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RUHRPOTT RODEO 2009 – 29. & 30.05.09, Hünxe

2 Juni 2009 No Comment

Ruhrpott Rodeo 2009

Am Tag 1 nach dem Ruhrpott Rodeo 2009 konnte man sich erst einmal tonnenweise den Staub aus der Nase schaufeln. Machte aber gar nichts, schließlich war der wie der Sand vom Strandurlaub. Jedes Körnchen stand für eine gute Erinnerung. An großartige Toy Dolls zum Beispiel. Oder an „England Belongs To Me“ gesungen vom größten Männerchor außerhalb eines Stadions. An korrekte Bierpreise und freundliche Securities. An die geniale Idee, die Running Order auf die Biermarken zu drucken und an dem Manuel Neuer sein Bruder. Kurz an ein mehr als gelungenes Festival.

Bei solchen Voraussetzungen würde es einen auch nicht wundern, wenn der Punkgott persönlich auf dem Rodeo gewesen wäre. War er wohl auch – und das perfekte Wetter hat er sich selbst und somit allen anderen mitgebracht. Das bisschen Sonnenbrand, das es dafür gab: geschenkt. Fragt sich nur, welche Gestalt er angenommen hat.

Knochenfabrik @ Ruhrpott Rodeo 2009Die von Chefdenker-Sänger Claus Lüer kann es nicht gewesen sein, denn sonst wäre der nach seiner Knie-OP überraschend genesen und hätte den Auftritt seiner Band nicht im sitzen absolvieren müssen. Super war es aber trotzdem. Mit allem drum und dran. Dem heimgekehrten Sohn The Kollege sah man den Spaß an, Graf Disco zog natürlich blank und Filmriss durfte auch nicht fehlen. Die Suche nach dem Punkrockgott muss aber woanders weiter gehen.

Me First and the Gimme Gimmes @ Ruhrpott Rodeo 2009Me First and the Gimme Gimmes stellten ihn nicht. Klar, die Stimmung kochte über als die Jungs um Joey Cape und Fat Mike loslegten, im direkten Vergleich mit The Toy Dolls zogen sie aber den Kürzeren. Das klingt jetzt negativer, als es sein soll. Gemeint ist: Me First and the Gimme Gimmes waren Spitzenklasse. The Toy Dolls waren Spitzenklasse und ein bisschen mehr. Ein ernsthafter Kandidat für den Gott des Festivals wäre also Michael „Olga“ Algar. Wäre, denn eigentlich ist er ja schon einer. By the Way: Fuckin Faces wäre eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Songs covern bei den Me First and the Gimme Gimmes zu wünschen.

The Toy Dolls @ Ruhrpott Rodeo 2009Aber noch einmal zurück zu den Toy Dolls: Die spielten sich gut gelaunt wie immer und kein bisschen alt geworden durch ihre Hits. Fehlen durften dabei natürlich nicht Toccata In D-Moll und Nellie The Elephant. In der Zugabe gabs dann noch When The Saints und Glenda And The Test Tube Baby. Zuvor hatten am Festivalfreitag die Skabalkanpunker von Talco eine Menge Staub vor der Bühne aufwirbeln lassen. Die finnischen I Walk The Line waren wie immer großartig, wurden aber leider nicht gebührend beachtet, was eine glatte Untertreibung ist, da sie mehr oder weniger für sich selbst spielten, es aber mit Humor nahmen. Souveräne Los Fastidios lagen dem Publikum anscheinend mehr und Montreal konnten ihren prominenten Platz in der Running Order eindrucksvoll rechtfertigen. Und das die Lokalmatadore im Ruhrpott erste Liga spielen, versteht sich von selbst. Die Mühlheimer präsentierten dem Manuel Neuer sein Bruder als Stargast und brachialhumorten sich durch ihr Set, dass begeistert mitgesungen wurde und selbstverständlich mit Viva Lokalmatadore endete. Zum Punkrockgott des Festivals taugt aber keiner der Herren. Das wäre Blasphemie gegen was auch immer.

Ruhrpott Rodeo 2009Der Samstag bot unter anderem die schon gebührend erwähnten Chefdenker, starken Tobak von Scheiße Minelli, durchschnittlichen Amipunk von Bonecrusher, quälend langweilige Fuckin‘ Faces und die zurecht kurzfristig nach hinten verlegten Emscherkurve 77, die ihre Fans und alle anderen mit Proletenpunk aus der Fankurve bespaßten. Mad Sin begeisterten souverän und ließen sich auch von technischen Schwierigkeiten mit dem Bass nicht aus dem Konzept bringen. Über allem thronten am Festivalsamstag aber Cock Sparrer.

Ruhrpott Rodeo 2009Die Oi-Punk-Legende aus London gibt sich nicht alle Tage in Deutschland die Ehre und hatte Fans und Skinheads aus der ganzen Republik nach Hünxe auf die Schwarze Heide gelockt. Und die wurden nicht enttäuscht. Die alten ehrwürdigen Herren von der Insel sorgten von der ersten bis zur letzten Minute für geballte Fäuste und mitgrölende Menschenmassen. Egal ob bei Working, What’s It Like To Be Old oder Running Riot, der Faszination dieser Band konnte man sich schwerlich entziehen und so wurde ihr Auftritt generationsübergreifend abgefeiert und als es zu Ende ging, schrien Punks, Skins und alle anderen vereint nach mehr. Und das bekamen sie dann auch. Eingeläutet wurde die Zugabe durch das groovende Sunday Stripper um dann im aus hunderten Kehlen mitgesungenem Belongs To Me ihren Höhepunkt zu finden und mit dem Versprechen We\’re Coming Back zu enden. Ganz großes Kino war das. Eine Einschätzung, die für das gesamte Ruhrpott Rodeo 2009 gelten kann.

Die Suche nach dem Punkgott des Wochenendes kann man also getrost vergessen. Das Wochenende selbst ist Punkgott gewesen.

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