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RUHRPOTT RODEO 2010 – 22. + 23.05.10, Hünxe, Schwarze Heide

25 Mai 2010 One Comment

Ruhrpott Rodeo 2010

Das Ruhrpott Rodeo 2010 auf der schwarzen Heide bei Hünxe stand ganz im Schatten seiner beiden Headliner Slime und Wizo. Die erfüllten die Erwartungen und zeigten das sie im Vorfeld viel geprobt – oder der eben nichts verlernt haben.

Samstag, kurz vor halb elf. Irgendwo in Europa verlor ein Fußballverein aus dem Süden ein Finale und im Westen auf einer anderen Wiese interessierte es niemanden. Dort blickte alles und jeder gespannt auf eine Bühne auf der soeben ein großes Banner entrollt worden war. SLIME stand darauf und es kündigte nicht weniger als das Comeback des Jahres an. 15 Jahre nach ihrem Ende kehrte die Deutschpunklegende also tatsächlich zurück. Und das gewaltig. Statt Vorgeplänkel gab es gleich auf die Zwölf. SLIME starteten ihr Set mit „A.C.A.B.“. Die Leute rasteten aus. Und SLIME legten nach. Mit „Scheißegal“ und „Polizei SA, SS“. So muss es sich anfühlen und so muss es sein, das perfekte Comeback.

Slime @ Ruhrpott Rodeo 2010Danach ließen es die Altpunker – bei denen neben Sänger Dirk Jora und den Gitarristen Michael „Elf“ Mayer und Christian Mevs die beiden Neuzugänge Alex Schwers (Rodeo-Organisator und ehemaliger HASS-Drummer) und Nicki (ansonsten Bassistin bei DIE MIMMIS) in der Aufstellung standen – zwar etwas ruhiger angehen, blieben aber druckvoll und erstaunlich sauber und professionell. Mit dem Punkgeschrammel, das man von ihren alten Platten kennt, hatte das nur noch wenig zu tun. Stattdessen gab eine Lehrstunde in Sachen kräftigem Deutschpunk. Das mag bei Fans der ersten Stunde nicht nur gut angekommen sein, machte aber auch musikalisch deutlich, dass SLIME kein Relikt aus der Vergangenheit sondern im 21. Jahrhundert angekommen sind.

Dort gehören auch (immer noch) ihre Texte hin, worauf Dirk Jora in seinen (wenn auch sehr eindimensionalen) Aussagen des Öfteren hinwies. Sie sind eben immer noch aktuell, Songs wie „Linke Spießer“, „Gerechtigkeit“, „Mensch“, „Religion“ oder der „Tod ist ein Meister aus Deutschland“. Und sie sind außerdem noch präsent in den Köpfen der Fans und wurden begeistert mitgesungen. Nach fast anderthalb Stunden endete das Konzert dann so, wie es begonnen hatte: mit SLIME-Klassikern vom Feinsten. „Deutschland“ und „Wir wollen keine Bullenschweine“ setzten einem gelungenen Comeback-Gig die Krone auf.

SLIME hatten also vorgelegt. WIZO folgten am nächsten Tag. Auch wenn die Vorzeichen natürlich gänzlich andere waren. Das zeigte sich am Publikum (das im Vergleich zum Vortag jünger war) und an der ganzen Aura, die dieses Comeback umwehte. Fünfeinhalb Jahre sind eben keine 15 Jahre und WIZO keine Legende wie SLIME. Den deutschen Punk haben sie aber ähnlich geprägt und von nicht wenigen waren und sind sie Lieblingsband und Jugendfreund. Dementsprechend groß war die Vorfreude und die machte sich bei den Tausenden vor der Bühne euphorisch Luft, als die Band um die Originale Thomas Guhl und Axel Kurth loslegte: mit „Nana“ meldeten sich WIZO zurück. Mit dem zweiten Song „Kopfschuss“ kamen sie dann an. „Gute Freunde“, „Kadett B“, „Jupp“, „Tod im Freibad“, „Alte Frau“ und „Raum der Zeit“ – WIZO spielten einen Hit nach dem anderen und das Publikum grölte die Songs lautstark mit, als wären sie nie weg gewesen.

WIZO @ Ruhrpott Rodeo 2010Und im Gegensatz zur Band waren die Songs das wohl auch nie, wie die Textsicherheit des Publikums bewies. Schwerer hatten es da natürlich die beiden neuen Songs „Scheiße kotzen“ und „Königin“, letztendlich wurden aber auch diese wohlwollend aufgenommen. Schließt man von ihnen aufs neue Album (dessen Erscheinen sich nach Aussage von Kurth noch etwas verzögern wird), wird dieses wohl ein reiferes Rockalbum werden. Ob das dann das ist, was die Fans hören wollen, steht auf einem anderen Blatt. Deshalb stimmte Sänger Axel Kurth im Anschluss an den neuen Song „Scheiße kotzen“ wohl auch den „Käfer“ an und wies darauf hin, dass er auch mit 41 Jahren noch bereit sei, so einen Scheiß für sein Publikum zu singen. Das freute sich und bedankte sich mit jeder Menge Zuneigung. Gänsehautmomente gab es bei „Das Golden Stück“ oder bei „Quadrat im Kreis“, dass die erste von zwei Zugaben eröffnete. Mit „Die letzte Sau“ endete der Gig schließlich und hinterließ ein gutes Gefühl. WIZO sind zurück – und darüber darf man sich freuen.

Was gibt es noch zu berichten vom Ruhrpott Rodeo 2010, dass mit diesem Song irgendwie zu Ende ging, auch wenn erst der anschließende Auftritt von JAYA THE CAT den offiziellen Schlusspunkt bildete? Vielleicht eben dies: dass das Ruhrpott Rodeo 2010 vor allem wegen seiner beiden Headliner in Erinnerung bleiben wird. Alles andere sorgte für den Rahmen, der wie immer ein guter war. Organisatorisch gibt es am Rodeo sowieso nie etwas zu meckern und auch der Besucheransturm hat keine Schwächen offengelegt. Und musikalisch wurde wie immer jede Ecke des Punks bedient.

Zwakkelmann @ Ruhrpott Rodeo 2010Den ersten Tag leitete der großartige ZWAKKELMANN ein, der später vorm RilRec-Stand noch einen kleinen und sympathischen 10-Minuten-Auftritt nachreichte. THE STATTMATRATZEN konnten sich anschließend um einen Label-Deal bewerben und zeigten, dass sie diesen mehr als verdient haben. Die GUITART GANGSTERS machten ihre Sache gut, stießen aber nur auf bedingten Zuspruch beim Publikum. Über den mussten sich CASANOVAS SCHWULE SEITE nicht beklagen, die mit ihrer schrägen Performance und dem klassischen Claus Lüer-Sound zu den Höhepunkten des diesjährigen Rodeos gehörten.

Ebenfalls überzeugen konnten die kurzfristig für THE FREEZE eingesprungenen V8 WANKERS, auch wenn sie nicht ganz in die Rodeo-Schublade passten. Den Jungs und Mädels, die vor der Bühne den Staub aufwirbelten, war das aber zu recht egal. Eben jener Staub hatte ebenfalls eine Hauptrolle beim diesjährigen Rodeo inne, war er doch immer und überall und auch Tage später noch in den Taschentüchern der Anwesenden. Nach den WANKERS waren HAMMERHEAD an der Reihe und wie immer Geschmackssache. Das gleiche gilt für die LOKALMATADORE, die aber zum Ruhrpott Rodeo gehören wie der Rodeostier und wieder einmal eine phänomenale Show ablieferten und ihrer prominenten Stellung als Co-Headliner gerecht wurden.

Das gleiche versuchte am Folgetag die Mühlheimer Skapunk-Kapelle SONDASCHULE, die allerdings immer mehr zum Kindergeburtstag für Debile mutiert und zwischen deren Spaßfaktor und dem von WIZO Welten lagen. Besser schmeckten am zweiten Festivaltag die großartigen SNUFF. Sehenswert und hörenswert waren außerdem die Japaner COBRA bei ihrem ersten Europa-Gig, die ANGRY SAMOANS, die gefühlte 50 Songs in einer halben Stunde spielten, sowie die Oi-Punker VOLXSTURM.

Bühne @ Ruhrpott Rodeo 2010Was am Ende bleibt ist, dass es das Festival der Comebacks war und das die beiden Headliner erwartungsgemäß auch die Höhepunkte waren. Drumherum gab es jede Menge Staub und Sonne und ein Festival, dass dem Vernehmen nach beinahe ausverkauft war und damit wohl endgültig den Status Geheimtipp verloren hat. Das aber kann man verschmerzen, denn das ausverkauft sein hat nicht weh getan. Natürlich waren mehr Menschen als in den vergangen Jahren da, dass schlug aber nicht negativ durch. Es gab keine Probleme mit Parkplätzen und Zelten, keine Warteschlangen an den Bierständen und kein Gedränge auf dem Gelände – eine Leistung, die nicht selbstverständlich ist. Das Ruhrpott Rodeo wächst und bleibt dabei sympathisch.

One Comment »

  • Johnette said:

    Ppl like you get all the brsian. I just get to say thanks for he answer.

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