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RUHRPOTT RODEO 2013 – 18./19.05.13, Hünxe, Schwarze Heide

23 Mai 2013 No Comment
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Ruhrpott Rodeo 2013

Punk, Ska und zu mindestens ein bisschen Sonne – das RUHRPOTT RODEO blieb sich auch 2013 treu und hat trotz neuer Größe seine Seele nicht verloren.

Vom größten Punkfestival Europas sprach Veranstalter Alex Schwers im Vorfeld des diesjährigen Ruhrpott Rodeos. Und tatsächlich: Dank deutlich erweitertem Campingplatz und etwas vergrößertem Gelände fanden am Pfingstwochenende fast 8000 Menschen auf der schwarzen Heide in Hünxe bei Bottrop Platz – und die kamen wegen eines feinen Line-Ups auch zusammen.

Höhepunkt des ersten Tages war dabei für viele der Auftritt von BLACK FLAG – oder zumindest den Teilen der Band, die sich am ehesten BLACK FLAG nennen können, was vor allem an der Anwesenheit von Greg Ginn lag. Ergänzt wurde er von Ron Reyes, der 1983 schon einmal Sänger der Hardcore-Legende war sowie Bassist Dale Nixon und dem neuen Schlagzeuger Gregory Moore.

Ganz erfüllen konnte die reanimierte Hardcore-Legende die Erwartungen allerdings nicht, der Auftritt war aber auch nicht das von nicht wenigen erwartete Desaster. Stattdessen gab es eine solide Vorstellung, die allerdings etwas zu gesetzt rüber kam, um wirklich mitzureißen. Wie es richtig geht, das zeigten am zweiten Tag SKA-P, die sich als würdiger Headliner erwiesen und dem Festival einen krönenden Abschluss bescherten – was den Auftritt der danach noch spielenden ADDICTS aber nicht schmälern soll.

Die spanische Skapunklegende zeigte, dass sie trotz langer Pause und nur wenigen Konzerten in den vergangenen Jahren nichts von ihrer Klasse verloren hat, zog eine mitreißende Show ab und brachte wie immer auch ihre politische Agenda durch. So gab es neben Kritik an der Kirche oder Freedom for Palästina vor allem Hits, bei denen getanzt werden durfte und auch es auch wurde. Mehr und vor allem auch mehr gut gelaunte Menschen als an diesem Abend hat man vor der Ruhrpott-Rodeo-Bühne noch nie gesehen.

Ein bisschen zum Fremdschämen war allerdings, dass die Spanier meinten, in Düsseldorf zu sein und dies immer wieder in ihren Ansprachen kundtaten. Ging das auf einen Scherz eines Bühnenarbeiters zurück, dann war es ein fieser, ansonsten hätte man den Herren auch einmal kurz stecken können, dass sie sich in Hünxe befinden. Auf der anderen Seite: Düsseldorf konnte an diesem Wochenende wirklich jeden Trost gerbrauchen.

Darüber hinaus waren es aber vor allem wieder die vielen kleinen und größeren Bands und die für ein Punkfestival wieder einmal überraschende musikalische Vielfältigkeit, die den wahren Charme und die Größe dieses ja immer noch recht kleinen Festivals ausmachte.

Stimmungshöhepunkt am Samstag waren dabei DIE KASSIERER, die sich wie immer von ihrer schlechtesten Seite zeigten und das Niveau in herrliche Untiefen herabsinken ließen. Dass es trotzdem immer noch etwas prolliger geht, das bewiesen am späteren Abend EISENPIMMEL, die auf der kleinen Hängerbühne den vielleicht besten Auftritt des Festivals hinlegten.

Besser auch als der Auftritt von KNOCHENFABRIK am folgenden Tag an derselben Stelle, bei den Claus Lüer trotz wenig Zeit vor allem mit dem Stimmen seiner Gitarre beschäftigt war. Das war zwar eine gelungene Provokation, aber für viele Fans trotzdem etwas schade – genauso wie der Umstand, dass man die Deutschpunker eben doch lieber auf der großen Bühne gesehen hätte, wo deren Stärken wahrscheinlich besser zum Vorschein gekommen wäre. Andersherum betrachtet: Die Akustik-Show auf der kleinen Bühne legte die Schwächen von KNOCHENFABRIK in Sachen musikalischer Versiertheit gnadenlos offen. Spitze wars natürlich trotzdem.

Genau wie beispielsweise der Auftritt von THE BABOON SHOW am frühen Nachmittag des zweiten Tages. Die schwedischen Poppunker bewiesen einmal mehr, warum sie zu den ganz großen und vielversprechend neuen Gesichtern des Punk gehören und bei denen vor allem die hochschwangere Sängerin Cecilia trotz eines „Belly full of baby“ wieder einmal alles gab. Ein Volltreffer war es übrigens auch, dass die MONSTERS OF LIEDERMACHING an diesem Tag mit einem langen Set von einer Stunde den Anfang machten. Das lockte viele schon früh aus den Zelten aufs Gelände und bescherte dem zweiten Festivaltag einen Auftakt nach Maß.

Der eigentliche Star des Festivals ist aber eigentlich wie immer das Rodeo selbst gewesen – überschaubarer, gemütlicher, friedlicher und besser organisiert geht es nämlich kaum. Das war auch in diesem Jahr wieder so, trotz der neuen Dimensionen und ersten Rissen im eigentlich perfekten Bild. So sorgte zum Beispiel bei vielen für Unverständnis, warum auch Nicht-Camper fünf Euro Pfand für einen Müllsack berappen mussten – und diese dann auch nur gegen einen vollen Müllsack wiederbekamen.

Ansonsten aber gab es wie immer wenig zu meckern: genügend Parkplätze waren vorhanden, das Bier kam schnell über die Theke und selbst die Securities sind viel netter als anderswo. Und weil es dann statt des erwarteten schlechten Wetters sogar noch ein bisschen Frühling oben drauf gab, hat das Rodeo auch in diesem Jahr die Latte für das schönste Festivalerlebnis des Jahres wieder ziemlich hoch gelegt.

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