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Rock And Roll Music – The Songs of CHUCK BERRY

5 Mai 2017 No Comment

Chuck BerryViel wurde geschrieben seit dem Tod von CHUCK BERRY am 18. März mit 90 Jahren. Wortreiche Nachrufe und vereinzelte Mahnungen an die Missetaten des Rock’n’Roll-Sängers, -Gitarristen, -Songschreiber und -Poeten. Kaum einer, der ein wenig über den Musiker weiß würde wohl abstreiten, dass CHUCK BERRY ein mit Vorsicht zu genießender und schwieriger Charakter war, aber sein musikalisches Erbe ist so gewaltig, dass keines seiner Vergehen und keine seiner Schrullen dies jemals überschatten könnten. Es gibt zahlreiche wichtige Künstler, die ab Mitte der 50er (manche sogar schon weit davor) Großes leisteten, um die Musik, die unter dem Namen „Rock’n’Roll“ die Welt erobern sollte auf die musikalische Landkarte zu setzen. Wenn man sich auf einen einzigen einigen müsste, würde aber wohl vieles für CHUCK BERRY sprechen. Er hatte die Songs, die Texte, das Gitarrenspiel, die schneidende Stimme und die Autorität. Dazu kam eine Bühnenpräsenz, die selbst noch in den letzten Jahren, wo er seinen Zenit als Performer längst überschritten hatte immer noch durchblitze und faszinieren konnte.

Kein Wunder also, dass seine Songs von unzähligen Künstlern nachgespielt wurden und eine schier endlose Auswahl für die Songwriter Serie von ACE RECORDS bieten. Allein die Beat-Welle Anfang der 60er gäbe genug Material her um ganze CD-Boxen zu füllen. Doch so leicht macht es sich das Londoner Reissue Label natürlich nicht und stellt auf „Rock’n’Roll Music – The Songs of CHUCK BERRY“ einen wilden Ritt durch verschiedene Epochen und Stilistiken zusammen, der das ganze Spektrum seines Einflusses auf die Popkultur abbildet. So fingen bereits BERRYs ’50s-Zeitgenossen fleißig an seine Songs zu spielen, sobald seine Originale in die Charts schossen. Exemplarisch vertreten ist hier JERRY LEE LEWIS pianogetriebene Version von „Little Queenie“ und BUDDY HOLLYs posthum veröffentlichte Aufnahme von „Brown Eyed Handsome Man“, die sich noch 1963 bis auf Platz 3 in den britischen Charts mogelte. 1968 nahm sogar ELVIS PRESLEY kurz vor seinem Comeback Special eine entspannte aber dringliche Version von „Too Much Monkeybusiness“ auf. Eröffnet wird die CD mit einer stürmischen Version von „Roll Over Beethoven“, gesungen von HELENE DIXON, die im Anschluss zwar leider schnell wieder in der Versenkung verschwand, aber mit ihrer Version wenigstens eine kurze Duftmarke setzen konnte. Kurios ist auch die ’56er Skiffle Version von „Downbound Train“ der KEN COLYER’S SKIFFLE GROUP, die das Potential des Songs direkt erkannten und nur drei Wochen nach dem originalen Release coverten.

Die Beat-Phase, die CHUCK BERRY so viel zu verdanken hatte, wie kaum ein anderes Genre ist unter anderem mit der scheppernden SWINGING BLUE JEANS Interpretation von „Around And Around“ und „Sweet Little Sixteen“ von den HOLLIES vertreten. Mutete der Song auf deren ’66er Album zwar noch wie ein etwas altbackener Rückgriff an, macht er sich auf dieser Zusammenstellung umso besser und zeigt mit ALLAN CLARKEs kraftvollem Gesang, TONY HICKS klirrenden Gitarren und dem unvergleichlichen Schlagzeugspiel von BOBBY ELLIOTT mal wieder, dass die HOLLIES weitaus mehr waren als die stets lächelnde Hit-Maschine, die sie für viele immer noch sind. Auf der hipperen Seite der früh-60s finden sich die immer noch aktiven R’n’B-Spezialisten PRETTY THINGS, die mit „Oh Baby Doll“ eine gute, wenn auch nicht spektakulär wilde Version abliefern.

JAY & THE AMERICANS überführen „Johnny B. Goode“ in eine spät ’60er Sunshine Pop Version, während Soul-Sänger DON CONVAY „Memphis“ nach Jamaika verlegt. Leichte Reggae-Ansätze sind auch in dem formidablen Remake von „Come On“ zu hören, das Ex-Brinsley Schwartz-Sänger IAN GOMM 1978 auf sein Solo-Debüt packte. 5 Jahre später taten sich CARLOS SANTANA und BOOKER T. zusammen um eine leicht sterile aber nette Version von „Havana Moon“ aufzunehmen. Steril und nett trifft auch auf die BEACH BOYS Interpretation von „Rock’n’Roll Music“ zu, die den alternden Boys 1976 ihren ersten Top 5 Hit seit „Good Vibrations“ eine Dekade zuvor bescherte. Insgesamt bietet „The Songs of CHUCK BERRY“ jedenfalls eine interessante und abwechslungsreiche Sammlung, die nicht nur durch CHUCK BERRYs Ableben eine interessierte Käuferschar finden sollte.

Bewertung: 5/6
Label:
ACE Records
VÖ: 17.03.2017
https://acerecords.co.uk/

Trackliste:
01. Roll Over Beethoven – Helene Dixon

  1. Around And Around – The Swinging Blue Jeans
  2. Down Bound Train – Ken Colyer’s Skiffle Group
  3. Maybellene – Marty Robbins
  4. Come On – Ian Gomm
  5. Memphis – Don Covay
  6. Oh Baby Doll – The Pretty Things
  7. Nadine – The Bunch
  8. Little Queenie – Jerry Lee Lewis
  9. I’m Talking About You – The Remains
  10. Brown-Eyed Handsome Man – Buddy Holly
  11. Johnny B. Goode – Jay & The Americans
  12. Sweet Little Sixteen – The Hollies
  13. Too Much Monkey Business – Elvis Presley
  14. Almost Grown – Syndicate Of Sound
  15. No Money Down – John Hammond
  16. Beautiful Delilah – The Count Bishops
  17. Havana Moon – Carlos Santana (Vocal: Booker T)
  18. Back In The USA – MC5
  19. You Can’t Catch Me – Sleepy La Beef
  20. Rock And Roll Music – The Beach Boys
  21. You Never Can Tell – John Prine
  22. Run Run Rudolph – Dwight Yoakam
  23. The Promised Land – Dave Edmunds

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