hochwertig.

Es scheint, dass Plant und seine Band hier endlich die richtige Mischung ihrer zweifelsohne hochkarätigen Zutaten gefunden haben. Der Blues hat wieder die Oberhand über die gespielten und gesungenen Harmonien, wenn auch hier keineswegs lediglich bekannte Schemen wiedergekäut werden. Keltischen Folk mit nordafrikanischen Rhythmen und südasiatischen Streichern gibt es diesmal nicht und den wird auch keiner vermissen. Einen besonderen Gastauftritt liefert Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde bei dem Song „Bluebirds Over The Mountain“, der von Rockabilly-Legende Ersel Hickey geschrieben und später sowohl von Richie Havens als auch von den Beach Boys aufgenommen wurde.

Robert Plant hat auch mit mittlerweile 69 Jahren eine sehr gute Stimme, wobei er sich auch auf „Carry Fire“ wieder ausschließlich in seiner comfort zone bewegt und nicht versucht extreme Tonlagen oder gar Schreie zu bringen. Dies fehlt aber auf dieser Platte keineswegs und die Liveaufnahmen der letzten Jahre zeigen, dass er bei der einen oder anderen Zeppelin-Nummer, die er im Konzert spielt, nicht schlechter abschneidet als in den vergangenen zwanzig Jahren. Merkwürdigerweise klingt er seit einigen Jahren in seiner Sprechstimme bei Interviews viel älter als das bei seiner Singstimme der Fall ist.

„Carry Fire“ ist ein Album, das wohl allen, die Plant mögen, zusagt und vor allem aber auch die Fans, die ihn vor allem für seine Zeit mit Led Zeppelin schätzen, anspricht, da die Elemente aus denen hier die Musik geschaffen wird, aus der gleichen Ur-Suppe stammen, die die legendäre Band geformt hat. Es ist sein bestes Soloalbum seit „Mighty Rearranger“ von 2005 – die Kollaboration mit Alison Kraus mal ausgenommen. Robert Plant stellt mit dieser Platte erneut unter Beweis, dass sein Instinkt der Zusammenarbeit mit Led Zeppelin zu widerstehen, zumindest für ihn die richtige Entscheidung ist, denn hier klingt er absolut überzeugend.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 13.10.2017
Nonesuch Records / Warner Music
http://robertplant.com

Tracklist:
1. The May Queen
2. New World…
3. Season’s Song
4. Dance With You Tonight
5. Carving Up The World Again… A Wall And Not A Fence
6. A Way With Words
7. Carry Fire
8. Bones Of Saints
9. Keep It Hid
10. Bluebirds Over The Mountain
11. Heaven Sent

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