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RUHRPOTT RODEO 2015 – 22. bis 24 Mai, Hünxe

27 Mai 2015 No Comment

Ruhrpott-Rodeo_2015

Ein überragender Headliner am Freitag, Kurioses am Samstag und Sonnenbrand am Sonntag. Das Ruhrpott Rodeo 2015 war mal wieder ein richtig feines Festival, das trotz neuer Größe seinen Charakter und seinen Charme nicht verloren hat.

Mann, ist die groß. Wer im letzten Jahr das Rodeo verpasste, der stand 2015 staunend vor der Megabühne, die für das Festival auf einen Acker bei Bottrop gepflanzt wurde. Anlässlich des letztjährigen Sprungs vom Zwei- zum Dreitagesfestival und des prominenteren Line-Ups hatte sich das Rodeo diesen Bombast 2014 erstmals gegönnt und auch in diesem Jahr beibehalten. Grotesk, dieses Wort hörte man immer wieder im Publikum. Und auch so mancher Band scheint das Ding nicht so ganz geheuer zu sein. So hatte El Fish für seine Lokalmatadore um einen Gig auf der kleinen Bühne gebeten, selbst wenn es dort nur eine halbe Stunde Spielzeit gab.

Andere Band wiederum machen es vielleicht gar nicht kleiner, dann hat das Monster seine Berechtigung. REFUSED zum Beispiel, Headliner des Festivals und am Freitag zu später Stunde auf der Bühne, brauchten den Platz und sicher auch die Technik, die man dort unterbringen kann. Einerseits wäre Dennis Lyxzén in seinem Bewegungsdrang auf einer kleineren Bühne unweigerlich andauernd an die Seiten gestoßen oder von der Kante geplumpst, andererseits war der Sound, den die Boxentürme hergaben, allerfeinster Güte. Was REFUSED da vom Stapel ließen, wie präzise und druckvoll sie ihre Songs präsentierten, das konnte einem schon den Atem verschlagen. Und wenn das Ganze dann mit „New Noise“ und „Worms of the Senses / Faculties of the Skull“ endet, dann gibt es mal gar nichts zu meckern.

Der Auftritt war das erwartete Highlight und der krönende Abschluss des ersten Festivaltages, dem unter anderem umjubelte Auftritte der Hardcore-Legende AGNOSTIC FRONT sowie von FEINE SAHNE FISCHFILET vorausgegangen waren. Letztere überzeugten vor allem zwischen den Songs mit klaren Ansagen und politischen Statements, die weit über das hinausgehen, was man auf Festivalbühnen ansonsten so gewohnt ist. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, warum die Band gerade so abgeht. Am ganz okayen Ska-Punk alleine kann es zumindest nicht liegen.

Am Samstag kommt es auf der kleinen Bühne zur kuriosen Begebenheiten

Am zweiten Tag gab es etwas mehr Wolken und auch musikalisch ging es eher solide zu. PASCOW zeigten einen souveränen Auftritt, sind im Club aber besser. Die REAL MCKENZIES verbreiteten Spaß und spielten gefällig zum Tanz auf. DANKO JONES drückten gewohnt mächtig aufs Bluesrockpedal. STIFF LITTLE FINGERS blieben weitestgehend blass.

Richtig bunt wurde es am Samstag vor allem auf der Nebenbühne, wo es Kurioses und Seltsames zu bewundern gab, statt den SHITLERS zum Beispiel ein seltsames Schauspiel. Da die Band wohl zu Teilen verhindert war, schickte Mastermind Frank Shitler ein aus dem Publikum gecastetes Playbacktrio auf die Bühne, dass anfangs für Belustigung sorgte, dann mit fortschreitender Zeit für Irritationen und schließlich bei einigen wenigen für leichte Aggressionen, als auch dem letzten klar war, dass das mit den SHITLERS heute nichts mehr wird. Es wurde von Seiten der Band aber fleißig mitgefilmt und vielleicht gibt’s irgendwann ja noch die Antwort auf die Frage, ob das nun eine Verlegenheitslösung war oder ein ambitioniertes Kunstprojekt über Livemusik im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Oder so was Ähnliches.

Zu diesen seltsamen Vorgängen passten dann auch noch weitere Begebenheiten des Samstags. Nicht überraschend, aber schräg wie immer war der Auftritt der KASSIERER. Richtig, weil eben unerwartet grotesk, wurde es dann aber im Anschluss, als auf der kleinen Bühne tatsächlich eine ABBA-Band aufspielte. Und zwar kein pseudoironisches Witzprojekt irgendwelcher verdienter Punkmusiker, sondern eine echte und ernsthafte Coverband in bunten Glitzergewändern, die ansonsten vermutlich bei Stadtteil- und Sparkassenfesten aufspielt sowie bei Hochzeiten, zu denen man nicht eingeladen werden möchte.

Diese Band nun stand plötzlich hunderten grölender und tanzender Punkfestivalbesuchern gegenüber, von denen immer mehr zur kleinen Bühne strömten. An den tapsigen Ansagen konnte man die Aufregung der Band spüren, die bald jedoch einem Hochgefühl zu weichen schien. Am Ende jedenfalls war die Coverband von ihrem bisher größten Auftritt so berauscht, dass sie sich sogar mit DANKO JONES anlegen wollten. Benebelt von den Zugabe-Rufen wollte sie etwas von dessen Spielzeit für sich abknapsen, wurde aber von der Technik gestoppt.

Ist das noch Punk, fragt die ANTILOPEN GANG. Aber sicher!

Am Sonntag dann schien über allem die Sonne. Und aus einem bisher guten Ruhrpott Rodeo wurde ein sehr gutes. Auch natürlich wegen des Line-Ups. Dieses bestach am Sonntag mit Bands, die man so auf einem Punkrockfestival nicht unbedingt erwartet, und ließ gleichzeitig die Punkerherzen höher schlagen. So sorgte zu Beginn ein Überraschungsgig von DRITTE WAHL für Begeisterung, später konnte man bei KNOCHENFABRIK  mitgrölen sowie bei den LOKALMATADOREN.

Eine Menge Punk steckt aber auch in der ANTILOPEN GANG. Die Düsseldorfer Rapper gaben anfänglicher Skepsis keine Chance und hatten das Publikum schnell auf ihrer Seite. Gerne wieder, auch in diesem Rahmen. Immer wieder kommt auch die SONDASCHULE zum Rodeo, die inzwischen zum Inventar des Festivals zu gehören zu scheint. Die Mühlheimer Ska-Big-Band begeisterte auch dieses Mal wieder die Massen, was wiederum bei anderen ein dickes Fragezeichen hinterließ.

Richtig gut und leider auf der kleinen Bühne total verschenkt waren anschließend THE BABOON SHOW. Die schwedische Band gab wie immer alles und konterte die kurze Spielzeit damit, dass sie einfach alle Hits in ihre Mini-Setlist packten. Da sie aber noch ein paar Hits mehr gehabt hätte, endete der Gig viel zu schnell mit einem gespaltenen Gefühl: etwas enttäuscht, aber trotzdem glücklich.

Schlagartig nach oben ging anschließend der Altersdurchschnitt – und zwar vor der großen Bühne. NEW MODEL ARMY zeigten dort einen gefälligen Auftritt, der mit „I love the world“ großartig endete. Danach gab es mit den Lokalmatadoren die zweite Band aus Mühlheim, die zum Inventar des Rodeos gehört, bevor THE ADDICTS mit jeder Menge Konfetti souverän einen Schlussstrich unter das diesjährige Rodeo setzten.

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