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COLOSSEUM – 11.02.2015, Wuppertal, LCB

18 Februar 2015 No Comment

COLOSSEUM – 11.02.2015, Wuppertal, LCB
Gegen die Zeit

„You all know that this is our last tour ever!“ Als Chris Farlowe irgendwann an diesem Abend verkündet, was sowieso schon alle Anwesenden im ausverkauften Wuppertaler Live Club Barmen wissen, ist das kollektive Bedauern natürlich trotzdem riesig. Irgendwo aus dem Publikum ruft jemand: „COLOSSEUM II!“ Farlowe erwidert grinsend, dass eine weitere Reunion der Band ja schon COLOSSEUM III wären. Denn wer hätte gedacht, dass die 1968 gegründete und 1971 schon wieder aufgelöste Band nach ihrer Reunion 1994 noch mal über 20 Jahre durchhalten würde? Wenn man sich die Protagonisten auf der Bühne an diesem Abend anschaut, möchte man sagen: eigentlich alle!Und trotzdem: irgendwann muss Schluss sein. Nachdem die sichtlich gealterte Band in den letzten Jahren quasi ununterbrochen auf Tour gewesen ist, fällt der Vorhang am 28. Februar im Londoner 02 Shepherd’s Bush Empire. Aber erst mal ist Wuppertal dran. Und als die Band den Abend wie so häufig mit „Walking In The Park“ von der GRAHAM BOND ORGANIZATION beginnt, klingt das noch lange nicht nach Ruhestand. Selbstverständlich merkt man die Strapazen des Tourlebens vor allem „Lady Saxophone“ Barbara Thompson an, die schon seit langem unter ihrer Parkinson-Krankheit leidet. Aber für Thompson scheint ja gerade die Bühne auch seit langem die beste Therapie zu sein.So prescht die Band mit nicht einer bemerkenswerten Energie (man muss sich das mal überlegen, Sänger Chris Farlowe wird dieser Jahr 75, Bassist Mark Clarke ist mit seinen 64 Jahren der „Jungspund“ der Band) durch ihr Programm, das zunächst von Jack Bruces „Morning Story“ über den neuen Song „Blues To Music“ bis zu „No Pleasin'“ vom 1997er-Album „Bread and Circuses“ reicht. Dass die Band schon lange wie ein musikalischer Anachronismus klingt, ist dabei die eigentliche Stärke. Modern sollte das hier nie sein! Dessen ist sich auch Farlowe bewusst, als er verschmitzt wie ein Schuljunge erzählt, dass er der Band im Alter von gerade mal 10 Jahren beigetreten ist. Bei dieser Behauptung muss im Publikum nun wirklich niemand zwei Mal nachrechnen.Wenn es nicht um kleine und große Witze geht, übernimmt Drummer John Hiseman die Ansagen der Band. Und auch seine Geschichte darüber wie die Mondlandung von 1969 zur Entstehung der (fast ebenso legendären) „Valentyne’s Suite“ geführt haben soll, sind wunderbare Anekdoten aus einer anderen Zeit. Und welche Band nimmt sich heutzutage bitte noch über zehn Minuten für ein einziges Schlagzeugsolo Zeit? Bei COLOSSEUM wären die Fans beleidigt, wenn es nicht so wäre.

Natürlich muss auch dieser Abend irgendwann leider enden. Nach den absoluten Klassikern „Rope Ladder To The Moon“ und „Lost Angeles“ vom 1970er-Album „The Grass Is Greener“ gehen sechs Musiker von der Bühne, die man so bald nicht mehr zusammen sehen wird. Sie haben lange gegen die Zeit angespielt und am Ende nur gewonnen, wie es Farlowe an diesem Abend irgendwann zwischen zwei Songs zusammenfasst. Was soll man dazu noch sagen? Danke und viel Glück bei allem, was noch kommt!

Info:
liveclub-barmen.de

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