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RON SEXSMITH – Bochum, Christuskirche, 5.11.2015

7 November 2015 No Comment
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Ron Sexsmith

So eine Solo-Show ist ja schon mehr Stress, als wenn man sich gemütlich in das musikalische Bett legen kann, das einem eine Band in der Regel ausbreitet. Jedes Fehlerchen wird auf einmal hörbar, die ganze Aufmerksamkeit liegt nur auf einem selbst. Fast möchte man meinen, dass dem großen Songwriter RON SEXSMITH auf seiner aktuellen Solo-Tour diese volle Aufmerksamkeit gar nicht so recht gefallen mag. Er huscht verschämt auf die Bühne, schnappt sich schnell seine Akustik-Gitarre und ist auch schon mitten im ersten Song bevor der Applaus abebbt. Auch danach gibt es zuerst nur spärliche Ansagen, die er schnell und kaum verständlich zwischen seine unumstößlich großartigen Songs murmelt.

Erst in der zweiten Hälfte traut er sich immer mehr seine humorvolle Seite zu zeigen – die Ansagen werden länger und  kleine Jokes schleichen sich ein – inklusive der herrlichen Spitze an Weichspül-Schaumschläger MICHAEL BUBLÉ, der seinerzeit SEXSMITHs „Whatever It Takes“ coverte. Die Nummer gab es dann auch so „wie der Song eigentlich gespielt werden soll“. Überhaupt war es toll diese ganzen wunderbaren Kompositionen, die vermeintlich simpel klingen aber vor genialischen Einfällen nur so platzen, mal ganz reduziert zu hören. Eben so wie SEXSMITH sie im heimischen Wohnzimmer geschrieben hat.

Was an diesem Abend neben den unangreifbaren Songs und seiner einzigartigen Stimme auch noch auffällt, ist sein virtuoses Akustik-Gitarrenspiel. Bereits im Bandkontext konnte man schon merken, dass er sein Instrument mehr als nur beherrscht – bei seiner Solo-Show durfte er die Trickkiste allerdings noch weiter als sonst öffnen und brachte dabei immer weiter kleine Gitarren-Miniaturen zum Vorschein, die Ihresgleichen suchen. Und das ohne jemals auch nur in den leisesten Verdacht von schnöder Musikschul-Hampelei zu kommen.

Seine Setlist war dann so etwas wie die Greatest Hits Compilation, die erst noch erscheinen muss. Meine Güte hat der Mann mittlerweile viele Hits, die vollkommen zu unrecht nie welche waren. Jedes seiner Alben könnte er in Gänze spielen und es würde keine Langeweile aufkommen – dieses Kondensat an Highlights ist allerdings fast schon unheimlich. „Believe It When I See It“, „Secret Heart“, „Strawberry Blonde“, „Imaginary Friends“, „Gold In Them Hills“, „Brandy Alexander“ – man könnte endlos weitermachen.

Vielleicht sollte man gucken was gefehlt hat. „Hard Bargain“ war wohl der am schmerzlichsten vermisste Song des Abend, das grandiose „This Is How I Know“ wäre auch schön gewesen und das von ihm beharrlich ignorierte „Time Being“-Album hält auch zahlreiche viel zu selten gespielte Perlen auf Lager. Aber eventuell gibt es die ja alle beim nächsten Mal zu hören – schließlich ist im Prinzip jedes Konzert des Kanadiers ein Pflichttermin. Ein bisschen wird man sich aber wohl noch gedulden müssen. Immerhin will ja sicherlich das nächste Album geschrieben werden. Auf bald, RON!

Foto: Olaf Rauch

Info:
ronsexsmith.com
christuskirche-bochum.de

 

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